33-Jähriger zu 19 Monaten auf Bewährung verurteilt

Cannabis in der Badewanne gezüchtet

Mühlheim - Vorbestraft ohne Ende und trotzdem mild verurteilt: Ein 33-jähriger Mühlheimer hat vor dem Schöffengericht Offenbach viel Glück. Vor drei Jahren züchtete er Cannabis in seiner Badewanne. Von Stefan Mangold

Richter Manfred Beck glaubt an Eigenbedarf und entscheidet: 19 Monate auf Bewährung. Ein Zufall ließ vor drei Jahren die illegale Drogen-Gärtnerei eines Mühlheimers auffliegen. Dieser lebte damals in Offenbach, Miete hatte er schon lang nicht mehr überwiesen. Der Gerichtsvollzieher klingelte am 11. März 2013, um die Wohnung zu räumen und das Schloss auszuwechseln. Der Vollstreckungsbeamte erzählt im Zeugenstand des Offenbacher Schöffengerichts, der Angeklagte habe persönliche Dinge in die Hosentaschen gesteckt und die Wohnung dann verlassen. In der Badewanne hinterließ er eine Cannabisplantage. Der Gerichtsvollzieher informierte daraufhin die Polizei. Wegen 400 Gramm Pflanzengewicht erhob die Oberstaatsanwältin Anklage. Der Vorwurf: Besitz und Handel mit Betäubungsmitteln.

„Das sieht zwar nach Handel aus, ist es aber nicht“, entgegnet Verteidiger Kai Guthke. Sein Mandant habe für den Eigenbedarf angebaut und keinen Cent daran verdient, „die Miete hätte er ansonsten bezahlt“. Der Angeklagte wirkt jünger als die 33 Jahre, die in seinem Pass stehen. Es wundert nicht, dass der Oberstaatsanwältin ein „und alles war nur für dich?“ herausrutscht. Richter Beck interessieren Details. Zum Beispiel, wie der Mühlheimer trotz bepflanzter Wanne seine Körperpflege organisierte. Der Angeklagte beruhigt: „Es gab eine Dusche“.

Die Polizei fand 27 Beutel mit Blättern. Der Mühlheimer erklärt, es habe sich um verschiedene Sorten gehandelt. Die Anmerkung des Verteidigers, der Verdacht auf Handel sei ein optischer Trugschluss, gewinnt an Plausibilität, als der THC-Gehalt der Pflänzchen zu Sprache kommt. Denn für den gilt die Gleichung: Je höher, desto stärker rauscht es. Passionierte Kiffer bevorzugen um die 15 Prozent. Was der Angeklagte in der Wanne wässerte, lockt keine Käufer zur Brieftasche. Mit 2,7 Prozent lässt sich auf dem Markt nicht reüssieren.

Bleibt der Vorwurf des Besitzes einer nicht geringen Menge im Zusammenspiel mit einem Sack Vorstrafen: Versuchte räuberische Erpressung, Körperverletzung und Hehlerei stehen unter anderem im Lebenslauf des Angeklagten. Als illegaler Gärtner hatte er sich ebenfalls schon einmal erwischen lassen. Unangenehm hört sich auch eine Stalker-Geschichte an. Seine damalige Freundin hatte ihn verlassen, der Angeklagte wollte dies nicht akzeptieren. Im August 2012 erhielt er ein gerichtliches Verbot, sich der Ehemaligen zu nähern. Das ignorierte er mehrmals vor Zeugen. So lange, bis sich die Frau nur noch mit Pfefferspray zu helfen wusste.

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Vor dem Gericht spricht sich die Bewährungshelferin des Mühlheimers für ihn aus. Er arbeite gut mit ihr, Gespräche hätten gefruchtet. Beispielsweise sei er beim Scheitern einer weiteren Beziehung nicht „in alte Muster zurückgefallen.“ Die Oberstaatsanwältin erklärt, normalerweise fordere sie während einer Bewährungsfrist weitere Gefängnisstrafen nur ohne. Da der Angeklagte die vergangenen drei Jahre unauffällig geblieben sei und sich um Arbeit bemühe, plädiere sie für eine Ausnahme. Nicht für Handel, aber für Besitz fordert sie zwei Jahre auf Bewährung plus 200 Arbeitsstunden. Verteidiger Guthke hält 17 Monate ohne Arbeitsstunden für genug. Richter Beck und die Schöffinnen geben 19 Monate auf Bewährung plus 200 Arbeitsstunden, die beim Nachweis eines Jobs entfallen. Das Urteil nehmen alle an. Beim Rausgehen betont der Angeklagte: „Ich mach’ garantiert nichts mehr“.

Rubriklistenbild: © dpa

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