Riesiges Emblem der EHA-Ventilfabrik

Rettung eines Aushängeschildes

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Ohne Feuerwehrhilfe war an das Emblem von der Fassade nicht ranzukommen. Das beste Überbleibsel ist nun gesichert.

Mühlheim - Im Marathon Historienbewahrung hat der Mühlheimer Geschichtsverein einen Etappensieg errungen: Er sicherte ein elementares Stück Industriegeschichte der Stadt: das riesige Emblem der als EHA mehr als legendären Ventilfabrik, für Jahrzehnte zuhause an der Lämmerspieler Straße. Von Marcus Reinsch

Sie ist die mit großem Abstand schwerste Visitenkarte Mühlheimer Industriekultur. Und wird den Geschichtsverein schon deshalb noch vor eine große Herausforderung stellen, weil sie mit einem mal einem Meter Kantenlänge nicht einfach in einem Portemonnaie aufbewahrt werden kann: Die Historiker haben sich das in einer Frühform von Neonbuchstaben ausgeführte Firmenemblem gesichert. Möglich wurde das, weil die Alligator Ventilfabrik GmbH als letzte Eigentümerin und die städtische Wirtschaftsförderung das 18.000 Quadratmeter umfassende Areal an der Lämmerspieler Straße nach dem EHA-Aus vor einigen Jahren in den nächsten Monaten schadstoffsanieren und als neue gewerbliche Fläche entwickeln wollen. Unter anderem erwirbt die städtische Gesellschaft Immoservice Flächen, um dort ihre bisher über die Stadt verteilten Funktionsstätten in einem lange ersehnten Betriebshof zu vereinen (wir berichteten). Über die Verlagerung des Mühlheimer Bauhhofs vom einstigen Feuerwehrgelände an der Dietesheimer Straße dorthin spricht die Politik in ihrer nächsten Sitzung. Und auch Wohnungsbau ist im Gespräch.

Mittlerweile läuft der Rückbau, die alten Gebäude sind schon länger komplett entkernt. Ein Fortschritt, aber auch ein Warnsignal: Wer jetzt noch etwas retten will von der EHA-Ära, muss sich sputen. Das hat der Geschichtsverein getan, und viele Köpfe und Hände waren beteiligt.

Den Hinweis für den Abbruch der Reklamewand hatte Alfons Ott von der Immoservice, einer Tochter der Stadt-Gesellschaft Wohnbau, gegeben. Die Hobbyhistoriker Bruno Schmück und Walter Schäfer baten die Feuerwehr, die mit einer Drehleiter den Zugang zum Emblem an der Fassade erst möglich machte, und die Polizei, die die Lämmerspieler Straße zur Hälfte sperrte, um Hilfe. Nach einigen Stunden war klar: Der Geschichtsverein kann sich das Schild für seine Ahnentafel der Mühlheimer Industriegeschichte einverleiben. Und beim Rundgang durch die noch vorhandenen Gebäude stöberten die Akteure auch noch ein paar kleinere Schriftzüge und Plaketten auf. Plus eine alte Aufzugsmaschine.

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Die EHA-Ventilfabrik hatte ihren Standort ursprünglich in Hanau, behielt ihren Namen „Erste Hanauer Präzisions - und Fassondreherei“ auch, als sie im Jahr 1939 nach Mühlheim kam. In ihren besten Zeiten beschäftigte sie bis zu 400 Leute. 2004 wurde sie an eine Firma in Baden-Württemberg verkauft. Die Produktionsmaschinen gingen zwischenzeitlich in den Osten. Mit der Abwicklung des Mühlheimer Unternehmens hatten aber noch rund 50 Betriebsangehörige zu tun. Dann standen die Gebäude leer.

Von den 18.000 Quadratmetern des EHA-Geländes bleibt einer als Erinnerung an die Ära der Ventilfabrik übrig. Die Historiker verleiben der Ahnentafel Mühlheimer Industriegeschichte das Firmenemblem ein.

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