Ab 2017

Wieder Gratisnachmittag im dritten Kindergartenjahr

Mühlheim - Ab 2017 ist das dritte Kindergartenjahr in Mühlheim wieder kostenlos. Die Große Koalition und die „Bürger“ haben beschlossen, die im Herbst vergangenen Jahres umgesetzte Streichung des Angebots zurückzunehmen. Von Marcus Reinsch

Rückkehr des komplett kostenlosen dritten Kindergartenjahres in Mühlheim: Mit den Stimmen von SPD, CDU und „Bürgern für Mühlheim“ hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, die Kostenbefreiung für die Nachmittagsbetreuung wieder einzuführen. Gestrichen worden war die Offerte im September vergangenen Jahres. SPD und Grüne - damals noch Koalitionspartner - hatten mit ihrem Votum auf einen Erfahrungswert reagiert: Viele Eltern, hieß es damals, meldeten ihren Nachwuchs im dritten Kindergartenjahr zwar bis 15 oder 17 Uhr und damit teilweise länger als im ersten und zweiten Jahr an, weil’s ja nichts kostete. Sie holten ihn dann aber doch deutlich früher ab. Ein Problem der Planbarkeit. Denn qualifiziertes Personal musste die Stadt natürlich auch in halb verwaisten Institutionen vorhalten. Und anders füllen konnten die Fachkräfte die Stunden auch nicht, weil sie nur vielleicht und eben nicht verlässlich Zeit etwa für Elterngespräche oder die Vorbereitung der Betreuung hatten.

Dass der Gratis-Nachmittag nun trotzdem wiederkommt, liegt zum einen an den gewandelten politischen Machtverhältnissen. Neuer Partner der SPD wurde nach der Kommunalwahl im März dieses Jahres die CDU, die damals schon gegen die Streichung argumentierte. Zum anderen verleibte sich diese Große Koalition im Parlament den ursprünglich von den „Bürgern“ kommenden Wiedereinführungs-Antrag ein, holte die oppositionelle Fraktion an Bord. Die Grünen, die eine Gebührensenkung erst für die Zeit wollen, „wenn allen Kindern im Kindergartenalter ein Betreuungsplatz angeboten werden kann“, lehnten die Neuauflage der Gratis-Betreuung ab. Sie forderten stattdessen in einem eigenen am Ende abgelehnten Antrag Geld und Konzept für die Schaffung zusätzlicher Kita-Plätze in der Kernstadt.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Aus der Luft gegriffen ist das nicht, obgleich die Stadt in den letzten fünf Jahren schon mehr als 150 neue Betreuungsplätze geschaffen hat. Zum Vergleich Zahlen, die die den Grünen entstammende Erste Stadträtin und Sozialdezernentin Gudrun Monat der Politik im Vorgriff auf den bald herauskommenden neuen Mühlheimer Kindergartenbedarfsplan nannte: Zum Ende des Jahres 2014 hatten 829 Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Ein Jahr später waren es schon 891. Und für Ende dieses Jahres rechnet Monat mit 910 Kindern. Mindestens - weil in diese Prognose der diesjährige Zuzug noch gar nicht einbezogen ist.

Die zur Verfügung stehenden Plätze gegengerechnet - 878 mit Betriebserlaubnis, faktisch momentan aber nur knapp über 800 - ergibt sich eine recht dramatische Lücke. Monat sieht also ebenfalls Bedarf für den weiteren Ausbau; bevorzugt in Form einer kompletten neuen Kindertagesstätte. Momentan gebe es Überlegungen, sagte sie gestern, „wie wir kurzfristig eine Lösung anbieten können“. Denkbar wäre da zum Beispiel, Halbtagsplätze am Nachmittag zu schaffen.

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare