Kilometerstein aus dem Boden geholt

Zeugen der Geschichte

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Unter den wachsamen Augen von Stadtarchivar Heribert Gött und Heimatkundler Reinhold Werner (rechts) haben Mitarbeiter der Kommunalen Betriebe den Kilometerstein aus dem Boden geholt und sichtbar auf dem Gehweg eingebaut.

Langen - Und wieder ist ein Stück Geschichte zurück ins öffentliche Blickfeld gerückt: Auf Initiative des Stadtarchivs wurde ein historischer Kilometerstein so weit angehoben, dass er deutlich sichtbar vor dem Haus Darmstädter Straße 48 steht. Von Markus Schaible

Schwerstarbeit im dienste der Langener Heimatkunde: Mit Muskelkraft und nach Zustimmung der Denkmalbehörde hat der Bautrupp der Kommunalen Betriebe zur Straßenunterhaltung den historischen Kilometerstein 12,8 vor dem Haus Darmstädter Straße 48 erst freigelegt, dann gehoben und deutlich sichtbar aufgestellt. Für den ehrenamtlichen Stadtarchivar Heribert Gött und den Langener Heimatkundler Reinhold Werner als Augenzeugen der Aktion ein ganz besonders freudiger Moment. Möglich geworden ist er, da der Verkehrs- und Verschönerungsverein die Aktion finanziell unterstützt hat.

Der etwa 150 Jahre alte Stein ist für die Heimatkunde deshalb so bedeutsam, weil er das vermutlich einzige Exemplar ist, das an der Straße vom großherzoglichen Messpunkt Null am Langen Ludwig in Darmstadt bis nach Neu-Isenburg noch an seinem ursprünglichen Standort steht. Andere Steine an der Strecke sind dem Straßenbau zum Opfer gefallen sein. Bislang war von dem Stein bloß die Spitze zu sehen: „Er hat nur etwa 20 Zentimeter aus dem Boden geschaut“, berichtet Gött. Dadurch war die Zahl nicht mehr zu sehen gewesen.

Dass nun die 12,8 sichtbar wurde, bestätigt auch die Annahme, die bereits seit vergangenen Herbst auf einem Schild am Kilometerstein 13,0 zu lesen ist. Dieser war im Keller des Stadtmuseums im Alten Rathaus aufgetaucht und vor dem Haus Darmstädter Straße 26, ein paar Meter neben seinem ursprünglichen Standort, wieder aufgestellt worden.

Die beiden Kilometersteine sind aber nicht die einzigen, die noch zu finden sind. Heimatforscher Werner hat noch ein Exemplar an der Bahnstraße 86 (am sogenannten Bügeleisenhaus) ausfindig gemacht, das allerdings im Bürgersteig verbaut ist. Werner vermutet, dass jener Stein zur Kilometrierung der Landstraße nach Rüsselsheim diente. Außerdem gibt es in Langen einige Straßensteine, die früher alle 200 Meter gesetzt wurden. Drei hat die Dieburger Straße zu bieten: in der Backsteinmauer vor dem Mahnmal der Synagoge, an der Einmündung der Östlichen Ringstraße und – gut sichtbar – vor den Parkplätzen des Hauses Dieburger Straße 59. Ebenfalls leicht zu erkennen ist der Straßenstein 13,6 an der Fußgängerampel beim Gebäude der Sparkasse Langen-Seligenstadt an der Frankfurter Straße.

Solche Aktionen wie jetzt haben für Stadtarchivar Gött einen großen öffentlichen Nutzen: „Wir können mit kleinen Mitteln Heimatgeschichte sichtbar machen.“ Er hofft nun, nach und nach weitere Steine herrichten lassen zu können.

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