Dietesheimer Fischerhaus:

Ermunterung zum Hingucken

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Neben baulichen Zeitzeugen birgt das einstige Fischerhaus auch Gerätschaften der Vorfahren.

Mühlheim - Das letzte Wort im Ringen um Dietesheims altes Fischerhaus ist noch nicht gesprochen. Bürgermeister Daniel Tybussek will von der Stadtverordnetenversammlung den Auftrag, sich bei Hessens obersten Denkmalschützern für die Neuüberprüfung des Schutzstatus’ des einzigartigen Ensembles einzusetzen. Von Marcus Reinsch

Für Historiker ist es ein Hoffnungsschimmer. Ob das Ansinnen, das Bürgermeister Daniel Tybussek ins erste Stadtparlament nach der politischen Sommerpause (22. September, 18 Uhr, Rathaus, Friedensstraße 20) trägt, das Gemüt der Geschichtsbewahrer wirklich final zu erhellen vermag, ist aber noch nicht raus. Tybussek will, dass die Stadt „das Landesamt für Denkmalpflege auffordert, unter Berücksichtigung der aktuellen Gegebenheiten und Erkenntnisse zu prüfen, ob das Ensemble in der Obermainstraße 20 (ehemaliges Fischerhaus) als denkmalwürdig einzustufen ist“.

Ist es nicht – haben die Denkmalpfleger der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach und auch der Oberen Behörde des Landes zumindest bisher alle Versuche des Geschichtsvereins und eines Architekten abgeblockt, das Haus vor dem Abriss zu bewahren. Das allerdings auf Basis von Erkenntnissen, die wegen ihres Alters schon fast selbst als historisch gelten können. Sie stammen aus dem Jahr 1980. Damals gab es eine Besichtigung für die Erstellung der Denkmaltopographie.

Mittlerweile lägen aber neue Erkenntnisse vor. Sagt der Architekt, sagt der Geschichtsverein (wir berichteten), sagt nun auch Tybussek. Es gebe „neue Erkenntnisse im kultur–historischen Kontext“ und damit gute Gründe, noch einmal genauer hin zu gucken. Gemeint ist damit unter anderem ein kürzlich von Mitgliedern des Geschichtsvereins unterm Efeu freigelegtes Stück der ab 1610 gebauten dörflichen Ringmauer. Das Haus selbst entstand wohl ebenfalls in dieser Zeit. Außerdem Hochwassermarkierungen vom Anfang des letzten Jahrhunderts, ein Becken und eine Räucherkammer für die Main-Fische im alten Kellergewölbe, mehrere andere Zeugnisse des Lebens der Vorfahren, die von Fischerei und Landwirtschaft lebten.

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Tybussseks Vorstoß ist ein weiterer Schritt im Wettrennen Bewahrer gegen Abrissbagger. Denn das Fischerhaus, zu dem in der ganzen Region wohl nichts mehr Vergleichbares existiert, soll fallen. Was bis Ende nächsten Jahres auf dem Gelände entstehen soll, ist als Grafik im Internetportal Immoscout unter dem Titel „Modernes Wohnen am Main“ zu besichtigen: zwei Wohnhäuser mit Tiefgarage, zusammen zwölf Eigentumswohnungen, je zwei bis drei Zimmer mit 76 bis 93 Quadratmetern, 258.000 bis 315.000 Euro Kaufpreis, sehr modern.

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