Historiker sichern Maschine, mit der Vorfahren Spreu und Weizen trennten

Vom Winde verweht

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Walter Schäfer beim Funktionstest: Die Windfege steht nun erst mal im Maschinen-Depot des Geschichtsvereins an der Mozartstraße.

Mühlheim - Eine neue Besonderheit im Stall: Der Mühlheimer Geschichtsverein hat eine Windfege gekauft. Die Maschine diente Bauern einst dazu, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Menschen, die der jüngsten Errungenschaft des Mühlheimer Geschichtsvereins auf den ersten Blick einen Zweck zuordnen können, sind entweder reich an Jahren und Erfahrung oder selbst Historiker. Das hölzerne Gestell kommt erst mal wie etwas daher, dass nach mittelalterlicher Belagerungstechnik forschende Wissenschaftler auf einem Schlachtfeld ausgegraben haben. Nun, ganz so alt ist es nicht. Es handelt sich um ein seltenes landwirtschaftliches Gerät, eine sogenannte Windfege. Es stammt vermutlich aus der Zeit von 1925 bis 1930.

Die Funktion gehorcht grundlegender, effektiver Physik, mit der sich frühere Generationen das harte Leben gerne etwas leichter machten: Was der Bauer abgeerntet hat, kam komplett in die Maschine. Dann kam die Handkurbel zum Einsatz, erzeugte einen Luftstrom, der die Spreu in der Fege gewissermaßen vom Winde verwehte. Denn die war federleicht und auf diese Weise aus der Maschine zu pusten. Das Gewollte – Weizen, Hirse, Reis, anderes Getreide – war schwerer und blieb liegen. Ebenso wie Steine und andere Fremdkörper. Schüttelsiebe sonderten die in einem zweiten Arbeitsschritt aus.

So eine Windfege wurde auch Kornfege, Getreideputzmühle, Rotationsworfelmaschine oder im mittelhessischen Raum Feegmehl genannt. In der Geschichte der Landtechnik ist die Windfege eine der ältesten Maschinen. Sie war sehr teuer und wurden daher auch meist nur verliehen. Sie lösten zum einen das manuelle Verfahren ab, bei dem die Ernte per Hand in die Luftgeworfen wurden, damit der Wind die Spreu davontrug. Später arbeitete man dann mit Dreschflegeln. Und noch später mit der bekannteren Dreschmaschine, deren Vorläuferin die Windfege war.

Bruno Schmück und Walter Schäfer vom Geschichtsverein wurden auf dieses landwirtschaftliche Gerät dank der Vermittlung von Dr. Siegfried Drexler aufmerksam. Dessen Nachbar, der Bauer Herbert Lanz aus Lanzingen im Spessart, hatte die Windfege noch im vergangenen Jahr für kleinere Mengen genutzt. (mcr)

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