Schulkindbetreuung im Alten Rathaus:

Die Stadt als Mieterin

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Im Erdgeschoss des Alten Rathauses wird ein eigener Zugang für die Grundschüler gebaut.

Mühlheim - Es fehlt noch was für die 30 zusätzlichen Plätze in der Lämmerspieler Schulkindbetreuung: der Segen der Mühlheimer Politik. Von Marcus Reinsch

Denn das Alte Rathaus, in dessen Südflügel das Plus an dringend ersehnter Kapazität gerade entsteht, wird nicht der Förderverein der Schule nebenan mieten, sondern die Stadt. Das grüne Licht der Volksvertreter ist fest geplant. Wenn ein öffentlicher Auftraggeber im Spiel ist, geht nichts so einfach wie bei einem Privatprojekt. Zu sehen ist das in der ersten Stadtverordnetenversammlung nach der politischen Sommerpause am 22. September (18 Uhr, Rathaus, Friedensstraße 20). Da soll die Politik der Stadtverwaltung auch offiziell erlauben, in Lämmerspiel 30 neue Plätze für die Schulkindbetreuung bauen zu lassen.

Zweifel, dass das Projekt an der Volksvertreterschaft scheitern könnte, sind unnötig. Die breite Zustimmung gilt schon deshalb als sicher, weil die Lücke im Repertoire offensichtlich ist und mehr Betreuung ein Signal für Familienfreundlichkeit wäre. Abgesehen davon wird das Alte Rathaus des Stadtteils sowieso schon seit Monaten umgebaut (wir berichteten). Dort werden in den nächsten Monaten 30 zusätzliche Plätze fertig.

Mit 125 Kindern sei die Villa Brüder-Grimm (der vom Förderverein der Brüder-Grimm-Grundschule gestemmten Schulkindbetreuung, Anm. d. Red.) an ihre Grenzen gekommen, heißt es in der Begründung der Verwaltung. Die Folgen sorgten, auch wenn es im Gegensatz zur Krabbelstuben und Kindergärten noch keinen Rechtsanspruch gibt, für Ärger. Zu Beginn des Schuljahrs 2015/2016 seien noch 20 Kinder unversorgt geblieben, es gab Beschwerden, aber keine Chance auf Erweiterung innerhalb des Schulgeländes. Und die Zahl der Schulkinder, deren Eltern nach Betreuungsplätzen suchen, steige weiter.

Die Plätze, die nun in der einstigen Verwaltungsdependance – und ganz früher sogar schonmal Schule – an der Bischof-Ketteler-Straße entstehen, sind da ein Befreiungsschlag, um das Angebot dem Bedarf anzupassen. Es hatte sich angeboten, im direktem Umfeld der Brüder-Grimm-Schule nach Möglichkeiten zu suchen. Da kam es gerade recht, dass der Südflügel des ursprünglich komplett für Wohnungen vorgesehenen Alten Rathauses noch frei war.

Die Räume mit insgesamt 180 Quadratmetern auf zwei Etagen gelten als ideal, weil die Schüler von der Schule dorthin kommen, ohne eine Straße zu überqueren. Der Hauseigentümer, der Lämmerspieler Bauunternehmer Pit Helmle, lässt das Domizil auf seine Kosten bedarfsgerecht sanieren. Für eine kurze Strecke im Kalender hat sowas keinen Sinn, der Mietvertrag sieht zunächst zehn Jahre Laufzeit und eine Verlängerungsoption vor.

Bei den Verhandlungen des Bauherrn mit dem Kreis, bei dem die Bauaufsicht sitzt, ist das Gebäude als Sonderbau kategorisiert worden. Bedeutet: Ein zweiter Rettungsweg ist Pflicht. Die Kosten für die zusätzliche Außentreppe legt Helmle auf die monatliche Miete für die zehn Jahre um. Der Magistrat hat der Anmietung bereits Ende Mai zugestimmt. Die Stadt wird das Gebäude dem Verein für die Schulkindbetreuung zur Verfügung stellen. Neben 2000 Euro Miete fallen monatlich etwa 700 Euro für Strom, Heizung, Wasser und Abwasser an.

Dass der Förderverein nicht selbst als Mieter auftritt, sondern die Stadt als Zwischenhändlerin an Bord geholt hat, hat Gründe. Er hat erst seit Kurzem einen neuen Vorstand und habe sich „außerstande gesehen, die Verantwortung des Abschlusses eines Mietvertrages und die damit verbundene finanzielle Verantwortung einzugehen“, heißt es von der Stadtverwaltung. Mit der zusätzlichen Betreuung fielen für den Förderverein zwar auch zusätzliche Kosten an. Gleichzeitig stiegen aber auch die Einnahmen aus den Elternbeiträgen. Die Rede ist von knapp 30.000 Euro zusätzlichem Förderbedarf im Jahr. Die ergeben sich aus gut 100.000 Euro Kosten beispielsweise für Miete und Personal minus knapp 71.000 Euro Einnahmen aus Elternbeiträgen, Ferienbetreuung und Essensgeld.

Die Lämmerspieler Plätze seien „durchaus mit denen in einer städtischen Einrichtung wie den Goethe-Kids vergleichbar“, formuliert die Stadt. Für sie habe „die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hohe Priorität“. Die sei „für berufstätige Eltern existenziell wichtig.“ Während die Betreuungszeiten in der Kindertagesstätte verlässlich sind, sei dies zu Schulzeiten nicht mehr unbedingt gegeben. Der Ausfall von Schulstunden oder später beginnender Unterricht stellten berufstätige Eltern vor ein fast unlösbares Problem.

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