Bundesnetzagentur lässt die Proteste abblitzen

Mobilfunkmast Bahnhofstraße: Sackgasse Widerspruch 

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Wenige Wochen nach dem ersten Mast: Ein Kran bereitet am Brückenmühlparkplatz den Standort für die zweite Riesenantenne vor.

Mühlheim - Die Hoffnung war sehr groß. Und jetzt ist es die Enttäuschung: Die Bundesnetzagentur hat die Widersprüche Dutzender Mühlheimer gegen den Mobilfunkmast auf der Bahnhofstraße 59 abgelehnt. Von Marcus Reinsch 

Damit besteht für sie kaum noch Hoffnung, dass der Mast wieder abgebaut werden muss. Der Weg, von dem sich der Mühlheimer Widerstand gegen den riesigen Mobilfunkmast in der Bahnhofstraße seine größte Erfolgschance erhofft hatte, scheint eine Sackgasse. Die Bundesnetzagentur hat die 80 schriftlichen Widersprüche, die die Akteure in den vergangenen Wochen nach stundenlangem Klinkenputzen in der Kernstadt per Einschreiben an die Behörde geschickt hatten, zurückgewiesen. Begründet hatten Hans Pollrich und andere ihren Widerspruch mit der Befürchtung, dass die Mobilfunkanlage ihr Umfeld erheblichen gesundheitlichen Gefahren aussetze. Und das auch noch in der Nähe einer Kindertagesstätte und einer Schule. Doch das zog als Argument nicht bei der Behörde, die dem Mobilfunkbetreiber Vodafone am 24. September vergangenen Jahres mit der Standortbescheinigung die Anlage auf dem Flachdach des Wohngebäudes erlaubt hatte.

Sie verweist in ihrer Ablehnung auf die „Verordnung über das Nachweisverfahren zur Begrenzung elektromagnetischer Felder (BEMFV)“. Die regelt, wie viel Sicherheitsabstand so ein Mast zu Menschen haben muss, damit seine elektromagnetischen Felder als harmlos gelten. In diesem Fall sind das „13,6 Meter in Hauptstrahlrichtung und 3,13 Meter in vertikaler Richtung“.

Diese Distanzen halte der Mühlheimer Mast ein, „es konnten keine Fehler festgestellt werden“. Dabei spiele es auch keine Rolle, ob sich die Sendeanlage in einem Wohngebiet oder in der Nähe einer Kindertagesstätte oder einer Schule befindet. Aus Pollrichs Worten spricht pure Enttäuschung: „Scheinbar zählen die Befürchtungen irgendwelcher Anwohner gar nichts und scheinbar gewinnen in Deutschland immer die großen, mächtigen Mobilfunkbetreiber“, sagt er. Nun bleibe den Anwohnern zwar noch der Widerspruch gegen die Entscheidung der Bundesnetzagentur vorm Darmstädter Verwaltungsgericht. Doch „wir haben kaum den Hauch einer Chance…“

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Der Mobilfunkmast hatte sofort nach seinem Auftauchen vor wenigen Wochen für Entsetzen nicht nur beim gegenüber wohnenen Pollrich gesorgt. Viele Mühlheimer schlossen sich seinem Kampf an. Mit Ralf Zimmermann tat sich von Anfang an eine zweite argumentative Taktik auf. Er ist direkter Nachbar der Hausnummer 59, sah sein Grundstück von einem Teil der Antenne überbaut, beauftragte eine Anwältin und las in schlaflosen Nächten jeden Schnipsel, den es zum Thema gibt. Dabei stieß er auf Beispiele aus anderen Städten, die Mobilfunkmasten schon lange beispielsweise per Bebauungsplan Steine in den Weg legen. Ähnliches wünscht sich Zimmermann auch von der Stadt Mühlheim. Die hat mittlerweile eine Einschätzung des Städte- und Gemeindebundes eingeholt und sieht kaum Möglichkeiten zur Gegenwehr von ihrer Seite.

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