21 Monate Haft auf Bewährung

Mühlheimer bewahrt Pumpgun hinter dem Kühlschrank auf

Mühlheim - Das Offenbacher Schöffengericht hat einen Mühlheimer zu 21 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er hatte eine im Volksmund eher als Pumpgun bekannte Vorderschaftrepetierflinte und eine Pistole in seiner Wohnung. Von Stefan Mangold 

Eine Pumpgun kennt der Normalbürger in der Regel nur aus Genrefilmen. Einer taucht in einer Gesellschaft damit auf und lässt es krachen. Im echten Leben streitet der Mühlheimer, der wegen des Besitzes einer solchen Waffe vor dem Schöffengericht angeklagt ist, über seinen Anwalt Claudius von Oheimb den Besitz nicht ab, will sich aber nicht weiter zum Thema äußern. Die Geschichte kam zufällig raus. Jemand hatte den Angeklagten in Verdacht, seine Kaffeemaschine gestohlen zu haben. Die Polizei schaute im September 2015 unangemeldet beim Verdächtigen vorbei und fand das Gerät – nicht irgendein billiges, um im Büro matten Filterkaffee durchlaufen zu lassen, sondern ein Teil im Wert von 10.000 Euro. Weil es sich um ein solch teures Stück handelte, hatte die Polizei gleich einen Sachverständigen dabei. Der vermisste den dazu gehörigen Kaffeewärmer, weshalb die Suche weiter lief.

Hinter dem Kühlschrank fand sich die besagte Pumpgun, geladen mit fünf Schrotpatronen. Man hätte nur einen kleinen Sicherheitshebel zur Seite schieben müssen, schon wäre die Waffe schussbereit gewesen, sagt der Sachverständige aus. In einem fast ähnlichen Zustand hätte sich die Pistole befunden, mit fünf Patronen im Magazin. Vor dem Schuss hätte ein Nutzer durchladen müssen. Das Verfahren um die Kaffeemaschine wurde im Vorfeld wegen der geringeren strafrechtlichen Relevanz gegenüber den Schusswaffen eingestellt.

Richter Manfred Beck bringt einen weiteren Fund in der Wohnung ins Spiel: die Kutte eines prominenten Motorradclubs, dessen Mitglieder nicht gerade im Ruf stehen, die bürgerlichen Gesetze immer penibel zu befolgen. Der kunstvoll tätowierte 43-Jährige wirkt zudem kaum wie der Teilnehmer eines Männerstrickkurses. Richter Beck fragt also, ob insbesondere die gebrauchsfertige Pumpgun dazu diente, im Fall des Überraschungsbesuchs einer rivalisierenden Gruppe für einen Konflikt gefeit zu sein. Der Angeklagte verneint. Die Pumpgun sei hinter dem Kühlschrank verstaubt, die Kutte lediglich eine Reminiszenz an vergangene Zeiten: „An der fehlen doch die Abzeichen.“ Beck liest die Vorstrafen: Es finden sich Delikte wie Nötigung und Autofahren ohne Haftpflichtversicherung. Das höchste, was der Mann bisher bekam, waren vier Monate auf Bewährung. Heute erscheint er in Handschellen. Den ersten Gerichtstermin hatte er sausen lassen, die Woche vor dem zweiten verbrachte er schon in Haft.

Der Oberstaatsanwalt fordert 21 Monate Haft: auf Bewährung, weil er schon lange keine Gefängnisstrafe bekam und die Nötigung schon Jahre zurück liegt. Allerdings müsse es ein Urteil sein, das klar stelle, „dass wir hier keine amerikanischen Verhältnisse dulden können“. Und erst recht keine bewaffnet ausgetragenen Konflikte zwischen verfeindeten Rockerclubs. Anwalt von Oheimb plädiert auf Freispruch. Der Durchsuchungsbefehl habe sich auf die Kaffeemaschine beschränkt. Die sei gefunden worden. Weiter nach einem ominösen Kaffeewärmer zu fahnden, sei durch den richterlichen Beschluss nicht gedeckt gewesen. Durch illegale Methoden seien die Waffen gefunden worden.

In der Urteilsbegründung legt Richter Beck dar, es spiele keine Rolle, auf welche Art die Polizei die Waffen fand: „Sie haben zugegeben, dass sie Ihnen gehören.“ Ein Verwertungsverbot greife hier nicht. Beck spricht neben einer Geldstrafe von 1000 Euro die 21 Monate Haft für vier Jahre auf Bewährung aus: „Wenn der Oberstaatsanwalt eine positive Sozialprognose sieht, dann wollen wir uns dem nicht verschließen.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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