Heimatmuseum im Karlsteiner Ortsteil Dettingen

Anschauliche Siedlungsgeschichte

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Museumsleiter Franz Biller wird von einer Beamtenpuppe am Fahrkartenschalter „bedient“. Rechts im Bild ist ein historischer Fahrkartenautomat zu sehen.  

Mainhausen/Karlstein - Kaum zehn zügig gelaufene Minuten von der Mainflingen mit Unterfranken verbindenden Kilianusbrücke entfernt, befindet sich an der Schulstraße 2 das Karlsteiner Heimatmuseum, das viel Interessantes zu bieten hat - auch für Menschen auf der anderen Mainseite.

Das Museum im Ortsteil Dettingen wurde durch Investitionen im mittleren fünfstelligen Eurobereich bis zur Neueröffnung im vergangenen November in mehreren Räumlichkeiten aufwändig renoviert und deutlich zeitgemäßer in seiner Präsentation gestaltet. Es bietet verschiedene Abteilungen und Themenräume auf mehr als 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche - verteilt auf mehrere Etagen. Geschichtsverein Karlstein, Gemeinde Karlstein, aber auch überörtliche öffentliche Träger in Bayern waren an der Finanzierung beteiligt.

Zudem sind in den vergangenen Jahren interessante Exponate hinzugekommen. So setzte der im mittelfränkischen Lauf an der Pegnitz beheimatete Künstler Klaus-Martin Grebe sich in einer großen, bis in Details präzisierenden Bildgestaltung mit der Erstbesiedlungsgeschichte der Region auseinander. Sein Werk zeigt die Erstbesiedlung des Flusses in grauer Vorzeit von der Mainflingener Seite aus gesehen. Im Hintergrund sind der Main und auf der anderen, der Karlsteiner Seite, der bewaldete Uferbewuchs und die Spessarterhebungen und Hügel zu sehen. Erste sesshafte Landwirte, die sich mit Ackerbau und Viehzucht befassten, sind in diesem Kunstwerk auf der hessischen Mainseite angesiedelt.

Der geschickte Umgang bei der Holzverarbeitung und die Fähigkeit, Strohdächer bauen zu können, sorgte bei den ersten Siedlern für trockene Behausungen. Germanische Siedlungsspuren konnten demnach unter anderem auch in Klein-Krotzenburg entdeckt werden. Viel später wurde das nahe gelegenen Kloster Seligenstadt immer wieder mit Schenkungen aus (Groß-)Welzheim bedacht. Die aktuelle, 24-seitige Broschüre des Geschichtsvereins Dettingen (erschienen im November 2015) enthält zum Thema Orts- und Siedlungsgeschichte bis zum Jahr 1800 Textbeiträge von Julia Hasenstab und Dr. Mario Bloier sowie von Helmut Winter und Wolfgang König, die auch für die Veröffentlichung der Publikation verantwortlich zeichnen.

Exponate aus Gräbern („In der Region einmalige Gräberstraße“) und anderen Fundorten der Umgebung geben auch flussübergreifend wertvolle Aufschlüsse und Informationen über die ersten Siedler. Zu den Funden gehören Kochenreste, Grabbeigaben, Schmuck, Bekleidungsteile, Ornamente, Werkzeuge oder Jagdgeräte.

Auch die Binnenschifffahrtsgeschichte von der Leinenreiterei bis ins Motorenzeitalter nimmt breiten Raum ein, dokumentiert durch Fotos, aber auch durch Schiffsmodelle, beispielsweise des Mainflingener Künstlers Paul Heng, der gebürtiger Dettinger ist. Maßstabsgetreue Modelle gibt es etwa von der Seligenstädter Mainfähre, aber auch von der ehemaligen Mainflingener Autofähre, die ihren Betreib vor mehr als 25 Jahren einstellte. Viele Mainflingener Pendler nutzten den Dettinger Bahnhof in Richtung Hanau, Aschaffenburg oder Frankfurt. Ebenso interessant sind die erhaltenenen oder nachgebauten Relikte aus der Zeit der Postkutschen, die auf beiden Mainseiten in Betrieb waren.

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Neben der Siedlungsgeschichte wird die Schlacht bei Dettingen im Museum ebenso ausführlich thematisiert, wie das Dorfleben samt Industrialisierung oder die Kinderwelten. So wie der als fast lebensgroße Puppe gestaltete „Erste Karlsteiner“ könnte auch der „Erste Siedler“ von der hessischen Mainseite ausgesehen haben. Auch die ausgestellte Nachbildung des nach Karl dem Großen benannten Karlstein „lapis Caroli“ kann über den Main hinweg durchaus Interesse wecken.

Die nächsten Sonntage der offenen Tür finden statt am 2. Oktober, 20. November und 4. Dezember, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Ansprechpartner ist Museumsleiter Franz Biller, E-Mail: franz.biller@gmx.de. Führungen für Gruppen, Vereine oder Schulklassen sind nach Absprache möglich. Weitere Infos bietet auch die Internetseite www.geschichtsverein-karlstein.de

tku

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