Machtkampf in der CDU Mainhausen

Druck oder Retourkutsche?

Mainhausen - In der CDU stehen die Zeichen auf Sturm. Weil die Union immer mehr an Ansehen verliert, begehren die jüngeren Mitglieder - allen voran der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Alexander Schloss - gegen alte Strukturen auf und fordern eine vorzeitige Neuwahl des Vorstands. Von Oliver Signus

„Es gibt viele Themen, die uns unter den Nägeln brennen, wir wollen was verändern“, sagt Alexander Schloss, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Mainhausener CDU. „Wir“, das sind die jungen oder jüngeren Mitglieder der Union, zu denen sich auch der 46-jährige Schloss zählt. Er fordert den von der Union schon lange propagierten Generationswechsel, der bislang aber gescheitert sei, weil „die Alten die Jungen vergrault haben“.

Schloss, der die Mainhausener UWG vor einigen Jahren aus Protest verließ, als Gerald Wissler dort aktiv wurde, gehört der CDU erst seit dem vergangenen Jahr an. Und er möchte etwas verändern. „Die CDU hatte einst 70 Prozent bei Wahlen erzielt, derzeit sind es nur noch 21 Prozent.“ Gehe das so weiter, werde die CDU in Mainhausen bald ganz verschwunden sein. Ein erstes Zeichen setzte Schloss, als er jüngst bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gegen den Parteivorsitzenden Dieter Stegmann antrat und sich bei der Wahl zum Delegierten für den besonderen Parteitag ebenso durchsetzte, wie bei der Wahl zur Kreisdelegiertenversammlung.

Mittlerweile hätten sie auch schon einige aus der älteren CDU-Garde auf ihrer Seite. Nun setze er sich für vorgezogenen Neuwahlen des Vorstandes ein, sagt Schloss. Der turnusmäßige Urnengang steht erst im Herbst 2017 an. „Zu spät“, meint Schloss, der bereits eifrig Unterschriften sammelt, denn für vorgezogene Wahlen bedarf es einer Zweidrittel-Mehrheit der Mitglieder.

Als „Retourkutsche“ und „alles an den Haaren herbei gezogen“ bezeichnet Vorstandsmitglied Bernd Handreke die Attacken von Schloss. Hintergrund sei der parteiinterne Streit, in dessen Verlauf Manfred Stolz und Annemarie Stuckert aus dem Vorstand „entfernt“ worden seien. Auch der Generationswechsel stelle sich nicht so einfach dar. Zwar habe die CDU für die Wahlen im Frühjahr eine Reihe junger Leute auf die Liste bekommen, „doch die hat ja keiner gewählt“. Allgemein sei es schwer, jüngere Mitstreiter zu gewinnen, nicht nur für die Arbeit in der CDU. „Die haben doch ganz andere Interessen.“

Das war die Ära Helmut Kohl

Dass Schloss nun eine Neuwahl des Vorstandes anstrebt, sieht er ebenfalls gelassen: „Sollen sie doch machen, ich hänge nicht daran“, sagt Handreke, der im Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und als Schriftführer fungiert. Zwei Drittel der Mitglieder müsse Schloss auch erst mal zusammenbekommen.

Von einer „Strömung“ mit unterschiedlichen thematischen Vorstellungen innerhalb der CDU, die eine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ unmöglich gemacht habe, spricht Dieter Stegmann. Der Vorsitzende des Ortsverbandes spielt damit auf den Ausschluss von Stuckert und Stolz an: „Damit wollen sie sich nicht abfinden.“ Daher existiere diese Strömung immer noch. Stegmann verteidigte den Ausschluss, er sei rechtens gewesen. Schloss versuche, den Vorstand schlecht zu reden, um Neuwahlen zu erzwingen. „Es wird auf unschöne Art versucht, uns zu diskreditieren“.

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