Eine der erfolgreichsten Reihen Mühlheims

St. Markus-Hofsommer ist 25 Jahre alt

So ist der Hofsommer geliebt: Funzel-Atmosphäre unter der Weide vorm Gemeindezentrum.

Mühlheim - Vor 25 Jahren baute die Pfarrgemeinde St. Markus ihren Hof vor dem Gemeindezentrum neu. Weil es unter der Weide, wo früher die Hühner des Pfarrers pickten, so gemütlich wirkte, überlegten die Katholiken, was sich alles draus machen lässt. Der Hofsommer war geboren. Die Reihe feiert ihr Silberjubiläum. Von Stefan Mangold 

Zu jenen, die einst Pate standen für den Hofsommer der Altstadt-Pfarrgemeinde St. Markus, gehört Edith Petri. Zur Premiere standen gerade mal zwei Tische, ein paar Stühle und das Gemeindeklavier vorm Gemeindezentrum. An dem improvisierten Gatte Wolfgang und Tochter Barbara vierhändig. Schon am Mittwoch drauf reichten zwei Tische nicht mehr fürs Publikum. Und durch den Verkauf von Essen und Trinken war bald genug zusammen, um eine Festgarnitur anzuschaffen. Das ist ein Vierteljahrhundert her. Der Hofsommer, eine der erfolgreichsten Veranstaltungsreihen in Mühlheim, feiert Silbernes mit Akteuren von Damals und von Heute.

Seit ein paar Jahren agiert Claudia Oberbeck als federführende Kraft. Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende erzählt Erfolgsgeschichten. Auch die vom Duo Ohrenschmaus, einst schlicht Hemo und Spahni. Die singenden Apologeten mühlheimerisch-hessischer Erkenntnistheorie („Äppelwoi-Cola is wie Urlaub in Offebach“) feiern ebenfalls 25-Jahre-Bühnenjubiläum. Die Kongruenz ist kein Zufall, „hier im Hof traten die zum ersten Mal unter dem Namen auf“.

Oberbeck deutet auch auf Quer-Beet, die Theatergruppe von St. Markus, die der Mühlheimer Barde Rudi Eitel mit aus der Taufe hob. Im Laufe der Jahre glänzte die Truppe mit Aufführungen von Molières „Der eingebildete Kranke“ auf Hessisch oder mit Episoden von „Die Hesselbachs“. Zum Hofsommer-Dankesfest trägt Eitel ein Gedicht vom Auftritt 1992 vor. Man schmeißt ja nichts weg. Außerdem spielen heute die Freigerichter Alphornisten vor, auch nicht zum ersten Mal. Es ist alles andere als leicht, auf dem Naturton-Instrument präzise die Töne zu treffen. Aber das Quintett schafft das auf erstaunlich hohem Niveau.

Die Gage wandert nicht ins Portemonnaie, sondern als „Vergelt’s Gott“ in die Seele und gerne auch in den Magen. Die Künstler bekommen reichlich zu essen und trinken. Plus auf den Heimweg eine von der Kalligrafin Ulrike Brehm gestaltete Hofsommer-Kerze. Zum Jubiläum sind auch welche für die Helfer da. Mit zählbarem Lohn wäre die Geschichte sowieso nicht zu stemmen. So ein Hofsommer ist wie ein kleines Pfarrfest. Nur eben nicht einmal im Jahr, sondern zehnmal, und durchaus auch mit Besuchern, die mit Kirche sonst nichts am Hut haben. Der Pfarrei gilt diese Konstellation auch als Kontaktbörse.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Mühlheim

Die Reihe war ursprünglich für jene ins Leben gerufen worden, die in den Sommerferien zu Hause bleiben. Mit der Zeit relativierte sich das, weil es nicht immer ganz einfach fiel, in der Reisezeit Künstler und Helfer zu finden. Bei Organisation, Abbau, Aufbau, Küche und Getränkeausschank wechseln sich die Gruppen der Gemeinde ab. Und wenn es regnet, was dieses Jahr erstmals an keinem Mittwoch der Fall war, verlagert sich alles ins Gemeindezentrum. Aber das will keiner!

Der Plan der Organisatoren steht schon lange im Voraus fest. In der Regel entstehen die Kontakte durchs private Umfeld, wie etwa zu den Alphornbläsern. Der rührt von der Geburtstagsfeier einer Freundin Oberbecks. Dort lernte die Mühlheimerin die Musiker kennen. Eines der Bilder, die zum Silbernen aushängen, zeugt vom Auftritt der Schauspielerin Nicole Kun und Marcello Celona, ihrem Mann. Der Pianist ist Mitglied der Gemeinde. Und auch die Politik spielte hier schon auf. Auf einem Foto aus den 90er Jahren bläst der CDU-Mann Dr. Manfred Sondergeld als Mitglied eines Ensembles das Saxophon.

Edith Petri, die in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag feiert, muss heute dringend früher heim, noch ehe Heide Gensheimer ein orientalisches Märchen und das Trio Simpático spanisches Liedgut vorträgt. Aber Petri ist Fan von Borussia Mönchengladbach. Die spielen gleich. Am Ende geht alles gut aus.

Kommentare