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Bärenstarke Kids in Südkorea

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Die Pädagogin Hee-Jung Chang (rechts) will in Südkorea ein flächendeckendes Angebot an Waldkindergästen nach Obertshausener Vorbild aufbauen.
Die Pädagogin Hee-Jung Chang (rechts) will in Südkorea ein flächendeckendes Angebot an Waldkindergästen nach Obertshausener Vorbild aufbauen. © Michael

Obertshausen - Vom feuchten Laubboden und dem giftgrünen Container in die weite Welt! Vor Jahr und Tag mussten die „wilden Erdbären“ noch um ihre Anerkennung als Betreuungsstätte kämpfen, heute macht die Idee Furore auf der anderen Seite der Erdkugel:

Eine Abordnung des Waldkindergartens an der Laakirchener Straße stellte jetzt in Südkorea ihr Konzept vor. Und drei „bärenstarke Kids“, Kinder der ersten Generation des Angebots unter freiem Himmel, unterrichteten in der Nähe von Seoul Politiker und Pädagogen. Die Nachwuchsgruppe ist weltweit einmalig, verkündet Waldkindergarten-Gründerin Asha Scherbach. Die 14- und 15-jährigen Patricia Lindt, Noah Scherbach und Finn Protzmann haben sich über Seminare und Prüfungen bei Hessen Forst qualifiziert und dürfen sich nun staatlich zertifizierte Waldpädagogen nennen. Regelmäßig begleiten sie Aktionen in den drei Einrichtungen unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt. Kürzlich leiteten die Teenager 20 Workshops und informierten 900 Zuhörer in Haeng Song östlich der südkoreanischen Hauptstadt.

In dem aufstrebenden asiatischen Staat entwickle sich ein großes Interesse an einer Erziehung im Einklang mit der Natur, erläutert Psychologin Scherbach. Sie verwirklichte vor 14 Jahren die Idee des Waldkindergartens und gründete einen der ersten in Hessen. Mehrfach besuchten Parlamentarier und Wissenschaftler aus der Ferne die „Erdbären“ sowie „Die wilden Rehkids“ in Lämmerspiel und „Die wilden Erdlöwen“ im Wildpark Alte Fasanerie. Dr. Hee-Jung Chang kann bereits viele Mädchen und Jungen mit Namen begrüßen – und die Kinder mit den matschverschmierten Trägerhosen kennen die Forschungsleiterin aus Korea. Ganz selbstverständlich nimmt sie sich ein blaues Kunststoffkissen aus dem Kasten am Container und setzt sich zu den Kleinen auf den Baumstamm. Gemeinsam lauschen sie Renate Leun. Die Erzieherin ist wie ihre Schützlinge in Pullover, Jacke, Halstuch und Pudelmütze gehüllt und liest aus einem Bilderbuch vor, das sie mehrfach in die Runde zeigt.

Der Gast lächelt, Hee-Jung Chang versteht die Situation des Wolfs, dem immer mehr Tiere beim Suppekochen über die Schulter schauen. Sie studierte in Darmstadt Pädagogik und Psychologie, promovierte in ihrer Heimat und arbeitet an Nalmannanunsup. Das bedeutet so viel wie „sei mit mir im Wald“ und ist der Name der privaten Organisation, die mit Hilfe des Umweltministeriums ein flächendeckendes Angebot an Waldkindergärten von der Grenze zu Nordkorea bis Jeju-Island ganz im Süden aufbaut. „Wir wollen neue Wege für alte Werte gehen“, erklärt die Fachfrau, Respekt gegenüber Menschen und Bewusstsein für die Natur sollen gestärkt werden. In Südkorea sind 80 Prozent der Kitas in privater Hand. Viele ziehen jede Woche an einem Tag in den Forst. Doch das Vorbild aus Obertshausen sehe eine engere Beziehung zur Natur vor, sagt Besucherin Chang. Nach diesem Konzept habe sie bislang zehn Waldkindergärten Südkorea eröffnet. In großen Städten sollen in Parks Areale für diese Betreuungsform reserviert werden. Asha Scherbach geht derweil einen Schritt weiter, möchte in Hanau-Mittelbuchen die erste Wald-Gesamtschule in Deutschland aufbauen. 

(M.)

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