Feinkost Konstantinidis setzt auf mediterrane Spezialitäten und Kundennähe

Kräuter statt Treuepunkte

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Ein Familienbetrieb: Stylianos Konstantinidis mit seiner Frau Georgia und seinem Sohn Konstantinos.

Mühlheim - Wer sich nach mediterranem Lebensgefühl sehnt, muss in Mühlheim nicht lange suchen. Im Feinkostladen von Familie Konstantinidis gibt es die passenden Lebensmittel und die Mentalität gleich mit dazu. Von Christian Wachter

Grund genug, dem Geschäft einen neuen Teil unserer 90-Minuten-Serie zu widmen. Treuepunkte? Payback-Karte? Auf solche Fragen wartet man bei Feinkost Konstantinidis vergebens, wenn man für Obst, italienische Wurst, griechisches Olivenöl, Tzaziki, Antipasti oder Pasta bezahlen möchte. Dafür bietet Konstantinos Konstantinidis den Kunden immer noch eine Portion Kräuter an, wenn sie Gemüse kaufen. Gratis. Die Kunden nennen ihn Kosta, wie seine Freunde. Doch auch sonst läuft in dem kleinen Geschäft einiges anders als in einem herkömmlichen Supermarkt. Jeder wird freundlich begrüßt, viele mit dem Vor-, andere beim Familiennamen. „Man kennt sich hier, einfach nur rein und raus, das macht doch keinen Spaß“, erzählt Kosta. Der 27-Jährige ist als jüngstes von drei Geschwistern mit dem Geschäft schon sein ganzes Leben lang verbunden. Vor 30 Jahren haben es seine Eltern eröffnet, nachdem sie aus Thessaloniki in Griechenland nach Deutschland ausgewandert waren, damals noch in der Marktstraße. Wenige Jahre später zogen sie ins heutige Domizil in der Bahnhofstraße 28.

Kosta half schon früh aus, wollte dann eigentlich Mechatroniker werden, aber hat die Ausbildung dann letzten Endes doch im elterlichen Betrieb gemacht. Dass dies die richtige Entscheidung gewesen sein dürfte, sieht man ihm an. Denn auch wenn der Kundenstrom zwischen 10 und 11.30 Uhr nie abreißt, Zeit für einen kurzen Plausch nimmt er sich immer. Stress? Fehlanzeige. Da wird mit der einen Kundin über die Gesundheit sinniert, einem anderen erklärt er, was es mit den gefüllten Blätterteigtaschen auf sich hat. Es handelt sich um griechisches Bauernpita. Manch einem bietet er auch einen Espresso an, für den in dem Geschäft niemand bezahlen muss.

Hauptverwantwortliche für die Stimmung ist aber seine Mutter Georgia. Eben noch streicht sie einem kleinen Jungen über den Kopf, der fasziniert die Zwiebeln anschaut, und erklärt ihm, dass die roh eher nicht schmeckten. Im nächsten Moment ist sie schon vertieft ins Gespräch mit einer Kundin. Es geht um die richtige Schreibweise von Ratatouille. Die braucht Georgia, damit sie die Mittagsgerichte, die es seit Kurzem für kleines Geld in dem Geschäft gibt, richtig aushängen kann.

Ganz einig ist man sich allerdings noch nicht. Gut, dass in diesem Moment eine weiterere Kundin den Laden betritt. „Sie weiß das, sie ist doch Halbfranzösin“, sagt Georgia Konstantinidou. Sie weiß es auch, zumindest ungefähr. Zur Sicherheit werden dann doch die Smartphones gezückt. „In Griechenland ist das etwas einfacher, da heißt das Tourlou; das sagen wir aber auch, wenn jemand alles, aber nichts richtig macht“, fügt Georgia Konstantinidou noch mit einem Lächeln hinzu.

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Auch ihr Mann Stylianos ist ständig präsent. Er bringt Kisten von A nach B, schreibt Rechnungen, kümmert sich um Bestellungen. Schließlich beliefert die Familie auch Lokalitäten wie die Hainburger Discothek Way up oder das Schanz. Und dann steht da auch noch der tägliche Besuch in der Großmarkthalle an. „Ich bin sowas wie der Sklave“, ruft Stylianos Konstantinidis etwas grimmig, aber sehr herzlich in die Richtung seiner Frau. „Und ich die Prinzessin“, bestätigt sie ihn gerne.

Sein Vater, erzählt Kosta, sei von der alten Schule. „Die Rechnungen schreibt er am liebsten noch per Hand.“ Außerdem ein Perfektionist: „Alleine, bis wir die richtigen Eier im Sortiment hatten, hat er fünfmal den Bauern gewechselt.“ Kosta steht inzwischen wieder an der Käsetheke, natürlich im Kundengespräch. Es wäre nicht das erste Mal, dass aus solch einer Unterhaltung eine innige Freundschaft entsteht. Denn genau so hat er seinen Trauzeugen kennengelernt.

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