Der dritte Augenaufschlag

Blick richtet sich auf Videoüberwachung an Bahnhöfen

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Viel zum Hingucken, weshalb eine Videoüberwachung wohl teuer wäre: der Mühlheimer S-Bahnhof.

Mühlheim - Das Thema Videoüberwachung an Bahnhöfen ist wieder da. Die Fraktion der „Bürger für Mühlheim“ mahnt die Elektro-Augen für die Stationen in Mühlheim und Dietesheim an. Von Marcus Reinsch 

Um beim Thema Videoüberwachung an den S-Bahnhöfen in Mühlheim und Dietesheim überhaupt eine Bewegung zu erkennen, müsste man an einer Kamera schon eine Langzeitbelichtung einstellen, die sogar Sternbild-Fotografen zu lang wäre. Aber immerhin: In zehn Jahren offener Blende würden inmitten breitgezogener Unschärfen drei kurze kommunalpolitische Schlaglichter sichtbar. Das erste anno 2007. Da ließ der damalige Bürgermeister Bernd Müller schonmal durchrechnen, was die Stadt so eine Überwachung kosten würde. Zu Kameras führte das nicht. Ebenso 2013, als die da gerade oppositionelle CDU ihren vor allem auf die Zugänge gerichteten Antrag auf sicherheitspolitische Filmförderung wieder einstampfte, nachdem ihr beschieden worden war, dass für die Kostenermittlung präzisere Vorgaben als im Antrag nötig seien. Da gebe es ja je zwei Parkplätze und zwei Eingänge, zwei Gleise, Bahnsteig und Unterführung.

Fast schon etwas für den Geschichtsverein also, die bisherige Historie des Hinguckens an den Ein- und Ausfalltoren der Stadt. Was aus dem dritten Schlaglicht wird, entscheidet sich erst. Die „Bürger für Mühlheim“ wollen der Sache neues Leben einhauchen. Ihr Antrag an die Stadtverordnetenversammlung (14. Juli, 18 Uhr, Rathaus, Friedensstraße 20) will den Magistrat beauftragen „auf Grundlage der Prüfung aus dem Jahr 2007 eine Videoüberwachung“ zu installieren. SPD und CDU schreiben als Große Koalition wohl einen Änderungsantrag, der noch nicht Kameras fordert, sondern erstmal eine Aktualisierung der Kostenschätzung. Nötig würden dafür auch nochmal Gespräche und Ortstermine mit der Deutschen Bahn und der Polizei.

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Denn eine Videoüberwachung hat viele Variablen. Finanziell bedeutet es zum Beispiel einen himmelweiten Unterschied, ob eine Stadt nur eine Aufzeichnung will, um im Ernstfall das Geschehen nachvollziehen zu können, oder gleich eine Echtzeitüberwachung. Bürgermeister Daniel Tybussek, gestern auf Anfrage: „Für ein klares Ja oder Nein ist es zum jetzigen Zeitpunkt viel zu früh.“ Er stehe „der Videoüberwachung generell offen gegenüber“. Aber es gelte natürlich, Nutzen und Kosten abzuwägen. Die Kriminalstatistik des Südosthessen-Polizeipräsidiums weise für Mühlheim zum Beispiel vergleichsweise wenige relevante Fälle aus. Und die Präventionsarbeit in Mühlheim arbeite vorbildlich. Allein: „Wenn unsere Stadtverordnetenversammlung den Beschluss fasst, tätig zu werden, werden wir das selbstverständlich tun.“ Dann müssten Firmen nach Preisen und anderen Konditionen befragt werden. Teurer als damals sei die nötige Technologie vermutlich nicht geworden.

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