Mellseewiesen-Verein mit Entwässerungsproblem

Kleingärtners Grabenkampf

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Überschwemmungen in Mellseewiesen. 

Mühlheim - Wasser ist Leben. Gerade für die botanischen Schützlinge von Kleingärtnern. Der Verein in den Mellseewiesen hat vom Nass allerdings gerade deutlich zu viel - nach starken Regen flutet der durchs Areal gezogene Birnbaumsgraben Parzellen. Von Marcus Reinsch 

Warum sich der Entwässerungskanal selbst ad absurdum führt? Beginn einer Spurensuche. Thomas Sprucks Traum erfüllte sich vor fünf Jahren. Da übernahmen er und Gattin Nicole eine Parzelle im Kleingartenverein Mellseewiesen, ganz am östlichen Ende des Geländes. Auf den Pool auf ihrem Stück Idylle hätten sie allerdings gerne verzichtet. Zum Baden taugt die zehn bis 15 Zentimeter tiefe Wasserfläche nicht, nur zum Ärgern.

Denn eigentlich sollte der Birnbaumsgraben, ein kleiner offener Entwässerungskanal, solche Überflutungen in dem extrem feuchten Gebiet verhindern. Tut er aber nicht, wenn das Wasser nach starkem Regen mit Macht kommt. Momentan also oft. Die Folgen für ihn und andere Gärtner hat Spruck mit der Kamera dokumentiert. Er selbst zum Beispiel kann sich gerade eher als Seichtwasserkapitän denn als Hobbygärtner betätigen.

Der Kleingartenverein kennt das Problem nicht erst, seit der Himmel seine Schleusen alle paar Stunden öffnet wie in den vergangenen Wochen. Der vor Jahren vom Vorstand immer mal wieder gestartete „Grabenkampf“ hatte bisher allerdings kaum Erfolg. Die Gemeinschaft vermutet vor allem eine Ursache für ihre Situation: Es helfe wenig, fasst Spruck zusammen, wenn der Verein den auf seinem Gebiet mit kleinen Mäuerchen kanalisierten Graben freihält, sich die Fluten aber ein Stück weiter wieder bis zu den Parzellen zurückstauen. Doch eben das passiere.

Denn der Kanal sei teils zugewachsen. Teils, etwa am Sportzentrum Dietesheim, kommt er den Kleingärtnern gegen die Fließrichtung gen Main ansteigend vor. Und teils werde er an mehreren Stellen immer wieder zugeschüttet – Radler, Reiter, Spaziergänger, die über den Birnbaumsgraben wollen und eigene Übergänge schaffen, kämen dem Interesse der Kleingärtner an Entwässerung mit ihren Privatfurten im Wortsinn in die Quere.

Mit besagter Konsequenz. Spruck: „Der Kanal läuft über, und wenn der Boden bei uns das Wasser nicht mehr aufnehmen kann, stehen die Gärten unter Wasser.“ Das sei ärgerlich, „wir machen uns viel Arbeit, und am Ende kann man alles gerade wieder rausreißen.“

KGV-Akteure hätten die sogar mit Brettern befestigten Spontan-Staustufen häufig mit der Spitzhacke beseitigt. Der gewünschte Effekt habe sich nicht dauerhaft eingestellt. „Wir machen den Graben auf, andere machen ihn wieder zu...“ Sisyphos lässt grüßen. Auf einen Konflikt mit Spaziergängern & Co. sei im Verein niemand aus, „die Behörde müsste da vielleicht einfach ein Stück geschlossenes Rohr verlegen“, damit beides, Übergang und Entwässerung, funktioniere.

Dieter Gick, bei der Stadt Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt, will sich die Situation vor Ort anschauen und auf die Kleingärtner zugehen. Dass der Birnbaumsgraben jetzt unter Wasser stehe, sei wenig verwunderlich, sagte er gestern auf Anfrage. Und „bei solch starken Regenfällen wird man das nie ganz vermeiden können“. Die Mellseewiesen seien ein sehr feuchtes Gebiet. Und selbstverständlich reinige die Stadt den Graben immer wieder. Furten seien natürlich immer ein Konflikt zwischen Kleingärtnern und Passanten, für den eine Lösung angepeilt werden müsse.

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