Versorgungsglück mit Ansage

Markwald: Nachfolger für Bonus gefunden

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Der Bonus im „Markt im Markwald“ hat zugemacht, Nachfolger sollen im Herbst antreten.

Mühlheim - Der Bonus, in der Markwald-Siedlung seit Jahren der einzige Lebensmittelmarkt mit breitem Sortiment, ist weg. Er kam nicht auf seine Kosten, machte Anfang der Woche seine Türen dicht. Damit haben nicht mobile Bewohner erstmal ein Versorgungsproblem. Von Marcus Reinsch 

Bis zum Herbst. Dann will im Komplex an der Ulmenstraße ein anderer Markt öffnen. Lücke mit Ansage: Der Bonus-Markt, bisher Markwalds einziger richtiger Lebensmittler mit Standort im kleinen Einkaufskomplex an der Ulmenstraße, hat sich aus der Stadt verabschiedet. Die Kündigung seines Mietvertrags schickte er nach einigem Hin und Her im März an die städtische Immobilientochter Wohnbau als Eigentümerin des Gebäudes (wir berichteten), die Türen sind seit Anfang dieser Woche zu. Damit wird die Versorgung von Markwäldern, die kein Auto haben, erstmal komplizierter. Busfahren mit schweren Tüten ist eine Strafe. Als Trost können sie sich an der Aussicht festhalten, dass voraussichtlich im Frühherbst ein anderer Lebensmittelmarkt an gleicher Stelle öffnet. Bis dahin sollen dort Umbau und Renovierung gestemmt sein, informierte gestern Wohnbau-Geschäftsführer Ingo Kison.

Sich und ihr Konzept vorzustellen, will die Wohnbau den künftigen Betreibern selbst überlassen. Bei dem „kompetenten Anbieter für Lebensmittel“, den die Wohnbau-Mitteilung ankündigt, handelt es sich dem Vernehmen nach nicht um die Filiale eines der Platzhirsche wie Rewe, Aldi oder Lidl. Das Interesse dieser Marktmacht-Giganten fängt erst bei einem Vielfachen der rund 500 Quadratmeter Verkaufsfläche an, die an der Ulmenstraße zur Verfügung stehen. Kison spricht gestern auf Anfrage von zwei jungen Geschäftsleuten aus Hanau, die schon Erfahrung im Einzelhandel haben und nun ihr eigenes Unternehmen mit Sitz in Mühlheim an den Start bringen. Das Repertoire der Waren soll international ausgerichtet sein, sprich: In den Regalen werden auch Produkte zu finden sein, die übliche Supermarktketten nicht haben. Dazu Milchprodukte, Konserven, Tiefkühlkost, Getränke, eben der tägliche Bedarf.

Vor allem aber soll der Schwerpunkt auf frischen Produkten liegen – Obst, Fleisch, Gemüse, Fisch. Dafür wird nun eine zweite Kühlkammer installiert. Ein Vorteil, denn eine Fleischtheke zum Beispiel hatten viele Kunden bisher vermisst. Die Wohnbau, sagt Kison, habe sich auf der Suche nach einem Bonus-Nachmieter „in den letzten Wochen und Monaten mit verschiedenen Anbietern und deren Konzepten befasst und dabei versucht, die Bedürfnisse der Markwälder im Blick zu haben.“ Nun sei der Mietvertrag unterschrieben. Bürgermeister Daniel Tybussek, Aufsichtsratschef der Stadttochter, findet’s vielversprechend. Die Wohnbau habe sich intensiv bemüht und die Nachfolge „fast übergangslos“ geregelt. Es liege nun „auch an den Markwäldern selbst, diesen neuen Markt erfolgreich zu gestalten“.

Tschüss Tüte und To-go-Becher: Umweltfreundliche Verpackung

Das ist durchaus auch als diplomatisch formulierte Mahnung zu verstehen, nicht nach Nahversorgung zu rufen und dann sein Geld trotz des Marktes vor der Tür zum Discounter zu tragen. Denn die Bonus gGmbH hat den auch mit einem vom Wechsel nicht betroffenen Café und einem Kiosk samt Post-Shop ausgestatteten Standort bekanntlich nicht aufgegeben, weil die Kunden Schlange standen. Der Vertriebsleiter der gemeinnützigen Gesellschaft hatte die Entscheidung für den Weggang im Frühjahr mit einer „strategischen Entscheidung“ begründet. Das Unternehmen, sagte er, müsse trotz seines Auftrags, Langzeitarbeitslose mit ihrer Beschäftigung wieder für den sogenannten ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren, betriebswirtschaftlichen Zahlen gehorchen. Und die wiesen für den Standort Markwald nunmal ein Defizit aus.

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