Obermainstraße: Die Stadt verhandelt mit dem Bauträger über einen Kompromiss

Das wertvolle Alte im Neuen?

+
Unscheibar, aber voller Geschichte – die Obermainstraße 21.

Mühlheim - In Sachen Dietesheimer Fischerhaus hat Bürgermeister Daniel Tybussek Kontakt mit der Landes-Denkmalpflege aufgenommen.

In ihrer jüngsten Sitzung beauftragte ihn das Stadtparlament auf seinen Wunsch hin, sich bei der Behörde für eine neue Begutachtung des als letztes Zeugnis für die Fischerei-Vergangenheit des Mühlheimer Stadtteils einzusetzen. Hintergrund ist, dass ein Architekt und der Geschichtsverein in den letzten Monaten neue Erkenntnisse vor allem über das wohl aus dem 17. Jahrhundert stammende Fischerhaus selbst gewonnen haben. Dazu zählen unter anderem Werkzeuge von damals, Räucherofen, Fisch-Bassin, Hochwassermarkierungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts und ein Stück Dietesheimer Ringmauer.

Unter Denkmalschutz steht das Ensemble allerdings nicht. Möglicherweise, weil die Historienbewahrer die Funde bei ihrer Bewertung gar nicht einbeziehen konnten. Denn die stammt aus dem Jahr 1980. Tybussek regt nun aus neutraler Position eine Neubewertung an.

Lesen Sie dazu auch:

Fischerhaus vor Abriss: Familie sucht Hilfe

Im Gespräch ist er mittlerweile auch mit der Gefi Bau GmbH. Die hat das Ensemble gekauft, hat bereits die Genehmigung für den Abriss und den Neubau von zwei Wohngebäuden. Geschäftsführer Martin Wurzel sicherte Tybussek, dem von der Politik auch Verhandlungen mit dem Bauträger über den Erhalt schützenswerter Gebäudeteile aufgegeben ist, gestern Kompromissbereitschaft zu. Seine Unternehmensgruppe habe schon 30 bis 40 Denkmäler saniert und entsprechende Erfahrung, sagte Wurzel unserer Zeitung. „Wir haben bisher immer einen Weg gemeinsam mit dem Denkmalschutz gefunden, um erhaltenswerte Teile in unsere Baumaßnahmen zu integrieren, ohne dass es ihnen zu sehr schadet.“ Für den Neubau an Dietesheims Obermainstraße könne er sich vorstellen, maßgebliche Elemente beispielsweise sichtbar im Bereich der Tiefgarage zu platzieren.

Luxus pur: Die teuersten Wohnlagen in Frankfurt

Grünes Licht für Tybusseks Denkmalschutz-Antrag gaben in der Stadtverordnetenversammlung nur SPD und CDU. Die „Bürger für Mühlheim“ lehnten ab, weil dieser Vorstoß keine Aufgabe des Parlaments, sondern bereits Tybussek-Wahlkampf um seine Wiederwahl als Bürgermeister sei. Die ebenfalls oppositionellen Grünen verwiesen ebenfalls auf die Zuständigkeiten. Und darauf, dass hier auch der Bedarf an Wohnungen gesehen werden müsse. (mcr)

Kommentare