Apfelwein-Prämierung der Apfelrunde Rhein-Main

Das gude Stöffche liegt so nah

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Auch die Trübung spielt bei der Bewertung von Apfelwein eine wichtige Rolle.

Mühlheim - „Trinke’ mer selber“ ist die höchste Auszeichnung, die bei der Apfelwein-Prämierung der Apfelfreunde Rhein-Main vergeben werden konnte. Der Verein hat in der Alten Wagnerei seinen Sitz, der urigen Gaststätte im Herzen der Mühlenstadt. Von Michael Prochnow

Dort schenkten gestern acht Hobby-Kelterer ihr Stöffche zum Verkosten und Bewerten aus. Zum 13. Mal begrüßt Vorsitzende Gabriele Weil die Erzeuger zum Wettbewerb der Laube der Traditionswirtschaft zwischen Bahnhofstraße und Rodau. Jeder, der eine Probe mitgebracht hat, gehört zur Jury und bekommt einen Wertungsbogen. Ein Mundschenk aus dem Kreis der erfahrenen Äppelwoi-Kenner gießt den Kameraden an den Garnituren die Gerippten nur zu einem Viertel oder Drittel voll. Schließlich folgen noch sieben Sorten!

Die Experten heben das Glas gegen das Licht, prüfen mit zusammen gezwickten Augen die Klarheit der Probe. Dann stecken sie die Nase tief in den Becher, um den Geruch kennenzulernen. Ganz vorsichtig wird das Kristall dann an die Lippen gesetzt, nur ein wenig Flüssigkeit rollt über die Zunge und wird im Mund hin und her geschoben, eben ganz wie bei der Bewertung von Weinen aus Trauben. Dabei erhalten die Fachleute einen Eindruck von Geschmack und Süffigkeit. Walter Kaiser, der verstorbene Gründer der Apfelfreunde, in Rödermark-Urberach zum „Äppelgeschworene“ berufen, hätte seine Freude am 2015er-Jahrgang gehabt.

Die Beiträge kommen aus Rodgau, Hanau, Bruchköbel, Altenstadt und Mühlheim - und am besten von verschiedenen Apfelsorten einer Streuobstwiese, erläutert Gastgeberin Gabi Weil. „Die meisten Teilnehmer haben eigene Wiesen mit Apfelbäumen und keltern daheim im Keller mit der eigenen Presse. Oder sie lassen die Früchte bei einer örtlichen Kelterei oder beim Naturschutzbund zu Saft verarbeiten“, erklärt sie. Den Süßen würden sie dann mit nach Hause nehmen und Quitte oder Speierling hinzufügen.

Der größte Bembel der Welt

Weil selbst stammt von einem Weinbaubetrieb in Bodenheim am Rhein. Heute lebt sie in der Wetterau und ersteigert stets im Herbst von der Gemeinde die Ernte eines Baumes. Zwischen 50 und 80 Kilogramm bringt sie zu ihrem Kelterer. Zwischen 30 und 50 Liter ergibt diese Menge.

Bei Walter Kämmerer in Mühlheim wird die kostbare Flüssigkeit gelagert und in 30-Liter-Fässern ausgebaut, mit Reinzuchthefe, Sherry- oder Weisweinhefe aus der Apotheke versetzt. In vier bis sechs Wochen gärt es, dann wird der künftige Äppler „von der Hefe gezogen“, die Trübstoffe setzen sich am Boden des Fasses ab. Der klare Apfelsaft wird mit einem Schlauch entnommen und in sauberen Fässern gelagert, wo sich erneut die Stoffe absetzen. Ein halbes Jahre bleibt das Produkt stehen, dann wird das „Stöffche“ randvoll in Flaschen abgefüllt, also möglichst ohne Sauerstoff. Denn der ist der größte Feind des Äpfelweins. „Kommt noch Wärme hinzu, kann er kippen, wird essig-sauer und schmeckt ekelhaft, schildert Gabi Weil und verzieht die Mundwinkel.

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