Stein der Namen, Kircheneingang, neue alte Pumpe:

Lämmerspiel weiht weitere Einmaligkeiten ein

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Die Ortspumpe kennen die Lämmerspieler noch, den Stein der Namen können sie jetzt kennenlernen.

Mühlheim - Warum nur eins einweihen, wenn es drei gibt? Eben. Die Lämmerspieler haben am Wochenende also den Stein ihrer Namen, die neue alte Pumpe und den Osteingang von St. Lucia gleichzeitig gefeiert. Und ihre Einmaligkeit.

„Auch heute gibt es hier ein großes Fest, wo der LOV es wieder krachen lässt“, schmetterten die Sänger in ihren himmelblauen Hemden und hellen Hosen. „Da weihen wir Gedenkstein und die neue, alte Pumpe ein, ganz Lämmerspiel ist heute ein Verein.“ Da hat der Katholische Kirchenchor St. Lucia mit Theo Eichhorn und Texterin Doris Picard an den Quetschkommoden einen Treffer gelandet. Wo bis zum Frühjahr Beton und Bodendecker wucherten, laden jetzt zwei Bänke zum Ausruhen, Plaudern, Nachdenken, Beten und Kontakteknüpfen ein, begrüßte Alfons Ott, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der Pfarrei, zum Fest auf der abgesperrten Bischof-Ketteler-Straße. Der Osteingang der Kirche war „in die Jahre gekommen“, erläuterte er. Und die Rampe am Haupteingang sei für Rollstuhlfahrer zu steil. Beide Mängel mündeten in einem neuen Zugang unterhalb der Sakristei, in einem doppelschenkeligen, seichten Aufgang und einigen Treppenstufen. Ein Vordach kommt noch.

Auf dem entstandenen quadratischen Platz im Schatten des Pfarrhauses thront die erneuerte alte Schwengelpumpe, die früher ein paar Meter weiter an der Straße stand und jetzt wieder frisches Wasser spendet. Vor der Ecke mit den Kirchenmauern enthüllten Frank Lortz, Vizepräsident des Landtags, und Bürgermeister Daniel Tybussek die Stele aus Buntsandstein, die Günter Schmitt von der Geschichtsgruppe als Plakat beim Jubiläums-Festzug präsentiert hatte. Auf einer Oberfläche, die einer Urkunde gleicht, ist die Entwicklung des Ortsnamens chronologisch aufgelistet. Er hieß 1290 Limmersbuer, dann Limmersbugil, Limmersbohl und ab dem 15. Jahrhundert Limmerspuel. 1576 war die Schreibweise Limmerspüell. Seit 1750 trägt die Gemeinde ihre heutige Bezeichnung, die nun in Stein gemeißelt ist. Einen Namen für das „Herz Lämmerspiels auf der Achse Rewe-Pilsstub’-Käselädchen“ sucht Ott noch. Die Idee für das Ensemble kam ihm auf dem Krankenbett. Mit Schmitt schmiedete er den Plan für den Platz.

Ihr Dank für die Umsetzung galt vor allem der Stadt und dem Bischöflichen Ordinariat, dem Lämmerspieler Verein für Brauchtumspflege und Frank Lortz. Die beiden letzteren spendeten je 1000 Euro. Der Froschhausener brachte zudem die Grüße des Ministerpräsidenten mit und lobte Lämmerspiel als „selbstlose Gemeinschaft und selbstbewussten Stadtteil“ von Patrioten. Sandra Frey vom Festausschuss des Jubiläums vor zwei Jahren und Georg „Schorsch“ Fischer von den Ortsvereinen nannten noch ein Dutzend Mäzene, die unterstützt haben, sowie Architekt Roland Trägner aus Gelnhausen und die Hausener Firma Dietz Natursteine für die Gestaltung der Stele. Die Anlage sei eine „nachhaltige Erinnerung“ an das riesige Fest zum 725. Geburtstag Lämmerspiels, schwärmte Tybussek. Er sei „stolz, Bürgermeister einer Stadt zu sein, in der sich die Bürger so stark einbringen“.

Alfons Ott schwang die Schelle, mit der bis 1962 amtliche Bekanntmachungen ausgerufen wurden. Der Ortsfunk startete später und stets mit einem Marsch, zu dem jetzt Dekan Pfarrer Gerd Willi Kost, Pater Scaria und die Messdiener über die neue Rampe auf den Platz zogen, um das Areal zu segnen. Das Wasser der Pumpe bedeute Leben, die Tafel erinnere an die Wurzeln des Orts, sagte der Pater. Was dem Basaltköpp’ die Lore und Müllem die Zeitkapsel, ist den Lämmerspielern die Namens-Stele, resümierte Karl-Heinz Stier vom Geschichtsverein. Ab nächstem Jahr soll dann die ganze Kirche außen und später innen renoviert werden. Schon in 23 Jahren feiern sie an Rodau und Brühlbach „750 Jahre Lämmerspiel“, wie die „Festmacher“ per Transparent präsentierten. „Und jedem, der hierher gekommen, ist es lange schon gewiss“, übertönte der Kirchenchor die Flugzeuge, „dass Lämmerspiel nunmal einmalig ist“.

M.

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