Schöffengericht verurteilt Mühlheimerin zu Bewährungsstrafe

Haschisch von der Mutter

Mühlheim - Hat eine Mutter ihre 16-jährige Tochter mit Drogen versorgt? Das Offenbacher Schöffengericht sieht dies trotz widersprüchlicher Aussagen als bewiesen an. Von Stefan Mangold 

So mancher Angeklagte wird in Handschellen aus der Untersuchungshaft zum Schöffengericht in Offenbach geführt. In Haft sind jene meist, weil sie entweder bereits zu viel auf dem Kerbholz haben oder keinen festen Wohnsitz. Für die angeklagte Mühlheimerin gilt dies nicht. Dennoch wird sie gefesselt vorgeführt: Den ersten Gerichtstermin hatte sie versäumt. Deshalb ordnete Richter Manfred Beck die Haft an. Sie wird beschuldigt, ihrer 16-jährigen Tochter Marihuana gegeben zu haben. Das Verfahren gegen die Mühlheimerin kam durch eine Freundin der Tochter ins Rollen. Diese berichtet im Gerichtssaal, dass die Tochter der Angeklagten ihr einmal Hanfsamen mit dem Hinweis gezeigt habe, ihre Mutter baue Cannabis an. Später habe sie vorgeschlagen, einen Joint zu rauchen. Das Haschisch habe sie von ihrer Mutter. Aus Neugierde habe sie zugestimmt.

Die Folgen des Cannabiskonsum blieben der Mutter der Zeugin nicht verborgen: gerötete Augen, Schaum um den Mund, grundloses Lachen. Schließlich erzählte die Tochter vom Joint. Die Mutter fuhr mit ihr ins Krankenhaus, wo sich der Cannabis-Genuss bestätigte. Die Polizei erfuhr von den Ereignissen allerdings durch einen anderen Sachverhalt. Die Zeugin sprach mit ihrer Tochter dort vor, um eine zeitnahe sexuelle Belästigung der Tochter anzuzeigen. Dabei fand das Kiffen Erwähnung. Rechtsanwalt Fatih Kantekin erklärt, seine Mandantin habe ihrer Tochter kein Haschisch gegeben. Zum Drogenfund in der Wohnung während einer späteren Durchsuchung der Polizei sagte sie nicht aus. Dabei wurde im Zimmer der Tochter ein gerauchter Joint gefunden, in einer Tabakdose der Mutter Spuren von Amphetamin.

Auch die eigene Tochter sagt aus. Das brauche sie nicht, belehrt Beck. Falls doch, müsse auch sie die Wahrheit sagen. Die Tochter erklärt, sie habe bei der Mutter nur einmal Drogen gefunden, als sie eine Dose aufbrach. Ihre Mutter habe ihr niemals Cannabis gegeben. Ihre damalige Freundin, mit der sie seit dem gemeinsamen Konsum keinen Kontakt mehr pflege, habe sich die Geschichte mit dem Haschisch von der Mutter ausgedacht, „um sich bei der eigenen lieb Kind zu machen“. Sie habe ihr Cannabis stets in Offenbach „bei irgendeinem Ali“ gekauft. „In der Schule wussten viele, dass ich kiffe“. Damit sei mittlerweile Schluss. Die Oberstaatsanwältin klärt auf, sie beschuldige gerade die andere Zeugin der Falschaussage. Die Tochter bleibt dabei.

Tausende fordern bei Hanfparade Cannabis-Legalisierung

Die Anklägerin hält die Aussage der Freundin der Tochter zwar für glaubwürdig, der Satz, „das kommt von meiner Mutter“ beweise aber nicht, dass die Angeklagte ihr das Rauschgift gab: „Sie kann es sich genommen haben.“ Für den Anklagepunkt „Abgabe eines Betäubungsmittels an eine Person unter 18 Jahren“ fordert sie deshalb Freispruch, für Drogenbesitz eine Geldstrafe von 500 Euro. Verteidiger Kantekin plädiert auf kompletten Freispruch.

Richter Beck und die beiden Schöffen verurteilen die Mühlheimerin dennoch wegen Abgabe von Drogen an Minderjährige in einem leichten Fall zu vier Monaten Haft – auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt – plus Beratung im Suchthilfezentrum Wildhof. Die Aussage der Tochter habe die Mutter schützen sollen. Für das Gericht sei klar, dass sich die Tochter über die Mutter mit Haschisch versorgte. „Sie müssen dringend an sich arbeiten“, gibt Beck ihr mit auf den Weg.

Rubriklistenbild: © dpa

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