Äpfel statt Traubenkirschen

BUND will Streuobstwiesen auf Magerrasen-Gelände schaffen

Zellhausen - Den Erhalt von Streuobstwiesen und Sandmagerrasen hat der Ortsverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit dem Kauf von einem halben Hektar Fläche bei Zellhausen im Sinn. Von Oliver Signus 

Thorwald Ritter führt eine Gruppe bei der Exkursion auf die Streuobstwiese bei Zellhausen an. Nachdem der BUND dort Grundstücke gekauft hat, sind die Naturschützer nun damit beschäftigt, schädliche Gewächse zu entfernen und Apfelbäume zu pflanzen.  

Bei einem Rundgang unter Leitung von Thorwald Ritter erfuhren die Teilnehmer, wie mühevoll diese Aufgabe ist. Äpfel im Herbst selbst ernten und dann im Keller einlagern, anstelle in Plastik verpacktes Obst im Supermarkt kaufen - das kennt vor allem, wer in den 1960-er oder 70-er Jahren Kind war. Nach den Vorstellung der Mitglieder des Ortsverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) soll das nun auch bald wieder bei Zellhausen möglich sein, denn dort haben die Umweltschützer verschiedene Grundstücke mit einer Gesamtgröße von einem halben Hektar zusammengekauft. 40.000 Euro hat der BUND an die vorherigen Besitzer bezahlt, sagt Ritter. Das Geld stammt aus Mitteln der Ausgleichsabgabe, die jeder Hausbauer zahlen muss, wenn er nicht in der Lage ist, Ersatzpflanzungen selbst vorzunehmen. Eine Million Euro haben sich in einem Topf beim Kreis Offenbach angesammelt, der das Geld wiederum vom Land Hessen erhalten hat. Weil aus Wiesbaden vor einiger Zeit der Hinweis gekommen sei, dass der Betrag an das Land zurücküberwiesen werden müsse, wenn es bis Jahresende nicht ausgegeben wird, hat der Kreis wiederum Organisationen angeschrieben, um für Naturschutzprojekte Geld anzufordern.

Gekauft hat der BUND nun Flächen, die praktisch den Eingangsbereich zu dem drei Hektar großen Areal westlich des Hinkelsteinwegs zwischen der alten Gleisanlage und der Autobahn bilden. Diese Grundstücke waren besonders in Mitleidenschaft gezogen, beziehungsweise weitgehend verwildert. Auch hatten anliegende Kleingärtner eine Teil für die Anfahrt zu ihren Grundstücken genutzt. Mit ihnen, sagt Ritter, habe man sich geeinigt, sie nutzen nun andere Zufahrtmöglichkeiten.

Auf die Naturschützer wartet nun noch viel Arbeit, bis aus dem verwilderten Gelände eine ertragreiche Streuobstwiese wird. Zu etwa 90 Prozent ist die Fläche mit Sandmagerrasen bedeckt, es wachsen dort Sandgrasnelke, Strohblume, Johanneskraut, Sandglöckchen, Heidekraut und Silbergras, die ebenfalls erhalten werden sollen. Verschwinden müssen laut Ritter hingegen das schädliche Jakobsgreiskraut und die exotische Traubenkirsche. Einst von Landwirten als idealer Unterbau von Kiefern angepflanzt, verbreitet sie sich sehr schnell. Sie zu entfernen, nennt Ritter eine „Sisyphusarbeit“, weil sich die Samen des ertragreichen Strauches oder Baumes millionenfach verbreiten. Der Kirsche werde mit Säge und Baggern zuleibe gerückt.

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Zum Verzehr eignen sich die Früchte nicht, lediglich für die Herstellung von Schnaps seien sie zu gebrauchen, erläutert Ritter. Im Herbst werden Obstbäume gepflanzt, mit dem Abriss der vorhandenen Zäune habe er bereits begonnen. Das Gelände soll für alle zugänglich sein, betont Ritter, so dass - wie in früheren Zeiten - im Herbst wieder Äpfel gepflückt werden können.

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