Kinder toben im Bürgerhaus Zellhausen

Kita geschlossen: Gefahr lauert in Dämmung

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Ab kommenden Montag toben die Kinder der Kita „Haus der kleinen Kleckse“ für etwa vier Wochen im Bürgerhaus Zellhausen. Bis Ende der Woche müssen die Erzieherinnen den Umzug der 55 Jungen und Mädchen organisieren.

Zellhausen - Bei einer Begehung im Zuge von geplanten Sanierungsmaßnahmen in der Kita Klecksehaus in Zellhausen wurde Dämmmaterial in der Decke entdeckt, das als gesundheitsgefährdend eingestuft wird. Von Oliver Signus 

Die Kita wird Ende der Woche geschlossen, ab Montag sind die Kinder bis auf weiteres im Bürgerhaus untergebracht. Weil in der Kita Klecksehaus gesundheitsschädliche Künstliche Mineralfasern (KMF) in der Decke entdeckt wurden, wird die Einrichtung am Freitag geschlossen. Wie Bürgermeisterin Ruth Disser gestern mitteilte, wurde bei einer Begehung das Dämmmaterial in den abgehängten Decken überprüft. Die Analyse des TÜV Hessen liege der Verwaltung seit Dienstagabend vor. Aufgrund der Werte habe man schnell handeln müssen. Die Kinder werden vorübergehend ins Bürgerhaus Zellhausen ausweichen.

Zur Vorgeschichte: Die Kita „Haus der kleinen Kleckse“ wurde vor fast 25 Jahren eröffnet. „Es war damals eine moderne Kita in Leichtbauweise“, erläutert Disser. Alles habe dem damaligen Stand der Technik entsprochen. „Zwischenzeitlich zeigte sich, dass diese Bauweise nicht für die Ewigkeit gedacht war und dass Maßnahmen in den nächsten Jahren erforderlich sind“, so die Rathauschefin weiter. Es wurden Begehungen angesetzt, umMängel, Maßnahmen und Kosten festzustellen. „Wir brauchten für weitergehende Planungen zur möglichen energetischen Sanierung Informationen über die Bausubstanz und die verbauten Materialien.“

Bei einem dieser Ortstermine wurde die Decke geöffnet, um die Dämmung zu überprüfen. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Mineralfasern verarbeitet wurden. Das Material wurde bis Mitte der 1990er Jahre verwendet. Weil es nicht mehr den Vorgaben laut Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) entspricht, ist es als gesundheitsgefährdend (krebserregend) eingestuft (Kategorie 2) und seit Juni 2000 verboten. „Da wir jetzt genau wissen, was es mit dem Material auf sich hat, werden wir die Kinder und die Erzieherinnen nicht länger als notwendig in den Räumen belassen“, sagt die Bürgermeisterin.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Am gestrigen Mittwochmittag war Disser gemeinsam mit der Fachbereichsleiterin vor Ort, um die Eltern bei der Abholung der Kinder zu informieren. Gleichzeitig seien alle aber auch schriftlich über die Gründe für die Schließung und die Umzugsmaßnahme in Kenntnis gesetzt worden. Eine Fachfirma werde am kommenden Montag mit der Entsorgung beginnen. Teile der Decke und das Dämmmaterial werden dann entfernt und erneuert. Die Verwaltungschefin rechnet damit, dass die Räume der Kita etwa vier Wochen nicht nutzbar sind. Betroffen sind verschiedene Bereiche, nicht aber die Gruppenräume, da dort die Decken nicht abgehängt seien. Nach der Sanierung werde per Messung überprüft, ob die Luft noch mit Schadstoffen belastet ist. Sei das der Fall, müsse das restliche Dach ebenfalls saniert werden. Das werde aber auf den Kita-Betrieb keine Auswirkungen haben, weil diese Arbeiten von außen erledigt werden, sagt Disser. Die Kosten für die nun notwendige Maßnahme schätzt sie „ganz vorsichtig“ auf 20.000 bis 24.000 Euro.

„Für die Kinder richten wir ab Montag einen Notdienst im Bürgerhaus Zellhausen ein“, erläutert Ruth Disser das weitere Vorgehen. Für das Bürgerhaus habe sich die Gemeinde entschieden, da dort sanitäre Anlagen vorhanden seien. Außerdem könne der Saal mit einigen Einrichtungsgegenständen aus der Kita entsprechend umfunktioniert werden. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Turnhalle, die die Mädchen und Jungen nutzen können, die Spielplätze im Neubaugebiet und in der Bahnhofstraße sind gut erreichbar. Die Verwaltung hat laut Disser auch die Aufstellung von geeigneten Containern geprüft. Diese Lösungsmöglichkeit sei aber auf Grund der recht langen Lieferzeiten verworfen worden.

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