Unmut über geplante Baumfällung

Umgestaltung am alten SSG-Platz: Radlerstraße und Kreisel

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Trauer um die Weide: Auf kleinen Kärtchen geben Aktive und Besucher des ZenJA ihrem Unmut Ausdruck. Die Stadtverwaltung will aber noch von einem Gutachter prüfen lassen, ob der Baum trotz der Umgestaltung erhalten werden kann.

Langen - Nach der Inbetriebnahme der Kindertagesstätte „Mittendrin“ auf dem alten SSG-Platz will die Stadt in diesem Jahr den Bereich Zimmerstraße/Jahnstraße/Parkplatz am Kraftsportzentrum umgestalten. Von Markus Schaible

Dabei wird die Fahrradstraße an der Dreieichschule vorbei bis zur Zimmerstraße verlängert. Allerdings ist fraglich, ob die Trauerweide am ZenJA erhalten werden kann – und das sorgt bei Bürgern für Verärgerung. Es ist einer der am meisten frequentierten Verkehrsknotenpunkte der Innenstadt – zumindest in den Zeiten rund um Schulbeginn und -ende: Dort, wo der Parkplatz neben dem Kraftsportzentrum auf die Zimmerstraße trifft, ein paar Meter weiter die Jahnstraße abbiegt, herrscht morgens und mittags Hochbetrieb. Unzählige Schüler sind mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs, queren die Zimmerstraße oder biegen von ihr ab. Auf dem Parkplatz wollen Lehrkräfte der Ludwig-Erk-Schule ebenso ein- oder ausparken wie (zumindest mittags) Besucher des Kraftsportzentrums und des Zentrums für Jung und Alt (ZenJA), in dem Seniorenhilfe und Mütterzentrum unter einem Dach vereint sind. Seit die neue Kita Mittendrin die alte Einrichtung auf der anderen Seite der Zimmerstraße ersetzt hat, kommen auf dem Parkplatz noch zahlreiche Mama-Taxis dazu.

Dass dort Handlungsbedarf besteht, ist lange bekannt – ein Gesamtkonzept für eine Fahrradstraße gibt es seit Anfang 2012. Ein Teil der Pläne wurde auch bereits umgesetzt: Die Fahrradstraße von der Walter-Rietig-Straße im Verlauf der Schillerstraße bis zum Albertus-Magnus-Platz (also bis zur Dreieichschule) wurde Mitte 2013 Realität. Nachdem der Kita-Neubau auf dem alten SSG-Platz vergangenes Jahr fertiggestellt wurde, will die Stadtverwaltung nun Teil zwei des Verkehrskonzeptes umsetzen: Fortsetzung der Fahrradstraße bis zur Zimmerstraße, dort einen Minikreisel am Abzweig Jahnstraße, damit einhergehend die Umgestaltung/Erweiterung des Parkplatzes neben dem Kraftsportzentrum.

Ein Vorentwurf aus dem Jahr 2014 zeigt den Bereich mit Fahrradstraße, Parkplätzen und einem Minikreisel an der Einmündung der Jahn- in die Zimmerstraße.

„Wir hatten noch ein paar technische Fragen bezüglich der Entwässerung zu klären“, sagt der zuständige städtische Fachbereichsleiter Carsten Weise. „Aber die sind geregelt, somit kann es an die Realisierung gehen.“ Konkret ist vorgesehen, die Fahrradstraße über den bestehenden Fuß-/Radweg vom Albertus-Magnus-Platz am ZenJA vorbei zu führen, nach dem ZenJA-Parkplatz nach Süden abzuknicken bis ans Kita-Gelände heran und dann weiter nach Osten in gerader Linie auf den Kreisverkehr Zimmer-/Jahnstraße treffen zu lassen. Dieser wird vorerst nur ein „aufgeklebter Minikreisel“, kündigt Weise an. „Aber wir werden in einigen Jahren die Zimmerstraße sanieren müssen, da macht es keinen Sinn, jetzt schon etwas Kostspieligeres zu errichten. Das machen wir dann in einem Zug mit der Fahrbahnsanierung.“

Umgestaltet wird auch der Parkplatz: Auf dem Areal zwischen Kraftsportzentrum/Turnhalle der Ludwig-Erk-Schule und Fahrradstraße werden 48 Stellplätze mit separater Ein- und Ausfahrt geschaffen. Verschwinden wird im Übrigen die dortige Fußgängerampel; künftig wird es nur noch einen Zebrastreifen geben. Was der Umbau kostet, steht noch nicht fest: Derzeit werde die Ausschreibung für die Arbeiten vorbereitet, berichtet Weise. Gebaut werden soll im zweiten Halbjahr 2016. Noch im Februar (vor Beginn der Vegetationsperiode/Brutzeit) müssten allerdings Vorarbeiten stattfinden, die derzeit für Diskussionen in der Bevölkerung sorgen: Die Trauerweide am ZenJA soll gefällt werden.

„Wir werden einen unabhängigen Gutachter prüfen lassen, ob der Baum erhalten werden kann“, kündigt Weise an. Problem sei nicht der Stamm an sich, sondern das weitverbreitete Wurzelwerk der Weide. Das müsste bei den Bauarbeiten teilweise abgestochen werden und es sei sehr fraglich, ob der Baum das überlebe. Er sei für einen Weichholzbaum sowieso schon relativ alt und in der „Endphase seines Lebens“.

Die Pläne zu ändern sei nicht möglich, da in diesem Bereich zu viele Belange unter einen Hut zu bringen seien. Im Übrigen sei die Fahrradstraße zur Erhöhung der Sicherheit für Kinder und Jugendliche keine Idee der Stadt, sondern gehe auf Anregungen des renommierten Verkehrsplaners und „Fahrrad-Gurus“ Professor Jürgen Follmann von der Hochschule Darmstadt zurück. „Wir werden den Baum retten, wenn es geht“, so Weise: „Wenn wir es aber nicht anders hinbekommen und es uns den Baum kostet, dann ist das leider so.“ Daran dürfe die Umgestaltung nicht scheitern. „Ich verspreche aber, dass wir im künftigen Stadtgarten, der ja auf dem restlichen alten SSG-Platz entstehen wird, auch wieder Weiden setzen werden“, sagt der Fachbereichsleiter.

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