Naheliegende Lösung

Lämmerspiel schließt Lücke bei Schulkindbetreuung

+
Auf dem Luftbild aus der Zeit des Umbaus ist die direkte Nachbarschaft des Alten Rathauses mit der Brüder-Grimm-Schule gut zu erkennen. Dazwischen liegt nur ein schmaler Weg.

Mühlheim - Geografisch wie konzeptionell naheliegende Lösung für Lämmerspiels Lücke bei der Schulkindbetreuung – und doch eine überraschende: Die Stadt mietet im Alten Rathaus des Stadtteils eine Wohnung an. Von Marcus Reinsch 

Der Förderverein der direkt dahinter liegenden Brüder-Grimm-Grundschule erweitert im Herbst auf den 180 Quadratmetern seine Betreuung um 30 Plätze. Ein Riesensprung für die Schulkindbetreuung in Lämmerspiel: In der Aufholjagd um genug Plätze schließt der Förderverein der Brüder-Grimm-Grundschule zum tatsächlichen Bedarf auf. Möglich wird’s, weil die Stadt im 2010 an den Lämmerspieler Bauunternehmer Peter Helmle verkauften Alten Rathaus eine 180-Quadratmeter-Wohnung für zunächst zehn Jahre mietet. Ein Befreiungsschlag, der 30 zusätzliche Plätze schafft. Kosten, die über die Elternbeiträge hinausgehen, übernimmt die Stadt auch für drei zusätzliche Erzieherinnen. Spätestens nach den Herbstferien soll der Betrieb starten.

Aus den Steinen, die den Akteuren der Erweiterung gestern von den Herzen fallen, könnte Helmle noch ein Gebäude hochziehen. Mühlheims Erste Stadträtin und Sozialdezernentin Gudrun Monat grinst wie ein Honigkuchenpferd. Carsten Lühr, Vorstand des Schulförderer, kann in EM-Zeiten nicht ohne Fußball: „Eine perfekte Flanke, wir müssen nur noch den Fuß hinhalten und das Tor machen.“ Und Anja Waldschmidt sagt: „Ich wage mich endlich zu freuen.“ In den letzten Jahren hatten die Brüder-Grimm-Schulleiterin und der für die Schulkindbetreuung verantwortliche Förderverein nicht richtig viel Grund zur Freude. Die Betreuungskapazität in Lämmerspiel konnte mit den rasant wachsenden Anmeldungen nicht mithalten. Der Platz in der „Villa Brüder Grimm“, wo bisher 125 der 254 Schüler zwischen 7 und 17 Uhr auch vor und nach dem Unterricht betreut werden, reichte nicht für mehr.

Das Alte Rathaus, hier mit den aktuellen Beteiligten der „Mission Erweiterung“, diente ganz früher als Schule und sogar schon einmal als Betreuungsplatz für Kinder. Und es war Mühleims Verwaltungs- und Büchereidependance im Stadtteil. Heute gibt es hier Wohnungen.

Zuletzt wurde die Ganztagsschiene der Schule erweitert. Doch „bereits zu Beginn des Schuljahrs 2015/16 war ein Betreuungsangebot für 20 Kinder, die einen Platz benötigt hätten, nicht mehr möglich“, fasst Monat zusammen. Das habe für die betroffenen Familien natürlich zu großen Problemen geführt. Eltern, die für ihren Nachwuchs keinen Platz mehr bekamen, waren „erbost“ (Monat). Also forschten Schulleitung, Förderverein, der städtische Fachbereich Soziales und Eltern nach Zusatzquartieren. Über die teils abenteuerlichen Vorschläge könnte man einen Gruselroman schreiben. Aber keinen mit Happy End. Das ergab sich „zu Sonderkonditionen“ (Monat) erst, als Helmle sein Altes Rathaus ins Spiel brachte. Ein mehr als 100 Jahre altes Gebäude, das der Bauunternehmer nach der Aufgabe der Lämmerspieler Verwaltungs- und Büchereidependance unbedingt in Wohnungen umwandeln wollte.

Eine davon, im von der Bischof-Ketteler-Straße gesehen rechten Flügel des mit kleinen Zinnen dekorierten gelben Gebäudes, ist noch frei. Helmle baut die zwei Etagen gerade nach Stadtvorgaben um: Unten Kinderklo, oben Personaltoilette und Teeküche, dazu ein ganz großer Funktionsraum im Erdgeschoss und drei normale oben. Seitlich wird es eine Brandschutztreppe geben, weil eine Schulkindbetreuung zwar unkomplizierter ist als der klassische Hort, aber eben doch einigen Vorgaben gehorchen muss. Auf dem Weg ins Alte Rathaus werden die Kinder keine Straße überqueren müssen; Helmle baut für sie einen eigenen Eingang, der direkt auf dem Schulhof führt. Nicht nur aus Sicherheitsgründen praktisch, sondern weil auch die Kinder des Alten Rathauses zum Essen in die Schule gehen werden. Momentan sind es 115.

Kinder sicheren Umgang mit Feuer üben lassen

Mit der Erweiterung, rechnet Waldschmidt vor, werden zwei Drittel der Grimm-Schüler mit einem Platz versorgt sein. Das reicht für die Gegenwart und vielleicht auch noch für die nähere Zukunft. Je nachdem, wie sich der Bedarf entwickelt. Dass das Bedürfnis nach Betreuung steigt, muss Monat nicht erst aus den städtischen Zahlen lesen. Sie war in Lämmerspiel selbst mal Fördervereinsmacherin, und seither habe es eine immense Steigerung gegeben. Erstmal aber reicht’s. Schon damit hatte Lämmerspiel kaum so schnell rechnen dürfen. Ein Neubau beispielsweise dauere mit Planung leicht drei Jahre, gibt Brigitte Makko, die Mühlheimer Fachbereichsleiterin für Jugend und Soziales, zu bedenken. Die Freude über „die optimale“ (Monat) Erweiterung ist also groß und echt. Carsten Lühr und Kerstin Hoffmann-Wagner, die andere Vorsitzende des Fördervereins, verbeugen sich da auch vor ihren Vorgängerinnen Tanja Muthig und Gabriele Wengler. Die hatten das Erweiterungsprojekt mit den anderen Beteiligten angestoßen.

Peter Helmle ist gedanklich schon einen Schritt weiter. Versprechen mag es ihm gestern zwar niemand. Aber vielleicht wird ja was aus seiner Idee, das Alte Rathaus außerhalb der Betreuungszeiten ab und zu als eine Art Heimatmuseum zu öffnen. Zu erzählen gäbe es durchaus Interessantes: Beim Umbau hat er einen Entwicklungsplan gefunden, der die meisten Grundrisse Lämmerspieler Gebäude um das Jahr 1900 zeigt. Das Rathaus sollte demzufolge eigentlich ganz woanders hin. Und sogar die St. Lucia-Kirche steht an einer anderen Ecke.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Kommentare