Waldbegehung in Mühlheim

Selbst das Wild will sie nicht

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Bei der Waldbegehung durchstreiften die Mitläufer den Wald hinterm Markwälder Seerosenweiher.

Mühlheim - So ein Wald ist kein billiges Vergnügen. 9000 Euro kostet er die Mühlenstadt in diesem Jahr. Doch das Geld scheint gut angelegt. Davon konnten sich Politiker und Verwalter am Samstag ein Bild machen.

Forstamtsleiter Christian Münch und der Revierleiter Knut Dockendorf lotsten sie. Bisweilen fällt es bekanntlich schwer, vor lauter Bäumen den Wald zu sehen. Bei der Waldbegehung für Volksvertreter und Stadtverwalter droht diese Gefahr nicht. Lieselotte Kawecki, stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin, begrüßte beim Start zur Wanderung am Seerosenweiher mit Forstamtsleiter Christian Münch und Revierleiter Knut Dockendorf zwei Menschen, die jedes Gewächs kennen wie ihre Westentasche. Die Tour führte durch Dickicht und Unterholz, eignete sich nicht für jeden Fuß.

Einen schweren Stand haben in der sogenannten Abteilung 48 auch heimische Gehölze wie Kiefer und Eiche. Sie werden bedrängt von der sehr resistenten Späten Traubenkirsche. Die Sorte stammt aus Nordamerika, wurde nach dem Krieg an Straßenränder gesetzt, weil sie gut mit Salzwasser zurechtkommt. Im Wald breitete sie sich auf Windwurfflächen aus, die durch die Stürme Anfang der 90er Jahre entstanden sind. Dort nimmt sie aber anderen Pflanzen das Licht. Die Kirsche schlägt sehr schnell aus, muss oft zweimal im Jahr beschnitten werden. Und bleiben nur ein paar Zentimeter Wurzel im Boden, wuchert sie im nächsten Frühjahr erneut. Zudem verbreiten Vögel die Kerne.

Zu allem Übel verbreitet das Holz des unerwünschten Gastes beim Verbrennen einen unangenehmen Geruch. Selbst das Wild wendet sich von der Rinde ab. Die störende Kirsche müsse recht aufwändig beseitigt, der Boden aufgelockert werden, kündigte Dockendorf an, damit sich willkommene Bäume entwickeln können.

Weil allein bis Juni mit 650 Litern auf den Quadratmeter schon die Niederschlagsmenge des ganzen Jahres gefallen sei, informierte Münch, sei ein nachhaltiges Wegebau-Konzept gefragt. Bei der Instandsetzung von Verbindungen setzten die Waldarbeiter spezielle Sägen und Schaufeln ein. Sie beförderten das Schnittgut in die Waldfläche, formten die Oberfläche auf rund zwei Kilometern zu den Seiten hin abfallend. So könne das Wasser durch Gräben und Durchlässe zum Vorfluter gelangen. Dazu verlaufen nun Rohre mit 40 Zentimetern Durchmesser unterm Schotter.

Dockendorf wies darauf hin, dass Wege mit Erholungsfunktion Vorrang vor solchen haben, die der Forst befährt. Ähnlich verfahren Experten mit der Verkehrssicherungspflicht an Waldrändern. Drohten Äste auf Straßen oder Privatgrundstücke zu fallen, würden sie rasch entfernt. Das sei schwierig, wenn die Bäume bis direkt an die Areale stehen. Dann müssten Fachleute von hinten anrücken, was viel Zeit koste.

Mittlerweile werden Geräte eingesetzt, die den Baum beim Fällen halten und ihn dann nach Wunsch ablegen. Das vermeide auch die Sperrung von Straßenzügen. Die Forstleute laufen bei ihren Kontrollgängen jährlich 300 Kilometer in Stadt und Kreis ab, davon 22 in der Mühlenstadt. Die Kosten für Maßnahmen seien nur sehr schwer im Vorfeld zu beziffern, betonte Münch. Wegen der aufgeweichten Böden könne an manchen Stellen ganzjährig kein schweres Gerät eingesetzt werden. Der Amtsleiter appellierte an Spaziergänger und Radfahrer, Absperrungen zu beachten. Die Bevölkerung möge die Augen offen halten, weil immer wieder Bauschutt oder Altreifen im Grün „entsorgt“ werden. (M.)

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