Eröffnung

Lämmerspieler Straßenkerb: Was hinhaut und was nicht

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Wäre auch politisch nicht grundsätzlich unlogisch, dass Vertreter von Koalition und Opposition an einem Strang ziehen, ist hier aber eher einer weichen Aufgabe geschuldet: dem Hochziehen des Kerbkranzes am Kerbbaum. In diesem Fall klappte der Aufstieg reibungslos.

Mühlheim - Die Lämmerspieler Kerb ist eröffnet. Die Kirchkurve lockt noch bis zum morgigen Dienstag mit allem, was die Tradition hergibt. Kurz: Spaß.

Politisch betrachtet, würden sich solche Feststellungen über Daniel Tybussek natürlich verbieten. Vor allem, weil sich der Mann gerade um eine zweite Amtszeit bemüht. Was die Lämmerspieler Kerb betrifft, darf’s allerdings ganz locker über die Lippen gehen: Der Bürgermeister ist unschuldig! Tybussek, als Rathauschef durchaus auch in der Holzhammer-Methode geschult, halfen bei der Eröffnung der Sause nicht Kraft und nicht Geschick, kein gezielter Schlag und auch nicht das hochprozentige Zielwasser von Sitzungspräsident Alex Franz. Der große Bieranstich misslang, auf die Kerb musste diesmal mit Bier von der Feuerwehr angestoßen werden. Dabei begann alles so friedlich: Schon am Nachmittag konzentrierten sich Kinder auf das Abheben und Steuern von Flugzeugen und Einsatzfahrzeugen im Kinderkarussell, verklebten sich mit Zuckerwatte, standen fürs Angeln an. Nicht Enten wurden aus der Wanne gehoben, Delfine grinsten aus dem Becken. Pärchen drückten sich um die Lebkuchenherzen mit eindeutigen Botschaften, Jungs gingen auf Löwenjagd – im Schießstand.

Da kann er hauen, wie es ihm beliebt, der Bürgermeister – das Bierfässchen will nicht, wie die Kerbmacher wollen.

Auch das Aufziehen des Kerb-Kranzes funktionierte reibungslos. Für ausgewogene Kräfte an den Seilen sorgte Alfons Ott von den Kerbmachern. Er gewann Karlheinz Schmunck von der SPD, Marius Schwabe von der CDU, Dr. Jürgen Ries von den „Bürgern für Mühlheim“ und den Bündnisgrünen Bernhard Feig, die ihre Sache zur Zufriedenheit der Kerbbesucher ausführten: Nach wenigen Momenten schwebte das Grün auf halber Höhe des Stammes. Dann ertönte schneidige Marschmusik aus den Boxen, bald bogen die Gelbröcke durch das Portal vorm Pfarrheim, das schicksalsträchtige Fässchen auf einer Trage. Aber es sollte nicht sein. Tybussek erklärte, warum der Anschlag einfach nicht funktionieren wollte: Hahn und Loch passten nicht zusammen! Was soll’s, es wäre nicht Lämmerspiel, wenn nicht reichlich Alternativen bereitstünden.

So überzeugten die Karnevalisten vom LCV mit langsam gegarten Burgern und Baguettes. Die Sportler der TSV kochten Pellkartoffeln zu Hausmacher Wurst und Äppler, die kirchlichen Vereine ergänzten die Speisekarte um die Klassiker, Feuerwehr und HFC Alkohol steuerten Bier und Brezel bei, und die Turngemeinde führte traditionell den Weinstand. Neben den kulinarischen Spezialitäten lockten freilich auch die unterhaltsamen. Erstmals maßen sich Vertreter der Vereine im Maßkrug-Stemmen. Nach dem Vorbild der maskulinen Disziplin in bajuwarischen Festzelten schwoll der Bizeps der „Russen“ um die Wette an. Wer lieber auf sein Glück setzte, wandte sich an die Herrschaften in den signalroten Warnwesten. Die verkauften Lose, die auf ein Wochenende im Dreier-BMW oder im A3-Cabrio hoffen ließen, auf Bierfässer, Weinflaschen, Dekoratives und Gutscheine der Lämmerspieler Gastronomie, für Sonnenstudio und Frisör.

Kerb 2016 in Lämmerspiel: Fotos

Die Fahrgeschäfte sind heute zwar geöffnet, Kaffee und Kuchen gibt’s auch. Doch die Bevölkerung trifft sich am Abend in den Kneipen, erinnerte Ex-Prinz Georg „Schorsch“ Fischer. Morgen ab 12 Uhr servieren die Kerbmacher dann Erbsensuppe mit Leiterchen, Würstchen und Pommes, Pellkartoffel und Hausmacher, Hering und am Abend auch Haxe auf dem von Dekan Willi Gerd Kost gesegneten Kerbplatz. M.

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