Großer Schaden für kleine Beute

Auf der Suche nach Geld: Einbrecher verwüsten DRK-Einrichtung

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Ob Tür- oder Schrankschloss: Die Einbrecher, die in der Nacht zum Mittwoch beim DRK an der Dietesheimer Straße einstiegen. verschonten kaum eine Verriegelung. Geld erbeuteten sie zwar nur wenig, dafür richteten sie aber hohen Sachschaden an, den ein Gutachter noch genau beziffern wird.

Mühlheim - Einbrecher haben in der Nacht zum Mittwoch das Domizil des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) heimgesucht. Viel Geld war zwar nicht zu holen. Das hinderte die Täter aber nicht daran, mehrere Tausend Euro Schaden zu verursachen. Von Christian Wachter

Kurz hinterm Eingang im DRK-Haus hängen Fotos von Menschen, die den Ortsverein 1909 gegründet haben. Seit den 80er Jahren sind die Helfer an der Dietesheimer Straße ansässig. Dort werden Erste-Hilfe-Lehrgänge und Seniorengymnastik angeboten, außerdem stehen Fuhrpark und Ausrüstung der Sanitäter bereit. In den über 100 Jahren, erzählt Vorsitzender Rainer Schmitt, habe es bei dem Ortsverein nie einen Einbruch gegeben. Bis zu dieser Woche. Der Putzfrau fiel es am Mittwoch als erstes auf. Schon skeptisch, weil eine Tür nicht abgeschlossen war, sah sie, was Diebe in der Nacht zuvor anrichteten. Nachdem sie durch ein Fenster in ein Büro im Erdgeschoss eingestiegen waren, durchwühlten die Täter Schubladen, brachen Schränke auf, verteilten den Inhalt auf dem Boden. Im Raum nebenan das gleiche Bild: Unordnung, durchwühlte Spinde der Sanitäter.

Rainer Schmitt ist frustriert: Die Einbrecher ließen zwar die Computer da, verwüsteten aber die Einrichtung im DRK-Domizil.

Die jüngst angeschafften und kostspieligen Digitalfunkgeräte allerdings sind noch da. Schmitt ist sich sicher: „Die wollten nur Geld“. Wie die Einbrecher auf die Idee gekommen sind, dass Bares in großen Mengen vorhanden sein könnte, kann sich Schmitt nicht erklären. „Wir sind hier alles Ehrenamtliche, aber die haben hinter dem Wandkalender nachgesehen und einen Tresor gesucht, sogar den Sicherungskasten haben sie geöffnet.“ Fündig wurden die Eindringlinge dann allerdings doch. Im ersten Stock stießen sie in den Kursräumen auf ein kleines, buntes Pappschächtelchen. In dem bewahrt der Seniorenclub, der sich regelmäßig beim DRK trifft, das Geld für die Ausflüge auf. Demnächst soll es zum Oktoberfest ins Anglerheim nach Klein-Auheim gehen. Zuschüsse gibt es dafür nicht. Das Geld kommt aus den nicht immer prall gefüllten Portemonnaies der Rentner oder nach einem Plätzchenverkauf in die Kasse.

Auch unter der Theke, über die im DRK-Alltag sonst Kuchen, Kaffee und Getränke gereicht werden, lag noch etwas Geld – vom DRK bereitgehalten, um bei Festen wechseln zu können. Der Beamer, der von der Decke hängt, wurde nicht angerührt.

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Insgesamt, so der Vorsitzende, seien die Einbrecher mit zirka 500 Euro wieder gegangen. Der Schaden allerdings dürfte sich auf das Zehnfache belaufen, vermutet er. Das wird ein Gutachter noch klären. Denn auch im ersten Stock war das Knacken der Schlösser für die Einbrecher keine Präzisionsarbeit. Die Tür eines Einbauschranks haben sie gleich ganz herausgerissen. „Wer soll denn das reparieren, das wäre teurer als neu kaufen“, meint Schmitt frustriert. Er ärgert sich ein wenig darüber, dass es so viele verschlossene und jetzt kaputte Türen gab, wo sich doch dahinter eh nichts Teures befand.

Zumindest werden die Ehrenamtler nicht auf ihrem Schaden sitzen bleiben. Die Versicherung wird ihn übernehmen und auch das Geld erstatten. Dessen ist sich Schmitt sicher. Als Mann vom Fach muss er es wissen, er ist gelernter Versicherungsmann. Mit Blick auf die Erfahrungen, die er in seinem Beruf gemacht hat, ist er nach dem ersten Schock auch erleichtert. Bei Einbrüchen habe er auch schon ganz andere Räume vorgefunden, in denen viel mehr mutwillig zerstört wurde. Außerdem könne es ja sogar passieren, dass jemand gleich zum Brandstifter werde, um Spuren zu verwischen. „Zum Glück sind sie aber nicht einmal an unsere Fahrzeuge.“

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Allerdings werde es Zeit und Nerven kosten, bis der ganze Schaden abgewickelt sei. Das aufgebrochene Fenster ist schon repariert, weil Schmitt einen Schreiner kennt, der schnell helfen konnte. Für die Spurensicherung, die am Mittwoch zwischen Ermittlern und Schreiner kam, gibt es schon einen Anhaltspunkt. Die Einbrecher bedienten sich nämlich beim Orangensaft, tranken etwas und verschmierten mit dem Rest einen Spiegel. Die leeren Flaschen ließen sie einfach da – und damit vielleicht ihre genetischen Fingerabdrücke.

Die Offenbacher Kriminalpolizei geht von einer Tatzeit zwischen Dienstag, 21.30 Uhr, und Mittwoch, 12.30 Uhr, aus. Zeugen melden sich unter sTel.: 069/8098-1234.

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