FFH-Moderatorin berichtet über ihr Leben in Deutschland

Evren Gezer: „Integration beginnt in der Familie“

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Archivbild

Mühlheim - Der Heusenstammer CDU-Landtagsabgeordnete Ismail Tipi ist Vorsitzender des Landesfachausschusses Integration. Von Stefan Mangold

Zum Thema „Welche Voraussetzungen und Eigeninitiative braucht es für eine gelungene Integration“ hätte er wohl keinen besseren Gast finden können als die Offenbacher FFH-Kultmoderatorin Evren Gezer. Wenn alle, die es aus der Fremde nach Deutschland zog, einen ähnlichen Weg wie die beiden hinter sich hätten, die heute vor viel Publikum rhetorisch parlieren, wäre ein „Landesfachausschuss Integration“ mit dem Vorsitzenden Ismail Tipi ziemlich überflüssig. Er wurde 1959 in Izmir geboren. Der CDU-Landtagsabgeordnete hatte am Wochenende Evren Gezer zur öffentlichen Tagung in die Gaststätte „Zum Forsthaus“ nach Mühlheim eingeladen. Die FFH-Moderatorin kam 1980 in Istanbul zur Welt. Tipi fällt es leicht, Fragen zu stellen. Das wundert nicht, von Haus aus ist der Mann Journalist. Und Gezer fällt es nicht schwer, zu antworten. Die Radiomoderatorin nennt eine Grundvoraussetzung für ihren Beruf: „Ich höre mich gerne reden.“ Gezer, die mit Sohn, Gatten und Mutter erscheint, erzählt, wie es dazu kam, dass sie niemals vor der Frage stand, „wie kann ich mich integrieren?“.

Die Mutter ist Pädagogin, der verstorbene Vater war linker Aktivist und Gewerkschaftsfunktionär. Als das türkische Militär 1980 putschte, wurde das Leben gefährlich für den Mann, der bald darauf in einem Asylbewerberheim in Coburg ankam. Evren folgte ihm. Genossen des Vaters reisten mit ihr aus, deklarierten den Säugling an der Grenze als ihren Sohn. Es dauerte noch Monate, bis auch die Mutter folgte. Zwischendurch erkrankte der Vater. Evren kam bei Pflegeeltern unter, „in der Phase, in der sich die Sprache entwickelt“. Als Evren in den Kindergarten kam, sprach sie schon deutsch.

Im politisierten Elternhaus habe Religion keine Rolle gespielt. Damit sei ein möglicher Hemmschuh zur Integration entfallen, anders als etwa bei einer türkischen Freundin, von der Gezer erzählt. Der gefiel das Drumherum von Weihnachten, „zu Hause durfte sie das Wort ,Weihnachten’ aber auf keinen Fall erwähnen“. Sowieso fange Integration in der Familie an. In ihrer habe eine freie, kommunikative Atmosphäre geherrscht. Für die Eltern galt, „wir wollten nicht kommen, aber wir nehmen Deutschland als neue Heimat an“.

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Tipi will wissen, wie Menschen zu integrieren seien, „deren Familienehre an der Jungfräulichkeit der Tochter hängt?“ Gezer erzählt von einem Freund, der zwar in die Moschee gehe, sich aber dennoch gesellschaftlich ungezwungen bewege. Die Regel sei das allerdings nicht. Ihre Eltern hätten ihr weder geistige noch moralische Schranken auferlegt, „meine Freunde saßen sonntags mit am Frühstückstisch“.

Aus dem Publikum kommt an die studierte Publizistin die Frage, ob sie sich ein politisches Engagement vorstellen könne. Das verneint Gezer, „vorerst zumindest“. Sie sei jemand, der Schwierigkeiten gerne sofort löst. Die Probleme in der Politik seien jedoch komplexer Natur, nur schwer oder auch gar nicht zu beheben. Als Beispiel nennt sie ihre Skepsis gegenüber einem Burka-Verbot, das Tipi im Einklang mit dem Europäischen Gerichtshof fordert. Evren Gezer fürchtet, das wirke auf die Islamisten ähnlich wie ein Verbot der Eltern gegenüber ihren pubertierenden Kindern, „für die heißt es doch dann, ,jetzt erst recht’“.

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