Gegner klappern Haustüren ab

Rücken- und Gegenwind für Mobilfunkmast

Mühlheim - Auffrischender Gegenwind gegen den vor wenigen Wochen in der Bahnhofstraße gesetzten Vodafone-Mobilfunkmast: Die Hauptakteure klapperten gestern die Gegend ab, um Widersprüche von Anwohnern zu sammeln. Derweil sieht sich die Stadt rechtlich die Hände gebunden. Von Marcus Reinsch

Der Widerstand gegen den Mobilfunkmast in der Bahnhofstraße professionalisiert sich auf Bürgerinitiativen-Art. Gestern klingelten sich Hans Pollrich und Ralf Zimmermann, zwei der Hauptakteure, in der Kernstadt von Tür zu Tür. Nach wenigen Stunden, sagt Pollrich, habe er alleine aus der Zimmerstraße drei Dutzend Widersprüche beisammen gehabt. Und Friedenskirchen-Pfarrer Ralf Grombacher, der vergangene Woche sein Nein zu Masten in Wohngebieten mit dem christlichen Gebot der Parteinahme für Schwächere begründet hatte, wolle auch noch sammeln.

Mit den Schreiben legt Pollrich eine „Widerspruchs-Akte“ an, „damit wir das auch wirklich beweisen können“. Das gilt als wichtig. Denn Empfänger aller verschriftlichten Verzweiflung („Ich bange außerordentlich um meine Gesundheit!“) ist, per Einschreiben mit Rückschein, die Bundesnetzagentur. Das ist die Behörde, von der Pollrich & Co. erwarten, dass sie die Standortbescheinigung für den fast zehn Meter hohen Mast auf der Hausnummer 59 verweigert, falls genug Gegenwind bläst.

Von offizieller Seite scheint kaum Hilfe möglich. Zimmermann - über gesundheitliche Bedenken hinaus anfangs auch durch die teilweise Überbauung seines Grundstücks betroffen (wir berichteten) - vermeldet gestern: Seine Anwältin habe von der Kreisbauaufsicht die Auskunft bekommen, dass die kein „baurechtliches Einschreiten“ plane. Dafür gebe es keine Handhabe.

Diese Argumentation deckt sich im Wesentlichen mit der Stellungnahme, die der Hessische Städte- und Gemeindebund (HSGB) auf Anforderung von Bürgermeister Daniel Tybussek mittlerweile geliefert hat: „Letztendlich hält sich die Möglichkeit der Einflussnahme der Stadt im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens in Grenzen.“ Zum einen obliege die „Beurteilung der baurechtlichen Zulässigkeit der Bauaufsichtsbehörde“. Die sitzt beim Kreis. Zum anderen könnten „auch Erwägungen über gesundheitliche Auswirkungen der Mobilfunkanlage nicht die Versagung des gemeindlichen Einvernehmens rechtfertigen“.

Die Mast-Gegner haben erwartungsgemäß eine andere Sicht. Sie zielen darauf, dass nicht die Verwaltung Masten einen Riegel vorschiebt, sondern die Politik.

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