Drohnen-Rennen in Zellhausen

Mit 130 Sachen über den Sportplatz

+
Gelegenheit zum Fachsimpeln über die kleinen technischen Wunderwerke, die mit bis zu 130 Km/h über den Sportplatz sausten, gab es reichlich am Wochenende.

Mainhausen - Versuchsfeld für eine Europa-Premiere war am Wochenende das Sportgelände des SV Zellhausen an der Mainflinger Straße gegenüber dem Sendefunk-Gelände.

Mit bis zu 130 Stundenkilometern jagten 68 Weltklasse-Piloten zwei Tage lang ihre Hochgeschwindigkeits-Drohnen durch einen Hindernis-Parcours. Das passiert laut Dominik Roch aus Klein-Krotzenburg, Veranstalter des ersten „FPV Drone Race“ im Rhein-Main-Gebiet, inzwischen längst nicht mehr nur im Funsport-Mekka USA. Dass allerdings - wie in Zellhausen - die Zuschauer per Video-Leinwand gleichsam mit durch den Parcours rasen, habe es diesseits des großen Teichs noch nie gegeben.

Mit den bekannten Foto- oder Video-Drohnen für jedermanns Gebrauch, ob diverser illegaler Störflüge an Flughäfen oder in fremde Privatsphären zunehmend umstritten, hat das Fluggerät von Niklas Solle kaum mehr als das technische Grundprinzip gemein. Seinen Hochleistungsapparat hat der amtierende deutsche Meister aus München in monatelanger Arbeit selbst gebaut, austariert und von Wettbewerb zu Wettbewerb ständig verbessert. Erst 16 Jahre alt, misst sich der Champion in Zellhausen mit der Weltelite. Angereist ist etwa der Amerikaner Phil Freybott, mit seinen spektakulären Flugvideos auf youtube ein Star der globalen Netz-Community. Auch „Metal Danny“ hat sich laut Dominik Roch für das zweitägige Spektakel angemeldet: „Er ist Urgestein der Szene und bei jedem Drone Race vorne dabei“. Zu den Ikonen der Zunft gesellen sich auf dem SVZ-Gelände Drohnen-Piloten aus elf Ländern. Briten, Niederländer, Österreicher, Dänen und Litauer sind dabei, ein Flieger kommt sogar aus Neuseeland. Solchen Umgang ist der Hainburger Roch gewöhnt: Unlängst hat sein junges Unternehmen im schwäbischen Göppingen die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Dubai ausgerichtet. In Zellhausen hat er mit seinem sechsköpfigen Team auf den beiden SVZ-Fußballplätzen einen 350 Meter langen Rundkurs abgesteckt. Ihre höchstens 600 Gramm schweren „Copter“, wie Rotor-Drohnen auch heißen, jagen je vier Piloten pro Rennen durch fünf Tore, eine Slalom-Passage und ein Hochtor - bei der Qualifikation am Samstag zwei Minuten lang so oft wie möglich, Kopf an Kopf dann am Sonntag in der Endrunde der 32 Besten.

Trotz hoch gezüchteter Technik und internationalem Feld - an eine Segelregatta erinnert der Betrieb in Zellhausen eher als an den Formel-Eins-Zirkus. Hupsignale verkünden Start oder Rennabbruch, im Hintergrund läuft chillige Reggae-Musik. Auf der Terrasse des Sportlerheims gibt es Szenenapplaus für gelungene Manöver, ansonsten herrscht gespannte Ruhe - wenn nicht gerade das aktuelle Vierer-Feld mit dem hohen Sirren eines wütenden Hornissenschwarms an der improvisierten Tribüne vorbei fegt oder ein Raunen durch die Menge geht, weil einer der filigranen Flieger gegen ein Hindernis geprallt und waidwund auf dem grünen Rasen gelandet ist. Wenn es Schaden gibt, dann meist an den Rotoren - ein Fall für die Bastler im Pilotenlager.

Nur wenigen Zuschauern ist bewusst, dass sie auf der Großleinwand eine Premiere sehen: Die Bilder dort kommen direkt aus den Videobrillen der Piloten. Die lenken ihre Drohnen von einer kleinen Bühne aus - jedes Auge, jede Nervenzelle und die Hand an der Fernsteuerung aufs Höchste angespannt.

Bilder: Drohnen-Wettbewerb in Zellhausen

Die Mini-Kameras an Bord der Flugapparate verschaffen den „First Person View“ (FPV), den Blick aus der Ich-Perspektive, als flöge jeder persönlich mit. In dieser Form sei der Renndrohnen-Sport in den USA groß geworden und beginne, als Trend in Europa Furore zu machen, sagt Dominik Roch: FPV-Veranstaltungen, meist lose von Enthusiasten organisiert und übers Internet in einschlägigen Foren angesagt, seien meist binnen Minuten ausverkauft. In Zellhausen beginne die Suche nach einem „vermarktbaren Format“.

Der Hainburger, selbst seit zwei Jahren begeisterter Drohnen-Rennpilot, arbeitet mit seinem Team daran, der Szene System zu geben. Für Zellhausen haben sie sich eine Genehmigung beim Darmstädter Regierungspräsidium besorgt, die - wegen der Nähe des Segelflugplatzes - die Flughöhe auf 15 Meter begrenzt. Das Sicherheitskonzept sei in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Mainhausen entstanden. So schützt den Zuschauerbereich, der nicht überflogen werden darf, ein 50 Meter langes, fünf Meter hohes Sicherheitsnetz. Läuft ein Besucher auf die abgesperrte Bahn, bricht der Rennleiter sofort ab: „Der Funkkontakt wird unterbrochen, die Drohnen kommen einfach runter“, erläutert Roch.

Auf Sicherheit und klare Regeln sähe er gern mehr Wert gelegt. Verantwortungslose Kapriolen mit Gebrauchsdrohnen - die meisten davon viel schwerer aber nur halb so schnell wie die Renn-Apparate - bringen aus seiner Sicht den Sport in Misskredit. „Das sind Straftaten“, sagt Roch, begangen oft aus Unwissenheit. Der Hainburger plädiert für eine Beratungspflicht: „Jeder verkauften Drohne sollte mindestens ein Zettel beiliegen, der genau erklärt, was man damit darf und was nicht“. (rdk)

Kommentare