„Besser, man lässt Boden ruhen“

Am Königsee sollen Schutt und Fässer vergraben sein

+
Der Königsee aus luftiger Höhe: Am Ufer gegenüber der Käthe-Paulus-Schule soll gebaut werden.

Mainhausen - Schlummern im Boden am Königsee in Zellhausen Bauschutt, Chemikalien und Fässer mit unbekanntem Inhalt? Das behauptet jedenfalls Harald Rücker, Vorsitzender des örtlichen Angelsportvereins. Von Oliver Signus 

Jörg Friedrich, dessen Firma HZ Bau (Seligenstadt) dort Wohnbebauung plant, dementiert ebenso vehement wie Bürgermeisterin Ruth Disser. Das etwa drei Hektar große Gelände am Königsee in Zellhausen gegenüber der Käthe-Paulus-Schule gilt als Filetstück. Schon vor mehr als drei Jahren wurden Pläne vorgestellt, dort 85 Wohneinheiten zu errichten. Aus dem Projekt wurde nichts, dann war einige Zeit Ruhe. „Wohnen am See“ lautete der Name des Vorhabens seinerzeit. Idyllisch gelegen und für Bürgermeisterin Ruth Disser eine optische Visitenkarte am Eingang von Zellhausen. Über längere Zeit geschah nichts, dann kaufte das Seligenstädter Unternehmen HZ Bau das Grundstück und plant nun dessen Bebauung. Konkrete Pläne will Jörg Friedrich, einer der beiden Geschäftsführer, „in einigen Wochen“ der Öffentlichkeit vorstellen.

Doch nach Ansicht von Harald Rücker, seines Zeichens Vorsitzender des Angelsportvereins „Petri Heil“, soll ein Leben am See problematisch sein, weil im Erdreich Bauschutt, Chemikalien und Fässer mit unbekanntem Inhalt vergraben seien. Der Bauschutt, sagt Rücker, ist Ende der 1960er zur teilweisen Verfüllung des Sees verwendet worden. Die Überrreste abgerissener Häuser seien in die Grube gekippt und mit Sand zugeschüttet worden. „Da sind teilweise Hohlräume unter der Erde, weil große Platten vergraben wurden“, behauptet er. Werde gebaut, drohten die Häuser abzusacken. An bestimmten Stellen des Seeufers könne man Teile von Betonplatten im Wasser liegen sehen. Auch habe ein ehemaliger Chemiekonzern Farbreste dort unter die Erde gebracht. Rücker stützt sich dabei auf die Aussagen von Heinrich August Simon, dessen Erben das Grundstück an HZ Bau verkauft haben. Simon, einst Chef einer Baufirma, habe ihm auch erzählt, dass vor einigen Jahrzehnten im Schutze der Dunkelheit besagte Fässer vergraben wurden. Simon selbst hätte nur einen Teil des Areals bebaut und gesagt: „Besser, man lässt den Boden ruhen.“

Die 25 Badeseen und Freibäder in der Region

Als „unglaublich“ weist Jörg Friedrich die Behauptungen Rückers zurück. Seine Firma habe das Gelände von der Erbengemeinschaft gekauft und im Zuge der Planungen zahlreiche Bodenuntersuchungen ausführen lassen. Nichts deute auf Ablagerungen irgendwelcher Art hin, betont der Geschäftsführer, der Details zur Gestaltung erst in ein paar Wochen bekannt geben will. Derzeit liefen die Planungen noch. Es sollen aber weniger als 85 Wohneinheiten entstehen. Der Befürchtung Rückers, die Angler seien als Pächter durch das Projekt in ihrer Existenz bedroht, widerspricht Friedrich. Der Verein sei bei den Planungen berücksichtigt worden.

Auch Ruth Disser glaubt nicht, dass im Boden am See mehr oder weniger Verbotenes im Boden liegt. Sie habe sich mit dem früheren Ersten Beigeordneten Hans-Joachim Funkert, der seit mehr als vier Jahrzehnten kommunalpolitisch aktiv ist, darüber unterhalten. „Da ist nichts“, habe er betont.

Kommentare