Neues Domizil bald vollendet

Flüchtlingszelt wird abgebaut: Lego für Fortgeschrittene

+
Stück für Stück zerlegen Anpacker das Interieur des Flüchtlingszelt in diesen Tagen in seine Bestandteile.

Mühlheim - Eins schrumpft, eins wächst: Im langen Kreislauf der Flüchtlingsunterbringung in Mühlheim hat die Räumung des mittlerweile unbewohnten Zelts neben dem Bürgerhaus begonnen. Zugleich liegt die Wohnbau mit dem neuen Domizils an der Schillerstraße im Zeitplan. Die Stadt mietet es ab Oktober für 20 Jahre. Von Marcus Reinsch 

Es ist wie Lego für Fortgeschrittene, nur rückwärts: Das riesige Zelt neben der Willy-Brandt-Halle, in Mühlheim seit Jahresbeginn erste Heimat für neue Flüchtlinge, zerfällt in diesen Tagen in seine Einzelteile. Erst das Interieur – Tische, Stühle, Trennwände, Verschalung, Schränke und die von der Mühlheimer Schreinerei Kramwinkel zu Beginn der Flüchtlingswelle in Windeseile konstruierten und gebauten Etagenbetten. Dann, die Planung sieht dafür nächste Woche vor, das Drumherum. Weder Dimensionen noch Stabilität der eigentlich für große Feste gedachten Konstruktion haben mit den Planen-Bauten auf Campingplätzen zu tun; da müssen schon Menschen mit Muskeln anpacken. Derweil wendet sich der Blick der Mühlheimer auf das Gebäude, das zwischen Tegut und Spessartstraßenbrücke am Tegut-Markt in der Schillerstraße nicht nur den Anschein erweckt, als wäre es fast fertig. Die Wohnbau GmbH zieht hier eine neue Unterkunft hoch. Sie bietet maximal 76 bis 80 Flüchtlingen ein erstes Zuhause. Der Bau, informierte Wohnbau-Geschäftsführer Ingo Kison gestern, sei „genau im Terminplan“. Die Fertigstellung sei für dem 1. Oktober angepeilt, danach seien nur noch Restarbeiten an den Außenanlagen fällig.

Ebenfalls ab Oktober beginnen die 20 Jahre, für die die Stadt das schon für eine andere Raumaufteilung vorbereitete Gebäude von ihrer Immobilientochter mietet. Der Vertrag hatte vor seiner Unterzeichnung für einigen kommunalpolitischen Furor gesorgt. Die Fraktion der „Bürger für Mühlheim“ bezweifelt, dass die Stadt das Haus in einigen Jahren als normalen günstigen Wohnraum oder Gewerbefläche vermarkten kann. Das ist vor allem ein akustisches Aber. Denn die Bahnlinie verläuft unmittelbar nebenan.

Kison: „Im Rahmen des Bauantrages wurde ein akustisches Gutachten, welches noch um statistische Werte ergänzt wurde, erstellt.“ Sämtliche Dämmwerte bei Fenstern, Fassaden und Türen seien darauf abgestimmt worden. Und so sei „davon auszugehen ist, dass Bewohner von Bestandsgebäuden in der Nähe der Bahnlinie mit einer höheren Lärmbelastung als in diesem Gebäude auskommen müssen“. Die reinen Baukosten betragen rund 2,9 Millionen Euro. Dafür gibt es Erdgeschoss, ersten und zweiten Stock, also drei Vollgeschosse in massiver Modulbauweise, die mit Containern nichts zu tun hat. Unterteilt ist das Gebäude in sechs Bereiche, wovon einer ausschließlich „allgemeinen Zwecken“ dient, also als Büro für Sozialarbeiter, Wasch- und Trockenraum, Schulungs-, Heizungs-, Technik und einem Kinderwagenabstellraum.

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

Die fünf Wohngruppen bestehen aus 38 Schlafräumen, Gemeinschaftsküchen, Aufenthaltsräumen, Gemeinschaftsbädern mit Toiletten-, Wasch- und Duschvorrichtungen. In den Ecken des Hauses befinden sich zehn Familienzimmer mit je zwei Schlafräumen mit eigenem Bad und Kochnische. Sie sind für größere Familien gedacht. Alles in allem erstreckt sich die Unterkunft auf etwa 1700 Quadratmetern brutto bei einer Grundstücksgröße von 1980 Quadratmetern.

Für die Belegung der Räume wird die Stadt als Mieterin zuständig sein. Ingo Kison geht „davon aus, dass wie geplant die jetzigen Bewohner der beiden Häuser in der Seewiese dort einziehen werden.“ Dabei handelt es sich um einen Doppelwohnblock der Wohnbau am Gymnasium, der eigentlich schon vor Jahren Platz für eine lukrative Vermarktung hatte machen sollen.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion