Wegen rückläufiger Zahlen plant der Magistrat um

Nun doch keine Holzhäuser für Flüchtlinge

Mühlheim - Die fünf zur Flüchtlingsunterbringung geplanten Holzhäuser an der Anton-Dey-Straße werden nicht errichtet. Grund dafür sind die zurückgehenden Flüchtlings- zahlen. Gebaut werden soll an dieser Stelle aber dennoch. Allerdings in Massivbauweise und mit weniger Eile. Das soll Geld sparen. Von Norman Körtge 

Was vor ein paar Wochen noch dringend geboten schien und von Magistrat und Stadtverordneten mit großer Eile vorangetrieben wurde, sieht in diesen Tagen ganz anders aus. „Der große Druck ist weg“, bringt es Bürgermeister Daniel Tybussek auf den Punkt. Gemeint sind die Flüchtlingszahlen und die Unterbringung der zugewiesenen Asylbewerber. Die nackten Zahlen machen es deutlich. Kamen ab Oktober 2015 monatlich bis zu 55 Flüchtlinge in die Mühlenstadt – Ende 2014 lautete die vom Kreis an die Stadt gegebene Prognose noch, dass für das ganze Jahr mit 41 Flüchtlingen zu rechnen sei –, waren es zuletzt nur noch zehn pro Monat. Bis 30. Juni werde es sogar zu keiner Regelzuteilung mehr kommen, berichtet die Stadt. Das klingt nach deutlicher Entspannung.

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Fünf statt acht Holzhäuser für Flüchtlinge

Die unlösbare Rechnung

Und das hat Auswirkungen auf den bereits vom Stadtparlament beschlossenen Bau beziehungsweise auf die Anmietung von fünf Holzhäusern an der Anton-Dey-Straße zwischen Brücken-Bahndamm und Lämmerspieler Straße. Wie Tybussek und Erste Stadträtin Gudrun Monat gestern mitteilten, hat der Magistrat beschlossen, von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen. „Wir gehen nicht mehr den Weg einer schnellen Lösung“, erklärt Tybussek: „Ein Projekt, bei dem sich die Rahmenbedingungen im Vergleich zur Ausgangssituation so gravierend geändert haben, darf wirtschaftlich nicht zulasten des Mühlheimer Steuerzahlers realisiert werden.“

Hintergrund ist, dass die jeweils für bis zu 44 Personen ausgelegten Häuser nur zur Hälfte belegt würden. Aufgrund der Größe der Wohnungen geht die Erste Stadträtin von einer Regelbelegung von noch 22 Personen pro Haus aus. Nur im Notfall solle die Kapazität auf 44 erhöht werden. Damit hätten sich die wirtschaftlichen Bedingungen im Nachhinein deutlich geändert. So rechnet der Magistrat bei einer nur regulären Belegung der Holzhäuser mit einem Fehlbetrag von 250.000 Euro pro Jahr.

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Statt der Holzhäuser soll nun am gleichen Standort eine neue Planung in herkömmlicher Massivbauweise vorangetrieben werden. Die Geschäftsführung der Wohnbau GmbH, von der die Stadt die Holzhäuser gemietet hätte, hat mit einem bereits in die vorherige Planung einbezogenen Architekturbüro entsprechende Gespräche geführt. Tybussek kalkuliert, dass die Stadt mit der neuen Planung rund zwei Millionen Euro einsparen wird.

In Mühlheim leben zurzeit 374 Flüchtlinge, von denen etwa 60 bereits anerkannt sind. „Es bleibt – und das muss ehrlich angemerkt sein – natürlich das Risiko einer erneuten Flüchtlingskrise im Spätjahr“, so der Bürgermeister. Unter der Annahme, dass es bei den jetzt bekannten Zuweisungszahlen bleiben wird, sei die Stadt für die nächsten Monate alleine durch die Maßnahmen an der Seewiese, der Schillerstraße, die bereits bezugsfertige Leichtbauhalle an der Dieselstraße und durch die Räume im „manroland“-Gebäude an der Borsigstraße gut aufgestellt. Ein Puffer für 130 weitere Flüchtlinge sei vorhanden, trotz Schließung und Abbaus des Zeltes an der Willy-Brandt-Halle noch im Juni.

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