Das Fernsehen zeigt, wieso Jens Wilms nur in Mühlheim daheim ist

Weg vom neutralen Terrain

„Entspricht gar nicht dem Klischee“: Hessenschau-Dreh für die ARD-Serie „Heimat“ mit Jens Wilms (links).
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„Entspricht gar nicht dem Klischee“: Hessenschau-Dreh für die ARD-Serie „Heimat“ mit Jens Wilms (links).

Mühlheim - Mühlenstädter bleiben ihrer Heimat treu, ein Leben lang! Selbst wenn sie auf der ganzen Welt zu Hause sind. Wie der Personal- und Unternehmensberater Nils Wilm pflegen sie eine enge Verbundenheit mit den Plätzen ihrer Jugend. Das dokumentiert auch die „Hessenschau“ in der ARD-Themenwoche „Heimat“.  

Im kleinen Saal im Westflügel der Willy-Brandt-Halle fließt schon der Schweiß. Fünf Paare dreschen aufeinander ein, meint: Einer schlägt mit aller Kraft auf eine Pratze, ein Schaumstoffkissen, das der Partner in Kopfhöhe hält. Besonders bemüht sich gerade der gut gebaute Herr mit den grau melierten Schläfen und den kräftigen Oberarmen. Nils Wilm kennt sich aus mit der Disziplin, er engagiert sich in der Wing-Tsun-Schule in der ersten Etage auch als Trainer. Draußen weisen flackernde, farbige Lichtbänder den Besuchern des Varietés den rechten Weg. Hinter den Mauern der Weltbühne richtet ein Team des Hessischen Rundfunks Kameralinse und Mikrofongalgen auf den trainierenden Mühlheimer. Wing-Tsun, erläutert er der Reporterin, das sei die chinesische Variante von Kung Fu. Es gleiche auch dem Tai-Chi, lernt Fernsehautorin Gabi Delingat, es baue Aggressionen und Stress ab.

Davon hat Wilmsgenug! Immer auf der Suche nach Top-Leuten trifft er sich mit den Wunschkandidaten seiner Auftraggeber zu ersten Gesprächen auf „neutralem Terrain“, in einem Café an der Fressgass oder einem Restaurant am Opernplatz. Das Ziel ist klar, der „Headhunter“ oder „Kopfjäger“ möchte hochqualifizierte, erfolgreiche Vertreter ihres Standes abwerben. Wilm sucht Investment-Banker, Führungspersonal für Banken und Industrie. Dafür reist er im Jahr bis zu 50.000 Kilometer kreuz und quer durch Europa, erfahren die Fernsehzuschauer.

Und dennoch kehre er immer wieder gerne zurück, erzählt er ins Mikrofon, bezeichnet sich selbst als Urhesse mit Herz. „Er ist sehr heimatverbunden und entspricht gar nicht dem Klischee seines Berufs“, staunt Reporterin Delingat. Der 37-jährige Single ist in Offenbach geboren und in Mühlheim aufgewachsen, hat an der Goethe-Universität in Frankfurt Betriebswirtschaft studiert. Drei Jahre war er Börsenmakler, bevor er Headhunter wurde.

Bilder: Volkslauf in Mühlheim

„Es ist sehr schwierig in der Branche zu drehen“, plaudert die Reporterin aus dem Nähkästchen, „viele wollen nicht vor die Kamera“. Mit viel Glück und über Umwege stieß sie auf den offenherzigen Sportler. „Ich kann mir nicht vorstellen, außerhalb des Rhein-Main-Gebiets leben“, sagt er im Interview, Mühlheim sei seine Basis, ein Anker, und das sei „gerade bei dem Job“ wichtig.

 Die Themenwoche „Heimat“ läuft ab 5. Oktober ARD-weit. Die Hessenschau zeigt den Beitrag von Gabi Delingat über den „Typ Denker“ am Freitag, 9. Oktober, ab 19.30 Uhr. Zu den fünf vorgestellten Hessen zählen auch eine Eriträerin, die als Flüchtling kam und eine Hochleistungs-Tischtennis-Schülerin am Olympia-Stützpunkt. (M.)

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