Politik schrumpft Plan für Anton-Dey-Straße und legt Südring-Projekt auf Eis

Fünf statt acht Holzhäuser für Flüchtlinge

Mühlheim - Die Stadt baut an der Anton-Dey-Straße maximal fünf Holzhäuser für Flüchtlinge. Wie groß genau die Investition der Stadt-Tochter Wohnbau wird und ob die Zuschüsse dauerhaft alle laufenden Kosten decken werden, ist unklar. Von Marcus Reinsch 

Acht dreigeschossige Holzhäuser - fünf westlich und drei östlich der Anton-Dey-Straße - mit je elf Wohnungen für Flüchtlinge hatte die Vorlage von Bürgermeister Daniel Tybussek vorgesehen. Beschlossen hat die Stadtverordnetenversammlung nun maximal fünf Häuser für zwischen 110 und 220 Bewohner, alle westlich zwischen Bahntrasse und Lämmerspieler Straße. Die Große Koalition schrumpfte den Ursprungsplan kurz vor der Sondersitzung zum Thema. Zusätzlich deckelte sie die Miete, die die Stadt ihrer als Bauherrin auftretenden Tochtergesellschaft Wohnbau für die Nutzung der Häuser zahlen darf, auf maximal 124.600 Euro pro Jahr und Haus für mindestens zehn Jahre. Und das auch erst nach einer „Angemessenheitsprüfung“. Es soll noch geprüft werden, ob es bessere und günstigere Möglichkeiten gibt. Denn die 1,27 Millionen Euro Schätzpreis pro Haus würden einen Quadratmeterpreis von 3350 Euro bedeuten, was nicht alleine Vertretern der Opposition als viel zu hoch gilt.

Zudem herrschen weiter Zweifel, dass sich die Häuser an diesem Standort nach Abebben der Flüchtlingswelle umbauen und als sozialer Wohnraum vermarkten lassen. Der Standort ist sehr laut. Zum Vergleich: Als Obergrenze fürs Wohnen gelten 55 Dezibel am Tag und 45 in der Nacht. Zwischen Bahn und Durchfahrtsachse allerdings dröhnen mehr als 70, in den Spitzen mehr als 80 Dezibel. Da würde es schwierig, überhaupt mal ein Fenster zu öffnen. Die „Bürger für Mühlheim“ und bis auf Bernhard Feig alle Grünen sagten Nein zum „finanziellen Himmelfahrtskommando“ (Dr. Jürgen Ries, Bürger) und „teuersten Wohnraum, den Mühlheim je gesehen hat“ (Gerd Westphal, Grüne). Feig stimmte zu, weil für ihn bei allen Zweifeln beim Holzhausbau „die sozialen Aspekte überwiegen“ und er unter dem Zeitdruck keine andere Möglichkeit sehe.

Sein Ja verweigerte er allerdings dem ebenfalls erst im Änderungsantrag der Großen Koalition aufgetauchten, mindestens vorübergehenden Stopp für den Bau einer weiteren Flüchtlingsunterkunft im Südring. Dieses auf rund 3,8 Millionen Euro veranschlagte Modulbau-Projekt für knapp 200 Bewohner am Waldfriedhof soll nun erst Wirklichkeit werden, wenn exaktere Planungen und eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vorliegen und die Flüchtlingszahlen die Notwendigkeit beweisen.

Auslöser aller Pläne war die Erwartung, dass trotz der durch die Blockade der Balkan-Route deutlich kleineren Zahl in Mühlheim ankommender Flüchtlinge - Herbst 2015: 55, aktuell 10 pro Monat - bald wieder mehr Hilfesuchende untergebracht werden müssen. Erste Stadträtin Gudrun Monat (Grüne) rechnet im dritten Quartal mit 30, im Winter mit 40 pro Monat. Zudem lebten zurzeit 146 der 390 bisher in der Stadt lebenden Flüchtlinge „unter nicht tragbaren Bedingungen“. Im hellhörigen Zelt an der Willy-Brandt-Halle etwa, im Jugendzentrum mit bis zu zwölf Menschen in einem Raum und ab Mai auch in der Leichtbauhalle, die gerade an der Dieselstraße entsteht. Sie sollen eigentlich in bessere Gebäude umziehen.

Sie sehe also „die Notwendigkeit für den Südring und für acht Holzhäuser. Wenn es jetzt nur fünf gibt, nehme ich eben die, weil es nicht viele Alternativen gibt.“ Sagte Gudrun Monat, meinte auch Bürgermeister Daniel Tybussek (SPD). Denn mangels Angeboten sowieso kaum mögliche Anmietungen auf dem angespannten freien Wohnungsmarkt würden den zusätzlich belasten. Und doch wieder ein Zelt wäre „sozial untragbar“ und finanziell unsinnig für die Stadt - beim aktuellen Modell stünden Kosten von rund 900.000 Euro Zuschüssen von nur 200.000 Euro gegenüber.

Rubriklistenbild: © dpa

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