Elternlotsinnen helfen Neubürgern

Mittler und Brückenbauer

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Sei es bei Sprachschwierigkeiten oder bei Tipps zu Behörden: Bei den Elternlotsinnen sind Neubürger gut aufgehoben. Für ihr Engagement gab es jetzt Lob von Bürgermeister Daniel Tybussek (links) und Erster Kreisbeigeordneter Claudia Jäger (rechts).

Mühlheim - Dass Mühlheim von der Ersten Kreisbeigeordneten Claudia Jäger als Vorzeigekommune gelobt wird, ist den Elternlotsinnen zu verdanken. Dafür, dass sie bei der Integration von Neubürgern in der Mühlenstadt helfen, erhielten sie nun eine Auszeichnung. Von Michael Prochnow 

Persisch, Urdu, Serbisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Arabisch - in 20 verschiedene Sprachen tragen die 19 Mütter aus 17 Nationen die Geschichte vom Käfer Otto vor, der ein verlassenenes Ei zu seinen Eltern bringen möchte. Verlassen muss sich in der Mühlenstadt keiner fühlen, schon gar nicht Mütter und Väter mit Kindern - woher auch immer sie kommen. Die Elternlotsinnen sind in der Lage, in allen erdenklichen Sprachen Migranten und Neubürger durch den Dschungel an Einrichtungen zu führen, die Kniffe vom Kindergarten bis zu den Regeln im Rathaus zu vermitteln.

211 Lotsinnen wurden in den vergangenen Jahren in fünf Kommunen ausgebildet – die meisten in Mühlheim. Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger und Bürgermeister Daniel Tybussek überreichten den Mitgliedern der jüngsten Gruppe im kleinen Sitzungssaal nun ein Zertifikat, das ihre Fähigkeiten ausweist. In einer sechsmonatigen Qualifikation beschäftigten sich die Migrantinnen mit den Themen Bildung, Ernährung, Mehrsprachigkeit, Sicherheit im Straßenverkehr und Medienerziehung.

Weitere Schwerpunkte dieses Kursprogramms waren das Bildungssystem und ein Kinder-Notfalltraining. Mitarbeiter mehrerer Schulen, städtische und kirchliche Kitas sowie Vereine trugen die Aktion mit. Tybussek bedankte sich bei den Vertretern der Kitas Markwald, Rathäuschen und St. Sebastian, von der Geschwister-Scholl- und der Markwaldschule sowie von der Stadtbücherei und aus dem Familienzentrum Frau-Mutter-Kind.

Die Elternlotsinnen seien Mittler und Brückenbauer zwischen den Kulturen und würden Barrieren abbauen, so Jäger. „Ihre interkulturellen Kompetenzen und Sprachkenntnisse machen sie zu wertvollen Akteuren im Netzwerk Integrationsarbeit“, lobte der Gast. Mühlheim sei da eine „Vorzeigekommune“. Tybussek dankte für die Unterstützung durch den Kreis und sieht die investierten Mittel als „gut angelegtes Geld“. Ziel der „Basisqualifikation für bürgerschaftliches Engagement“ sei es, „die gesellschaftliche und politische Teilhabe von Zugewanderten zu fördern, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen interkulturell weiter zu öffnen“. Der Rathauschef möchte die Migranten für die Vereine und fürs Ehrenamt gewinnen.

Die Frauen aus Eritrea, Sri Lanka, Serbien, Indien, der Dominikanischen Republik, Rumänien und weiteren Länder trafen sich von Januar bis September wöchentlich an einer anderen Adresse und erhielten Informationen darüber, „wie die Stadt tickt“. Nina aus der Ukraine lebt mit ihrem Mann bereits seit elf Jahren in Mühlheim und hat schon an mehreren Kursen für Elternlotsinnen teilgenommen. „Das bringt mehr als Kindererziehung allein“, argumentierte sie. „Du wirst offener, machst neue Bekanntschaften“, warb sie für das Konzept, „und da kannst anderen neuen Leuten helfen“.

Die Teilnehmerinnen bedankten sich mit Blumen sehr herzlich bei den Organisatorinnen, Melanie Schlicht, Frauenbeauftragter Eva Scholz und Isabella Doktor vom Integrationsbüro. Wie sich die Damen mit den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen ins Leben der Stadt einbringen können, demonstrieren in diesen Tagen bereits zwei der Absolventinnen: Sie veranstalteten einen Schnupperkurs zum Erlernen der spanischen Sprache und einen Workshop für indischen Tanz.

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