Uta Zapf steht Pate

Mühlheimer wollen Jusos wiederbeleben

+
Einer der Juso-Motoren: Percy Herrmann.

Mühlheim - Nicht sehr unwahrscheinlich, dass es der eine oder andere erst jetzt merkt: Die Jusos, die Jugendorganisation der SPD, gab es in Mühlheim schon lange nicht mehr. Aber jetzt gründen sie sich wieder.

Zehn junge Bürger werden die Organisation heute Abend wiederbeleben. Die früheren Jusos in der Stadt, erzählt Percy Herrmann, hatten sich weiland nicht mit lautem Knall nach großem Krach aufgelöst. In den meisten Fällen bedingte einfach das Alter einen geschmeidigen Austritt: Als Juso gilt in der SPD nur das Mitglied, das die 35 Jahre noch nicht überschritten hat.

Dazu gehörte auch einmal Karl-Heinz Stier, sagt Percy Herrmann. Der frühere Fernsehjournalist beim Hessischen Rundfunk, der für die SPD als Stadtrat im Stadtparlament sitzt, soll in seinen jungen Jahre der Gruppe von Jungsozialisten gedient haben, die sich mit Eingaben im Kreis dafür einsetzten, dass der 120er-Bus auch den Markwald abklappert. Die Aktion damals ging wohl bewusst am Genossen Bürgermeister Werner Grasmück vorbei, der den Jusos in Sachen Bus durch die Siedlung zu wenig in die Pötte kam.

Percy Herrmann hatte damals schon aus biologischen Gründen mit Politik nichts am Hut – er ist heute 22 und trat erst letzten Dezember in die SPD ein. Das aber sehr bewusst: Der einstige Friedrich-Ebert-Gymnasiast studiert in Frankfurt Geschichte und Politikwissenschaften. Von Politikverdrossenheit wollte Herrmann nichts mehr wissen. Er besorgte sich das Parteibuch der SPD, weil ihm an der Partei gefalle, „dass der soziale Aspekt programmatisch in Zentrum steht“.

Das treffe zwar noch stärker auf die Linkspartei zu, doch es höre sich zwar meist geschmeidig an, was diese Partei fordere, „aber unter den gegebenen Verhältnissen lässt sich das meiste nicht umsetzen“. Die Jusos, die sich heute konstituieren werden, sind erstmal zu zehnt. Vier davon gehören der SPD an, die anderen nur der Jugendorganisation. Davon werden 60 Prozent den ersten Vorstand bilden. Für den 22-jährigen Percy Herrmann, der als Schriftführer kandidiert, ist die Kommunalpolitik ein spannendes Feld. Ihn ärgere es, dass die Politikwissenschaften das Thema stiefmütterlich behandelten. Die kommunale Ebene sei die einzige, in der die Bürger in Form des Bürgermeisters die Spitze selbst wählen. Außerdem habe eine Stadt wie Mühlheim nur zwei hauptamtliche Politiker, den Bürgermeister und die Erste Stadträtin: „Die Leute im Parlament setzen sich alle ehrenamtlich ein.“

Früher galten die Jusos als linker Störertrupp in der Mutterpartei. Dem späteren Bundeskanzler Gerhard Schröder hing nicht schon immer das Attribut „Genosse der Bosse“ an. Auch er verstand es als Juso-Vorsitzender Ende der 70er Jahre glänzend, den Kanzler Helmut Schmidt besonders durch Kritik an dessen Rüstungspolitik arg zu nerven.

Die Gründungsversammlung der Mühlheimer Jusos beginnt heute um 19.30 Uhr in der Kulturhalle Schanz (Carl-Zeiss-Straße 6). Die Landtagsabgeordnete Ulrike Alex und die ehemalige Bundestagsabgeordnete Uta Zapf stehen Pate.

In Mühlheim muss sich Bürgermeister Daniel Tybussek jedoch nicht fürchten, „dass wir plötzlich vor dem Rathaus stehen und für die Freigabe von Cannabis demonstrieren“, lacht Herrmann und beugt dem möglichen Missverständnis vor, er vertrete die Juso-Forderung, die Droge zu entkriminalisieren, um sich ungestört einen durchziehen zu können: „Mir graut es schon beim Gedanken, eine Zigarette zu rauchen.“ Der staatliche Einsatz gegen die Kiffer und das Ergebnis stünden jedoch in keinem Verhältnis.

Natürlich werde sich die neue Juso-Gruppe im nächsten Jahr bei der Bürgermeisterwahl für Daniel Tybussek einsetzen. Die Aufgabe der Jusos sieht Percy Herrmann generell auch darin, jenseits der Tagespolitik, jenseits der vermeintlichen Sachzwänge, die der Partei in den letzten Jahren auf Länder- und Bundesebene ein Wahldesaster nach dem anderen bescherten, die Fahne dessen hochzuhalten, für was die Sozialdemokratie eigentlich stehe: „Für Teilhabe und soziale Gerechtigkeit.“ (man)

Kommentare