„Quer-Beet“ in einer wilden Villa     

Ferrari-Tonis gute Feinde

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Ferrari-Toni (Thorsten Weberstaedt) besteht auf der Rückzahlung angeblicher Schulden. Resi Sandner (Dijana Seiwehrth) sieht das wie die anderen Bewohner der WG nicht ein.

Mühlheim - Nichts verbindet besser als ein gemeinsamer Feind. Die Laienspielgruppe „Quer-Beet“ der Pfarrgemeinde St. Markus führte zum ersten Mal die Komödie „Wallys wilde Villa“ von Heiner Schnitzer auf. Regie führen Gabi Schmunck und Christine Moore.

Da lockt ein missratener Sohn einen vermeintlichen Mafiosi an. Das fördert die Gruppendynamik ungemein. Das Stück beginnt mit einem jungen Mann, der im Dunkeln ins Zimmer schleicht und sich einen Fuffi greift. Es handelt sich um Patrick von Güldenstein (Tim Rieth). Die Geldbörse gehört Wally von Güldenstein (Iris Schulz), seiner Mutter. Die Hausherrin überrascht ihren Spross. Doch der Zuschauer ahnt schnell, dass es dem windigen Nachwuchs um mehr als einen Schein geht. Patrick will der Mutter einreden, sie habe nicht mehr alle beieinander. Vor allem, weil Wally mit Tante Hilde (Monika Wurm) spricht, die seit 20 Jahren unter der Erde liegt. Mit Hildes Geist kann nur Wally kommunizieren – zumindest vorerst.

Aufs Erbe scharf, versucht Patrick, Mutter Wally den Einzug ins Altenheim und den Verkauf der Villa schön zu reden. Sie traut dem Sohn zwar nichts Böses zu, verkaufen will sie aber nicht. Weil das Geld nicht reicht, vermietet sie lieber die leeren Zimmer ihrer Villa.

Jene, die einziehen, müssen sich erst aneinander gewöhnen. Etwa an Frau Dorothee Michelberger (Pascale Braun), eine pensionierte Gymnasiallehrerin. Der Phänotyp der gouvernantenhaften Französischlehrerin, auch wenn sie Deutsch unterrichtete. Die den Männern zugewandte Resi Sandner (Dijana Seiwehrth) steht für den Typus der Gute-Laune-Terroristin, samt Aerobic, Nervmusik, Frühaufstehen und „Lasst uns doch mal alle miteinander....!“-Imperativen.

Sie versteht sich aber nicht mit Sunny Sommer (Doris Tachezy), einem nicht minder übergriffigen Charakter. Sunny schwafelt von Fengshui, von Urkräfte verstrahlenden Dietesheimer Basaltsteinen, die im Weg liegen, und versucht vergeblich, mit Geist Hilde Kontakt aufzunehmen. Außer Wally packt das nur die Michelberger, was daran liegt, „dass Sie schon zum Teil in meiner Welt leben“, wie Hilde vermutet, was die Michelberger bestätigen muss. Ansonsten verbringt Frau Lehrerin ihren Lebensabend damit, den Gatten Herbert (Lothar Juli) minütlich anzuweisen.

Thorsten Weberstaedt spielt den Klischee-Italiener Ferrari-Toni („Geba Moneta, hä, aber pronto!“), wie ihn normalerweise nur echte Italiener zu karikieren wissen. Ferrari-Toni bekommt von Freundin Carmen (Petra Bauer) zugesetzt. Der Mafiosi-Verschnitt fordert von Patrick, den er Ricky nennt, Spielschulden samt Zinsen ein, die von Güldenstein nicht begleichen kann. Den Filius nimmt solange Bomber-Bully (Markus Hoßner) in Gewahrsam.

Aber nicht zu viel der Handlung. Schon wegen des St. Markus-Pfarrers. In der Pause des Stücks muss Pfarrer Johannes Schmitt-Helfferich nämlich weg. Auf ihn wartet eine Prozession in St. Sebastian. Während einer der nächsten beiden Vorstellungen am 24. und 25. September will der Pfarrer den zweiten Teil nachholen. Dann weiß er, wie die Wohngemeinschaft samt der Hilfe von Haushälterin Margot Strotz (Malle Vörk), einer ausgemachten Hausschuh-Fetischistin, den Ferrari-Toni kollektiv zur Strecke bringt. Es lohnt sich, das glänzend gespielte Stück zu sehen. Wer selbst gucken will: Beginn ist am Samstag um 19 Uhr und am Sonntag um 17 Uhr im Gemeindezentrum (Pfarrgasse). Vorverkauf: Mühlheimer Buchladen, Bahnhofstraße 17. (man)

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