Krimi-Autor Volker Jochim

Das Prinzip Miss Marple

Mühlheim - Die erste Leiche liegt an der Willy-Brand-Halle und ist die Ouvertüre zu einer Mordreihe. Der Autor Volker Jochim hat den Schauplatz seines neuen Krimis nach Mühlheim verlegt und lässt den Detektiv Henry. A. Pieroth ermitteln. Von Stefan Mangold 

Volker Jochims neuster Krimi spielt in Mühlheim.

„Tod im Kreis – Ein Mühlheim Krimi“ lautet der vierte Kriminalroman des seit eineinhalb Jahren in Lämmerspiel lebenden Autors Volker Jochim. Die drei Vorgänger spielen allesamt in Italien, wo der ehemalige Frankfurter Hauptkommissar Marek als Privatdetektiv Fälle löst. Vor neun Jahren schrieb Jochim seinen ersten Roman. Damals arbeitete der 63-Jährige noch leitend am Frankfurter Flughafen in der EDV-Abteilteilung der Abfertigung. Auf die Idee, einen Krimi zu Papier zu bringen, kam Jochim durch eigene Lektüre. Damals las er einen preisgekrönten Roman des Genres, der ihn partout nicht vom Hocker reißen wollte. „Da dachte ich, das kann ich besser“. Auf Italien kam der gebürtige Frankfurter, weil er regelmäßig mit seiner Frau den Urlaub in Cáorle verbrachte, nur einen Katzensprung von Venedig entfernt.

Für das Thema Verbrechen hätte sich der Mann mitnichten aufgrund der eigenen Biographie interessiert, schon gar nicht, weil er selbst einmal zumindest im Verdacht stand, Dreck am stecken zu haben. „Mal als Jugendlicher Gras geraucht, das war alles, was ich anstellte“, erinnert sich der Autor. Auf den Gedanken, in Mühlheim etliche Morde passieren zu lassen, stupste ein Buchhändler aus Obertshausen den Neu-Lämmerspieler.

Dessen Held, der Detektiv Henry. A. Pieroth, könnte als Romanfigur auch für den Typus eines depressiven Charakters herhalten. Der Mann ist Mitte dreißig, gutaussehend, blitzgescheit und hat mit dem Abschluss „summa cum laude“ in forensischer Psychologie promoviert. Dass er keinem Broterwerb nachgeht, lässt sich noch nachvollziehen. Schließlich stärkt ihm ein zehnstelliger Eurobetrag den Rücken. Aber Pieroth reist nicht, ihn interessieren keine erlesenen Weine, keine noblen Restaurants, und auf Amouren zielt er auch nicht ab. Der Mann verlässt seine abgeschottete Villa im Franzosenviertel so gut wie nie. Das einzige Pläsier, mit dem er seine Tage füllt: „Ich beschäftige mich mit dem perfekten Verbrechen.“ Deshalb passt es glänzend, dass sein alter Kumpel Frank Sommer auftaucht, der ihm vorschlägt, „Du könntest eine Detektei aufmachen. Dann hätten deine Anstrengungen auch einen Sinn.“

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Pieroths erster Fall ist gleich ein Knüller. Es bleibt nicht bei dem Mord an einem Mädchen. Eine 19-jährige angehende Theologiestudentin, die niemals Drogen nahm, aber dennoch durch eine Überdosis Amphetamin an Herzversagen starb. Offensichtlich scheint sich ein Serienkiller auf Mühlheim zu konzentrieren.

Jochim wendet in „Tod im Kreis“ ein Prinzip von Agatha Christie an: Der pfiffigen Miss Marple steht ein Kommissar gegenüber, der arg unbeholfen ermittelt. Ähnlich verhält sich der Beamte Schumann bei Jochim. Der ignoriert den Inhalt des Zettels, den die Tote in den Händen hält. Der Hauptkommissar kommt nicht auf die Idee, „Der Eingang bin ich zu der Stadt der Schmerzen, der Eingang bin ich zu den ew’gen Qualen, der Eingang bin ich zum verlornen Volke“, in eine Suchmaschine einzugeben.

Pieroth zumindest hätte ihm nach dem nächsten Mord an einem adipösen Mann, der kopfüber in der Rodau liegt, nicht erklären müssen, dass folgendes Zitat Dantes göttlicher Komödie entnommen ist. „Unreines Wasser, Schnee und schwerer Hagel ergießt sich durch der Lüfte Finsternisse, und Stank entsteigt der Erde, die es aufnimmt.“ Der Mörder agiert nach einem System, das der Detektiv zum Finale entschlüsselt. Mehr darf aber natürlich noch nicht verraten werden.

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