Missio-Truck in Mühlheim

Wahrheit auf Rädern

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Zwei Tage in Mühlheim: der „Missio-Truck“.

Mühlheim - Die Mühlheimer sehnen sich nicht gerade nach dicken Lastwagen. Ihre Straßen sind verstopft genug. Im Fall des „Missio-Trucks“ darf es aber mal eine Ausnahme sein. Von Marcus Reinsch 

Der riesige Multimedia-Laster des Bistums Mainz liefert, was auch eine tolerante Gesellschaft noch gut gebrauchen kann: tieferes Verständnis für Flüchtlinge. Die Lackierung des Lasters, mit dem Dr. Annette Wiesheu unterwegs ist, ist nicht gerade typisch für ein Ungetüm der Autobahn. „Menschen auf der Flucht“ steht drauf. Sowas sticht bei aller mit der Gefahr Gleichgültigkeit verbundenen Gewöhnung der Deutschen an das Thema Flüchtlinge noch ins Auge. So viel Neugier, wie sie hinter den Fenstern vorbeirauschender Autos entdeckt, wünscht sich Wiesheu - in der Diözese Mainz Ansprechpartnerin für die Aktion des Hilfs- und Bildungswerk Missio - auch für den 16. und 17. Mai. Dann steht auf Einladung von Pfarrgruppe Mühlheim, Freundeskreis Flüchtlinge und Stadt der „Missio-Truck“ in Mühlheim.

Der Lastwagen - grüner Kopf, weißer Leib, mehr als 16 Meter lang, vier Meter breit, 18 Tonnen schwer - ist vollgestopft mit Multimedia-Technik. Er ist eine rollende Galerie. Nur, dass da nicht Bilder an den Wänden hängen, sondern Wahrheiten und Bildschirme. Jeder einzelne zeigt am Beispiel von Bürgerkriegsflüchtlingen im Ostkongo die Härten eines Lebens auf dem afrikanischen Kontinent. Wer sich auf den Truck einlässt, wird es nur als Unbelehrbarer noch leicht haben, neidisch zu sein auf Flüchtlinge und ihnen wider besseres Wissen nur finanzielle Motive statt die nackte Angst ums Überleben zu unterstellen.

Und das, obwohl das Ausstellungskonzept schon 2012 umgesetzt wurde, mit seiner Konzentration auf einen anderen Kontinent die seit letztem Jahr über Europa fließende Flüchtlingswelle also noch nicht erfasst.

Hier kommt der Mühlheimer Freundeskreis Flüchtlinge als verknüpfendes Element ins Spiel. Neben dem von pädagogischen Mitarbeitern begleiteten Lastwagen auf dem Platz am Hallenbad (Ringstraße) wirft er sein Licht auf die Situation der mittlerweile rund 400 Ankömmlinge vor Ort. Zu erzählen gibt es genug. Schon weil sich Neuerungen für die Ehrenamtlichen längst schneller ergeben, als sie in die Öffentlichkeit getragen werden können. Bernd Klotz, Vorsitzender des Freundeskreises, spricht vom Versuch, „Menschen mit einem ganz praktischen Engagement zu verbinden“. Und vom neuen Arbeitskreis Flüchtlingsseelsorge, der sich um von ihren Erlebnissen traumatisierte Menschen kümmert.

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

Mit Informationsständen vor Ort sein werden am ersten Tag auch Thorsten Ehmann mit seinem Hilfsprojekt und die Fairer-Handel-Gruppe der Pfarrgruppe. Weil neben dem Krieg natürlich auch vom Renditerennen westlicher Konzerne ausgelöste wirtschaftliche Not der Arbeiter in Erzminen und auf Kaffeeplantagen ein mehr als richtiger Grund für Flucht ist.

Geöffnet hat der Truck an diesem Montag von 11 bis 17 Uhr. Und ab 18 Uhr lädt die Pfarrgruppe zum „Fest der Nationen“ auf den Markusplatz (Pfarrgasse) ein. Er beginnt mit einem Freiluft-Gottesdienst, der in ein kostenloses Mitbring-Buffet übergeht. Mit kulunarisch-kultureller Vielfalt kann es jeder bestücken, der will.

Dienstag, der zweite Mühl-heimer Truck-Tag, ist für ein halbes Dutzend Gruppen aus den Friedrich-Ebert-Schulen reserviert. Ihnen wird ein pädagogischer Begleiter zur Seite gestellt. Für Kinder unter 14 Jahren ist der Truck nicht geeignet. Er vermittelt echte Inhalte und keine weichgespülten.

Missio-Truck: Montag, 16. Mai, 11 (Eröffnung) bis 17 Uhr. Rahmenprogramm vom Freundeskreis Flüchtlinge, Thorsten Ehmann, Fairer-Handel-Gruppe. 18 Uhr Open-Air-Gottesdienst und Mitbringbuffet beim Fest der Nationen auf dem Markusplatz (Pfarrgasse).

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