Tage des Zelts sind gezählt

70 Flüchtlinge sollen in „manroland“-Unterkunft umziehen

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Nie gewollt, aber kein Weg dran vorbei: das Flüchtlingszelt.

Mühlheim - Das riesige Flüchtlingszelt neben der Willy-Brandt-Halle kann bald abgebaut werden. Die momentan etwa 70 Bewohner ziehen in die angemietete Immobilie von „manroland“ an der Borsigstraße um. Und auch das Jugendzentrum ist demnächst wieder nur für die Jugend da. Von Marcus Reinsch 

In Mühlheim leben 379 Flüchtlinge. 283 davon wohnen in städtischen Einrichtungen, 71 in der Unterkunft des Kreises an der Lessingstraße. Und 25 weiteren wurden Plätze in vom Kreis Offenbach zur Verfügung gestellten Wohnungen auf Mühlheimer Gebiet zugewiesen. Das ist der aktuelle Stand. Der zukünftige ist wie immer seit Beginn der Flüchtlingswelle mit einem Fragezeichen versehen – „im Kreis Offenbach liegen bisher noch keine aktualisierten Zuweisungszahlen für das dritte Quartal vor“, informierte Erste Stadträtin Gudrun Monat die Stadtverordnetenversammlung. Auszugehen sei allerdings „von Zuweisungen im bisherigen Umfang“. Das würde etwa zehn neue Mühlheimer pro Monat bedeuten. Wobei die Stadt ihr Aufnahme-Soll derzeit übererfüllt habe, weil sie bereits 23 Menschen mehr aufgenommen hat als sie gemusst hätte. Das liegt daran, dass es zwar einen Verteilungsschlüssel gibt, Flüchtlinge aber eben dorthin geschickt werden, wo gerade Platz ist.

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Und in Mühlheim war Platz. Unabhängig von den offiziellen Zuweisungen, sagte Monat, sei im ganzen Kreis jetzt erstmals Familiennachzug zu beobachten. Denn unter bestimmten Voraussetzungen haben anerkannte Flüchtlinge das Recht, ihre Familien nachzuholen. Sollten sie noch keine eigene Wohnung gefunden haben, müssen die Familien ebenfalls in städtischen Unterkünften aufgenommen werden. Monat: „In welchem Umfang dies stattfinden wird, ist derzeit noch nicht abzusehen.“ In Mühlheim hat es bisher nur zwei solcher Fälle gegeben. Dass es mehr werden, gilt als sicher. Denn viele Flüchtlinge sind Männer, die sich erstmal allein auf sicheres Terrain durchgeschlagen haben.

Dennoch: Die Tage des Flüchtlingszelts auf dem Festplatz neben der Willy-Brandt-Halle – Anfang dieses Jahres widerwillig gemietet, um Zuweisungen von zwischenzeitlich mehr als 50 Flüchtlingen monatlich verkraften zu können – sind gezählt. Zum einen, weil der Vermieter es bald zum Verkaufen braucht. Vor allem aber, weil der Umbau der ebenfalls gemieteten Unterkunft im ausrangierten „manroland“-Komplex an der Borsigstraße kurz vor seinem Abschluss steht. Etwa Ende Juli sollen die 70 Zeltbewohner dorthin umsiedeln. Dann kann die Planenkonstruktion verschwinden.

Fluchterfahrungen von Prominenten und Künstlern

Ebenfalls in eine andere Bleibe umziehen, sagte Monat, werde die siebenköpfige Familie, die noch das Jugendzentrum bewohnt. Die Juz-Räume könnten dann wieder von der Jugendpflege genutzt werden. Renoviert und neu ausgestattet werden sollen sie aber noch nicht, „da offen ist, ob das Jugendzentrum nochmals im Notfall als Unterkunft zur Verfügung stehen muss.“

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