Zu Besuch bei Bruno Schmück

Ein Sattler ohne Sattelstütze

+
Bruno Schmück mit einem Technobull – schon damals was für Liebhaber.

Mühlheim - Früher war alles besser? Zu pauschal. Dass früher aber vieles charaktervoller und schöner war, das wird niemand anzweifeln, der mal bei Bruno Schmück zuhause war. Der Akteur des Geschichtsvereins hat eine Techniksammlung, die ihresgleichen sucht. Von Stefan Mangold 

Marken wie Yamaha oder Honda kennen auch jene, die niemals auf die Idee kämen, sich auf ein Motorrad zu setzen. Aber wer kennt Maschinen aus der Produktion von „Bücker Fahrzeugbau“? In der Dietesheimer Techniksammlung von Bruno Schmück stehen gleich mehrere Motorräder der Firma. Ein gewisser Franz Bücker war 1922 aus der Osnabrücker Gegend nach Oberursel gekommen und hatte den Betrieb gegründet. Bruno Schmück kaufte im Lauf der Jahre mehrere Motorräder des Herstellers, meist in einem Zustand, der jahrelange Restaurierungsarbeit bedingte. Heute fährt Schmücker in jeder Saison mit einem anderen Modell seiner Bücker-Sammlung übers Land.

Zu seinem Museum gehört auch eine Fahrradabteilung mit Exemplaren, die längst gelöschte Firmen wie Adler in Frankfurt und Frischauf in Offenbach einst herstellten. Auch eine Leihgabe des heimischen RC Adler stellt er aus, ohne Klingel und Bremsen. Die Mühlheimerin Heike Marklein gewann damit in den achtziger Jahren im Kunstradfahren zweimal die Weltmeisterschaft. In den letzten Jahren sammelt der gelernte Feinmechaniker und Maschinenbauingenieur Fahrräder der Marke Technobull, die ein gewisser Heinz Günter Sattler aus Hausen in den 70er Jahren bis zu seinem Tod 1998 herstellte.

Obwohl die Zeiten noch nicht ewig her sind, dürfte Technobull selbst vielen Rennradfans nichts sagen. Das liegt daran, dass es aus der Manufaktur nichts von der Stange gab. „Sattler arbeitete wie ein Maßschneider“, erklärt Schmück. Wer bei ihm ein Rennrad kaufen wollte, der kam in seine Werkstatt, ließ sich vermessen und beraten.

Die Räder von Technobull konnten natürlich nicht so billig sein wie Sonderangebote im Kaufhaus. „Die kosteten auch gerne mal 4500 Mark.“ Schmück lässt automatisch bei Ebay nach den Rädern suchen, ohne jedoch die Katze im Sack zu kaufen, wenn er den Zuschlag bekommt. Er fährt dann erstmal zum Anbieter.

Das Material von manchen Rädern beispielsweise stammt von der Firma Reynolds Technology aus Birmingham. Sattler konnte sich die hochwertigen Rohre für die Rahmen seiner Räder nicht einfach schicken lassen. Er musste erst vor Ort in England demonstrieren, dass er in der Lage ist, die Rohre sachgerecht zu verlöten. Erst dann kam es zum Kauf. Bei Sattler kauften ambitionierte Hobbyfahrer mit entsprechenden finanziellen Möglichkeiten. Und Profis, die ihre Rennen auf den Rädern ihrer offiziellen Ausrüster fahren mussten, im Training aber Technobull bevorzugten.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Mühlheim

„Eine Sattelstütze lehnte Sattler ab“, erklärt Bruno Schmück. Der Sattel lässt sich nicht verstellen. Der Konstrukteur hielt das für überflüssig, weil er das Rad sowieso auf Größe und Längen der Extremitäten des Käufers zuschnitt. Sattler war in Deutschland der erste, der unter dem Modellnamen Sherpa in den 80er Jahren Mountainbikes herstellte. Sein erstes Rad aus der Sattler-Produktion bezog Bruno Schmück nicht über Ebay, sondern über Norbert Ostheimer. Der Dietesheimer errang 1953 die Deutsche Jugendmeisterschaft im Straßenradfahren. Später ließ auch er sich bei Sattler ein Rad schneidern.

Bruno Schmück wurde bei einer technischen Anschaffung seinem regionalen Sammlerthema einmal untreu. Mitte der Neunziger kaufte er sich einen Doppeldecker von Bücker-Jungmann – zwar vom Bruder des Oberurselers, er stellte aber in Niedersachsen her. Doch die Verlockung war zu groß. Denn es handelte sich um ein Unfallflugzeug. Bei seiner letzten Landung hatte der Zweisitzer einen Purzelbaum geschlagen. Das Meiste restaurierte Schmück selbst. Der heute 63-jährige erwarb damals extra einen Flugschein. Regelmäßig saßen Vereinskameraden vom Aero-Club Gelnhausen auf dem zweiten Sitz der Maschine, die Schmück vor ein paar Jahren wieder verkaufte: „Meine Frau flog aber niemals mit.“

Kommentare