Michael Ruths und seine Miniaturwelt

Die Handvoll Feuerwehr

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Beim Tag der offenen Tür sind morgen die Einsatzfahrzeuge der Retter in groß zu sehen. Und dank Michael Ruths auch in klein.

Mühlheim - Die Mühlheimer Freiwillige Feuerwehr lädt für den morgigen Sonntag zum Tag der offenen Tür ein. Neben den großen Löschfahrzeugen spielen auch ganz kleine eine Rolle. Denn Feuerwehrmann Michael Ruths stellt einen Teil seiner Miniaturmodelle aus. Die bilden alle Fahrzeuge und Gerätschaften der heimischen Retter nach.

Die bekannteste Miniatur dürfte der Globus sein. Eine Kugel mit 26 Zentimetern Durchmesser bildet die Erde 50 Millionen mal kleiner ab als im Original. Die Reise von Frankfurt nach Sydney dauert so nur einen Dreh. Die Minimierung ermöglicht die Übersicht. Bei der Zahl 87 unterm Bruchstrich, um die Michael Ruths seine Feuerwehrwagen entstehen lässt, klingelt es bei Modelleisenbahnfreunden aber deutlich lauter. Der Maßstab H0 1:87 gilt in dem Metier als Klassiker. Der 41-Jährige fing im Alter von zwölf Jahren an, Feuerwehrwagen zusammenzusetzen. Angefixt wurde der Junge vom ehemaligen Stadtbrandinspektor Heribert Hennig, einem Verwandten. Der erzählte auf Familienfeiern von Bränden und Einsätzen, was Michael faszinierte.

Nach den Anfängen in der Jugend herrschte zwischendurch etliche Jahre Bastelpause, ehe Ruths wieder einstieg. Im Laufe der Zeit setzte er 315 Modelle verschiedenster Feuerwehrfahrzeuge in geduldiger Piddelarbeit zusammen. Modellbau ist keine Disziplin für handwerkliche Irrläufer. Grobmotoriker sollten sich lieber einem anderen Steckenpferd widmen. Der Bauingenieur zeigt einen roten VW-Bus aus den siebziger Jahren. Das Original gehörte der Frankfurter Feuerwehr, ausgestattet mit einem Schnellangriffsschlauch. Der Bus wurde einst für den Fall angeschafft, dass es in der Tiefgarage des Nordwestzentrums einmal brennt. Für andere Löschfahrzeuge war die Einfahrt zu niedrig. Aus dem Grund fehlt dem VW-Bus auch das Blaulicht auf dem Dach.

Ruths misst seine Vorbilder genau aus, fotografiert von allen Seiten. Zur Ausstellung in Mühlheim zeigt der Vater zweier Kinder die rund 60 Stücke, die sich an Gefährten der örtlichen Feuerwehr orientieren; etwa dem Löschgruppenfahrzeug 10/6, über das Freiwillige häufig verfügen. Es kommt oft beim Erstangriff zum Einsatz. Manchmal reicht das schon.

Ruths gehörte nicht schon in frühester Jugend zu den Freiwilligen. Damals kämpfte er für den Budo-Club mit dem schwarzen Gürtel um die Hüften im Judo auf der Matte. Den Sport musste er später in Folge eines Kreuzbandrisses, den er sich beim Kicken mit Kumpels zugezogen hatten, aufgeben. Der Freiwilligen Feuerwehr trat Ruths vor sechs Jahren bei, was die Gattin eher weniger in Euphorie versetzte. „Begeistert war ich nicht sofort“, lacht Ilona Ruths. Das ist verständlich. Mitglieder einer Freiwilligen Feuerwehr gehören schließlich keiner lockeren Truppe an, in der das Prinzip ‘Komm‘ ich heute nicht, komm‘ ich morgen’ gilt. Wenn es nachts piepst, muss Michael raus und Ilona wird wach.

Kappensitzung der Feuerwehr Mühlheim: Bilder

So wie neulich. Da war er nach einem anstrengenden Arbeitstag um 23.30 Uhr schon eingeschlafen, als der Alarm losging. Ein Betrunkener hatte rote Ampeln ignoriert und vor dem Rathaus einen Unfall verursacht. Ruths half, einen eingeklemmten Verletzten herauszuschneiden. Um zwei Uhr kam er heim und hatte Glück, wieder einschlafen zu können. Im Gegensatz zu früher, als ein echter Feuerwehrkerl genauso wenig Schmerz wie ein Indianer kennen durfte, gebe er heute die Möglichkeit, die Bilder im Kopf in Gesprächen aufzuarbeiten.

Ruths baute auch das Rettungsschnellboot nach, das zum Bestand der Mühlheimer gehört. Nur liegt es in der Natur der Sache, dass so ein Boot fast immer erst zum Einsatz kommt, wenn im Main jemand vermisst wird. Dann heißt es oft nur noch, eine Leiche zu suchen. „Ich selbst habe noch keine gefunden“, sagt Ruths ohne Bedauern. - man

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