Im Osten was Neues

Auf Güterbahnhof-Areal an Gleisen entstehen 40 Reihenhäuser

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Vedat Sarigül (von links), Wolfgang Fuchs und Otfried Sinner, die Akteure der Traumhaus-Gruppe, erklären gestern Bürgermeister Daniel Tybussek und dem städtischen Wirtschaftsförderer Till Böttcher die Details des Reihenhaus-Projekts auf dem einstigen Güterbahnhof-Areal.

Mühlheim - Ende einer Brache: Auf dem einstigen Areal des Güterbahnhofs, seit Jahrzehnten riesiges städtebauliches Fragezeichen, wachsen bis nächstes Frühjahr 40 Reihenhäuser. Die Traumhaus-Gruppe hat mit den Bauarbeiten begonnen. Und bald gibt’s endlich auch im Westen des Bahnhofs was Neues. Von Marcus Reinsch 

Die Traumhaus-Gruppe, eine in der Region vielfach engagierte Projektentwicklungsgesellschaft mit Sitz in Wiesbaden, zieht westlich des Mühlheimer Bahnhofs 40 Reihenhäuser hoch. Wo bis Ende der siebziger Jahre der Güterbahnhof war, entstehen vier aus Kalksandstein gefertigte Doppelhaushälften, 22 Mittelreihenhäuser und 14 Reihenendhäuser. Alle sind massiv gemauert, alle haben 141 Quadratmeter Wohnfläche auf Erdgeschoss und zwei Etagen plus gut 20 Quadratmeter Abstellfläche unterm rotbeziegelten Satteldach.

Und alle waren schon wenige Wochen nach dem Vermarktungsstart letzten Frühling verkauft. Trotz der Lage parallel zu den Gleisen. Oder gerade deshalb. Unter den Käufern, erklärt beim Ortstermin gestern Traumhaus-Projektentwickler und -Vertriebler Vedat Sarigül, seien natürlich Menschen, die am Flughafen arbeiten. Von ihren künftigen Wohnort können sie fast aus der Haustür in die S-Bahn fallen und direkt am Airport wieder aussteigen. Das ist im Zweifelsfall nicht nur ein bisschen schneller, als sich mit dem Auto von einem Domizil im überdies viel hochpreisigeren Frankfurt zum Arbeitsplatz zu quälen. Natürlich nur, wenn die Bahn pünktlich fährt. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Etwa 60 Prozent der Käufer wohnen auch bisher schon in Mühlheim, was, wie Bürgermeister Daniel Tybussek anmerkt, wieder einige freiwerdende Mietwohnungen vor Ort erwarten lasse. Das ist ein wichtiger Aspekt, wie andernorts auch herrscht ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum.

Etwas günstiger als der Durchschnitt

Apropos Geld: Die etwas über zehn Meter hohen Häuser gab’s ab 189.000 bis 249.000 Euro. Sie sind zwar alle gleich groß. Doch die Eckgrundstücke sind deutlich größer, was den Preisunterschied erklärt. Außerdem gab’s optional gestalterische Leckerlis wie offene Küchen oder ein drittes Bad für die Kinderzimmer.

Das einstige Güterbahnhof-Areal ist 10 100 Quadratmeter groß. Hier entstehen innerhalb eines Jahres 40 Reihenhäuser (auf dem Traumhaus-Plan orange). Sie sind auf neun Bebauungsinseln nördlich einer zusätzlichen Lärmschutzwand angeordnet. Ganz links, zur Orientierung: Die Zach-Halle, wo der Lebensladen wirkt.

Verglichen mit den Immobilienpreisen im Rhein-Main-Gebiet lagen die Häuser 15 bis 20 Prozent unter dem Durchschnitt. Das sei, begründet Traumhaus-Geschäftsführer Otfried Sinner, auch der Unternehmenphilosophie geschuldet. Die GmbH baut pro Jahr mal 250, mal 350 Eigenheime, sobald Käuferzusagen vorliegen, und verkauft sie sofort wieder. Ihren Gewinn generiert sie also mehr über die Masse und weniger über die einzelne Marge. Zum anderen, sagt Wolfgang Fuchs, der die Leitung bei Projektentwicklung und Vertrieb hat, seien die gleichen Häuser in anderer Lage natürlich deutlich teurer. Das kommt dem Willen entgegen, vor allem Familien mit Kindern nach Mühlheim zu locken. Darauf ist auch die Aufteilung der Häuser mit Diele, Gäste-WC, Küche, Speisekammer, Wohn- und Esszimmer im Erdgeschoss und vier fast gleichgroßen Räumen plus Bad, Hauswirtschaftsraum, Abstellkammer, und Fluren in der ersten und zweiten Etage ausgelegt.

Zur bisherigen akustischen Abgrenzung zur benachbarten Bahnlinie kommt eine zweite Lärmschutzwand. Unten aus Beton, oben gläsern. Sie zieht sich im Zickzack übers Gelände. Die Häuser und Gärten sind nördlich davon auf neun Bebauungsinseln Inseln angeordnet, die Garagen südlich. Zur Dammstraße mit dem als ein Wahrzeichen Mühlheims geltenden Wasserturm hin ist das Gelände offen. Seine Erschließungsstraße zieht sich im Süden des 10 100 Quadratmeter großen Geländes. Die Zufahrt platziert die Traumhaus-Gruppe nahe der Zach-Halle im Westen des Areals.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Für Till Böttcher, den Wirtschaftsförderer der Stadt, war es besonders wichtig, dass nicht einfach 40 Häuser in eine Reihe gestellt werden. Mit der nun kommenden, mal giebel- und mal traufständigen Ausrichtung - also wechselweise quer und längs zur Bahnlinie - werde das neue Quartier deutlich aufgelockert.

Momentan sieht man davon natürlich noch nichts. In den vergangenen Wochen hat der Projektentwickler erstmal das im Lauf der ungenutzten Jahre zugewucherte Gelände freimachen lassen. Bagger sind dabei, den von früheren Nutzungen zum Glück nicht schadstoffbelasteten Grund zu ebnen. Als nächstes werden die Kanalrohre und weitere für die Erschließung nötige Leitungen verlegt, dann wird die Bodenplatte gegossen. Versorgt werden wird das Quartier mit Fernwärme, wobei alle Häuser den Niedrigenergiestandard der Klasse KfW 55 vorweisen.

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