Nach 20 Jahren ein international bekanntes Gesicht

Weltweit am Puls der Clubszene: DJ Marco Petralia

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Heute ist der Arbeitsplatz eines DJs längst ein PC. Im Sommer geht Marco Petralia aber gerne einer anderen Leidenschaft nach: Dem Surfen am Waldsee.

Langen - Wenn die Nacht hereinbricht, füllen sich am Wochenende landauf, landab die großen Clubs. Marco Petralia kennt das Business wie kaum ein Zweiter. Als DJ kann er auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Auftritte im World Club Dome der Frankfurter Commerzbankarena oder auf der RTL-Silvesterbühne am Brandenburger Tor haben ihn international bekannt gemacht. Von Timo Kurth 

Große Karriere, kleines Tonstudio: Überraschend überschaubar ist Marco Petralias Arbeitsstätte in Sprendlingen, die er vor rund zehn Jahren in seinem Elternhaus eingerichtet hat. Auf rund zehn Quadratmetern stapeln sich DJ-Geräte, alte Vinyl-Scheiben, Mikros und ein Computer. „Man braucht heutzutage gar nicht mehr so viel zum Musik machen“, kommentiert Petralia, der mittlerweile in seinem Geburtsort Langen lebt. Auch Kenntnisse in Musiktheorie sind für ihn nicht essenziell. „Ich selbst spiele gar kein Musikinstrument“, sagt der 39-Jährige. Die meisten seiner Werke spielt er auf einem kleinen Keyboard ein, dessen Sounds er mit PC-Software bearbeitet. Sein Erfolg spricht dabei für ihn. Über Jahre hinweg legte er bis zu fünf Mal in der Woche bis in die frühen Morgenstunden auf – mit entsprechend irrem Tag-Nacht-Rhythmus. „Das ist harte Arbeit. Nach acht Stunden Musik auf den Ohren braucht der Körper einfach eine Pause“, erzählt er.

Schon früh, so mit 15 Jahren, fängt Petralia an, Musik zu sammeln. Eine Auswahl seiner unzähligen Vinylscheiben hat ihren Platz in einem Schrank im Studio. „Dass ich dann DJ geworden bin, hat sich einfach so ergeben. Am Anfang habe ich mich bei privaten Partys an die Musikbox gestellt – wie vermutlich jeder irgendwann mal.“ Dass er jedoch ein Gespür für das hat, was Leute vor seinem Pult hören wollen, wird schon damals deutlich. Knapp volljährig, bekommt Petralia dann die Chance, in kleineren Clubs in Frankfurt zu spielen. „Ich wurde ab dann immer wieder gefragt, ob ich nicht bei der einen oder anderen Party auflegen möchte.“

Einen großen Schritt zum hauptberuflichen DJ macht der Langener schließlich während seines Architekturstudiums. „Ein Mitstudent hat damals eine Eventagentur in Frankfurt gegründet und mich gebeten, auf seinen Partys aufzulegen – wir wussten da allerdings noch nicht, dass das mal die größten Partys in Frankfurt werden würden“, so Petralia schmunzelnd. In Off-Locations, also Orten wie ungenutzten Lagerhallen veranstalteten die beiden mit ihrem Team wöchentlich erfolgreiche Mottopartys. „Theken, Getränke und Musik haben wir kurzzeitig aufgebaut und am nächsten Tag waren wir in der Regel wieder draußen“, erinnert er sich.

Big City Beats 2016 in Frankfurt: Bilder

Während und nach dem Studium, das Petralia trotzdem durchzieht, dreht sich alles um Musik. Als ein Mitglied der „BigCity-Residents“, der festen DJ-Formation der erfolgreichen Nightlife-Marke BigCity-Beats, tourt er zeitweise rund 100 Abende im Jahr durch Clubs in Deutschland und im Ausland: Miami, Hamburg und Barcelona – die Liste ist ellenlang. Eine aufregende Zeit, aber auch Jahre der Entbehrungen. „Man muss auf einiges verzichten. Ich habe schon unzählige Familienfeiern oder Hochzeiten verpasst, weil ich auf Tour war“, blickt er zurück. Eines seiner größten Erlebnisse ist sicherlich die Silvesterparty am Brandenburger Tor 2008/09 mit Fernsehübertragung. „Das war schon krass. Danach hatte ich bestimmt 100 Anrufe, von Freunden und Bekannten, die mich im Fernsehen gesehen haben“, so der DJ. „In dem Moment konnte ich da glücklicherweise gar nicht so drüber nachdenken – bei minus 20 Grad“, fügt er lachend hinzu. Bei diversen Gelegenheiten macht man selbstredend auch Bekanntschaft mit internationalen Stars. Regelmäßig legt er vor oder nach Hitmaschinen wie David Guetta oder Avicii auf. „Man gibt sich auf Festivals quasi die Klinke in die Hand. Wenn Zeit ist, kommt man dann auch Backstage mal ins Gespräch“, so der Langener.

Ein guter DJ ist für ihn jemand, der die Feiernden bei Laune hält. „Jeder DJ hat seine Berechtigung, solange er die Menschen erreicht und lesen kann. Auch die lebendige Jukebox auf Hochzeiten oder Karnevalsfeten“, sagt er zur wachsenden Anzahl eben solcher Kollegen. An sich selbst hat Petralia einen hohen künstlerischen Anspruch. Regelmäßig lädt er sich Musiker ein, die auch abseits der Dance- und Clubbranche unterwegs sind. Sein Titel „Shake it“ wurde etwa von Sänger Gastone aus Frankfurt eingesungen, der eigentlich für seinen Folk-Sound an der akustischen Gitarre bekannt ist. „Gastone hat eigentlich nichts mit elektronischer Musik zu tun, aber seine Stimme war für mich charakteristisch. Das hat einfach gepasst.“ Das Musikvideo zu „Shake it“ hat auf Youtube inzwischen mehr als 100. 000 Aufrufe.

Das Video auf Youtube:

In den vergangenen Jahren trat Petralia ein wenig kürzer. Er wurde Vater und hat sich einen Teilzeitjob in der Immobilienbranche genommen. Demnächst will er aber wieder angreifen: „Mit einem Album, auf dem ausschließlich eigene Titel erscheinen“, sagt er voller Vorfreude. Außerdem will er sein Wissen an eine neue Generation am Musikpult weitergeben. „Ich biete seit Neustem DJ-Workshops in meinem Studio an. Es freut mich einfach zu sehen, wenn sich junge oder auch alte Menschen für die Geräte begeistern.“

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