Abstruse Geschichte

Haftstrafe für prügelnden Taxi-Passagier

Mühlheim - Die Geschichte wirkt abstrus: Erst griff ein Frankfurter einem Taxifahrer zweimal ins Lenkrad. Dann schlug er auf ihn ein, weil er sich weigerte, in einen Wald bei Lämmerspiel abzubiegen. Der Täter ist ein Bekannter für das Schöffengericht. Richter Manfred Beck schickte ihn 21 Monate in Haft - diesmal ohne Bewährung. Von Stefan Mangold

Es passiert eher selten, dass ein Angeklagter genau bestätigt, was der Ankläger ihm vorwirft. Er sei am 7. Mai 2014 gegen 23 Uhr an Offenbachs Messehallen in ein Taxi gestiegen. Ziel: Lämmerspiel. Als der Fahrer nicht so wollte wie er, habe er ihm zweimal ins Lenkrad gegriffen und auf ihn eingeschlagen. Die Geschichte hatte ein gerichtliches Finale - ein Jahr und neun Monate Gefängnis. Vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck erklärte der 43 Jahre alte Angeklagte die Geschehnisse mit Lebensumständen. Die sind in der Tat nichts für Neid: Seine Ehe ist den Bach runter gegangen. Arbeit hatte der bürgerlich wirkende Vater zweier Kinder ebenso wenig wie eine Wohnung. Und von seinem in Lämmerspiel im Sterben liegenden Großvater habe er sich gerade verabschieden wollen, als er ins Taxi stieg.

Allein: Mancher ist auch mit einem im Tee fähig, sich sozialverträglich zu verhalten. Für den Angeklagten gilt das nicht. Sein Alkoholproblem gehe er mittlerweile an. In der Entgiftung sei er gewesen, die stationäre Therapie müsse er jedoch durch eine ambulante ersetzen. Er habe wieder einen festen Job. Außerdem besuche er Treffen der Anonymen Alkoholiker. Überhaupt bekomme er sein Leben schrittweise in den Griff, wozu seine neue Freundin beitrage. Sein zerknirschter Eindruck wirkt echt. Und seine Anwälte Corinna Beer und Nima Djafarian bieten 2000 Euro Schmerzensgeld. Im Vorstrafenregister des Täters steht viel Text. Seit 1998 gibt der Mann vor den Strafgerichten Gastspiele. Meist wegen Körperverletzung oder Verkehrsdelikten. Unter Alkoholeinfluss kann er seine Aggressionen nicht kontrollieren. Bisher kam er mit Bewährungsstrafen davon. Zwischendurch saß er dennoch ein, weil er Auflagen nicht erfüllte.

Wie es sich auswirkt, wenn der Mann austickt, schildert der Taxifahrer. Der Fahrgast habe angetrunken gewirkt, aber keinesfalls sternhagelvoll. Auf der Mühlheimer Straße habe er unvermittelt ins Lenkrad gegriffen. Er habe ihn also aufgefordert, auszusteigen. Nachdem sich der Angeklagte entschuldigte, sei er dann aber doch weiter gefahren. Das gefährliche Grabschen habe sich zwischen Markwald und Lämmerspiel allerdings wiederholt. Er sei auf die Gegenfahrbahn geraten, habe scharf bremsen müssen. Zum Glück sei niemand entgegen gekommen. Und als er sich weigerte, in einen Waldweg vor Lämmerspiel zu fahren, habe der Mann ihn mehrmals mit der Faust gegen den Kopf geschlagen, sei ihm ums Auto hinterhergerannt, habe das Navi geschmissen. Erst als jemand aus dem Fenster schaute, sei er verschwunden.

Kuriose Unfälle in der Region

Die Entschuldigung des Angeklagten nimmt der Taxifahrer an: „Machen Sie so was aber nie wieder!“ Der Oberstaatsanwalt bemerkt, eine weitere Bewährungsstrafe komme nicht in Frage. Der Angeklagte, der anfangs abgetaucht war, habe sich erst um eine Therapie bemüht, als die Hauptverhandlung nahte. Er fordert für gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr und Körperverletzung ein Jahr und neun Monate Haft. Verteidiger Nima Djafarian ist einverstanden, plädiert aber auf Bewährung - „wir haben es mit einem anderen Menschen als damals zu tun“. Der Angeklagte sei bereit, sich jederzeit auf Alkoholkonsum testen zu lassen, bietet Anwältin Corinna Beer.

Richter Beck deutet eine Diskussion mit den Schöffen zum Thema „mit oder ohne“ an. Der Angeklagte habe die Tat während einer Bewährungsstrafe verübt. Käme er noch mal milde davon, würde er das als Signal empfinden, „es ging mal wieder gut“ Gegen das Urteil könne er Berufung einlegen. Bis zu einem Prozess am Landgericht könnten sich sechs weitere Monate ohne Suff und Gewalt positiv auswirken.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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