Fürstliches Gartenfest begeistert Besucher

Viel Spaß mit dem Gras

+
Ganz besondere Kopfbedeckungen aus Gras präsentiert Anne Facius. Ihr Motto: „Gras statt Fell“.

Langen - Eine Wettervorhersage mit „zum Teil länger anhaltendem“ Regen kann Gartenfreunde nicht schocken: Zu Tausenden kommen sie zum Fürstlichen Gartenfest in den Park von Schloss Wolfsgarten – und werden dafür mit einem Wetter belohnt, das erheblich besser ist als die Vorhersage. Und natürlich mit einer wieder einmal gelungenen Veranstaltung. Von Markus Schaible

Sie sind der Hingucker schlechthin: Neben dem Teehaus im hinteren Teil des Schlossparks präsentiert Künstler Ludger Thuilot seine „Thuilot’schen Gärten“. Der Vergleich mit James Camerons Erfolgsfilm Avatar drängt sich auf – denn die Gärten „schweben“. Aus Vreden an der deutsch-niederländischen Grenze ist er gekommen – „eine wunderschöne Gegend, da kann man toll Urlaub machen“. Und offenbar eine Gegend, die inspirierend wirkt. „Anpflanzung in der Schale“ – das ist die deutsche Übersetzung des japanischen Wortes Bonsai. „Mich hat daran immer die Schale gestört“, sagt Thuilot. Durch Zufall kam ihm bei einem Steinegroßhändler die Idee: Der Künstler arrangiert die Bäume auf Lavasteinen, die er wiederum auf unterschiedlichen Sockeln platziert – und schon ist aus dem kleinen Baum ein großer Blickfang geworden. Und da der Stein Feuchtigkeit speichert, braucht er keine Erde.

Die Akteure des Wiener Masken- und Musiktheaters sind schon Stammgäste bei der Veranstaltung im Schlosspark.

Die Preise beginnen bei 180 Euro, können aber je nach Alter der Bäume auch vierstellig werden – und dennoch prangen an den meisten der Objekte schon am Samstagnachmittag „Verkauft“-Schilder. „Kein Problem“, sagt Thuilot, „ich kann auf Wunsch alles individuell zusammenbauen und liefern.“ Für diejenigen, die gerade keinen Urlaub haben, um selbst nach Vreden zu fahren. Andere Besucher des Fürstlichen Gartenfests werden dagegen bei Blumenzwiebeln zum kleinen Preis fündig. Oder bei Landhausmode, dann schon wieder für ein paar Euro mehr. Oder bei hochwertigen Gartenscheren. Bei Rosendünger. Oder den Rosenstöcken. Bei Chilipflanzen. Oder sie lassen sich beraten. „Wir müssen unseren Garten überdenken“, sagt eine Frau zu ihrem Mann. Wie der bald aussehen könnte, kann sich der Gemahl in einem der Schaugärten ansehen. Oder er kann sich Anregungen beim Vortrag von Cassian Schmidt holen. Der renommierte Referent und Leiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof in Weinheim vermittelt passend zum diesjährigen Sonderthema, wie viel Spaß man mit Gras haben kann.

Spaß haben die Besucher auch bei Kleinkunst und Musik. Wenn dann die Jagdhornbläser der Rallye Rheingau auf die Jazzmusiker der Gruppe Die Schwindler treffen, geht es gar Cross-over zur Sache. Dass sie großes Glück mit dem Wetter haben, wissen auch die 180 Aussteller zu würdigen. Einige von ihnen sind seit dem ersten Gartenfest und damit zum zehnten Mal mit dabei: die Langener Blumenstubb zum Beispiel. „Wir haben dafür eine Auszeichnung bekommen“, freut sich Anna Sehring. „Für uns war von Anfang an klar, dass wir als lokales Unternehmen dabei sein müssen. Und die Leute sind auch sehr interessiert, wenn wir sagen, dass wir hier aus der Stadt kommen.“

Für das achtköpfige Team der Blumenstubb bedeutet das Gartenfest ein Großkampfwochenende. Nicht nur der aufwendig gestaltete Stand ist zu bestücken und zu betreuen, parallel bleibt der Laden in der Wassergasse geöffnet. „Drei Hochzeiten haben wir dieses Wochenende auch noch“, berichtet Anna Sehring. „Die habe ich heute Nacht noch fertig gemacht.“ Das Gartenfest, sagt sie, sei mittlerweile fest in Langen verankert. In den Anfangsjahren seien die Bürger der Stadt eher etwas zögerlich beim Besuch der Veranstaltung gewesen, das habe sich sichtbar geändert.

Fürstliches Gartenfest 2016: Fotos

Auch Konditor Jesco Mann (Condit Couture ebenfalls in der Langener Altstadt) ist restlos zufrieden: „Für uns ist das ein Heimspiel mit einem tollen, angenehmen Publikum, das macht einfach Spaß.“ Vergangenes Jahr hatte er für seine Torte zu Ehren der früheren Schlossherrin Prinzessin Margaret (1913 - 1997) den Produktpreis gewonnen; in diesem Jahr kreierte er fürs Gartenfest die grüne Ludwig-Torte in Erinnerung an Margarets Mann, Ludwig von Hessen-Darmstadt (1908–1968). „Sie ist passend zum Sonderthema mit Zitronengras“, erklärt der Konditor. Und sehr lecker: „Kein einziges Stück mehr da“, sagt Mann am Samstagabend. Gerade fallen die ersten Regentropfen. Doch da ist ein schöner Gartenfesttag bereits so gut wie zu Ende.

Kommentare