Im Club der Verlässlichen

Senioren-Union wurde vor 30 Jahren gegründet

+
Bis heute treffen sich die Mitglieder der Senioren-Union wie zu Gründungszeiten regelmäßig.

Mühlheim - Geburtstag einer Institution, bei der es quasi in der Natur der Sache liegt, dass die Mitglieder einige Dekaden mehr Lebenserfahrung haben: Die Mühlheimer Seniorenhilfe (SU) feiert ihren 30. Von Stefan Mangold

Dass Jens Niklaus am Dienstag zum Gratulieren und Erinneren ins Café Kinnel kommt, ist Ehrensache. Der heutige Ehrenvorsitzende der Mühlheimer CDU war anno 1986 zwar erst 44 Jahre alt. Aber als örtlicher Parteichef initiierte er damals die Gründung der Senioren-Union, war Mann der ersten Stunde. „Jens hatte die Senioren-Union zusammen getrieben“, blickt die aktuelle Vorsitzende Gisela Castner beim 30. Geburtstag der Institution scherzhaft zurück. Niklaus agierte in den 80er Jahren im Offenbacher Rathaus als rechte Hand des damaligen Oberbürgermeisters Walter Suermann und kannte eine Senioren-Union aus der Nachbarstadt. Sowas wollte er auch für Mühlheim. Wobei die Organisation nicht alleine älteren CDU-Mitgliedern offen stehen sollte, sondern allen „mit gefestigtem Weltbild“. Angst vor Unterwanderung durch den politisch übermächtigen Gegner herrschte damals keine. Niemand habe fürchten müssen, „dass bei uns Knallrote eintreten“.

In diesem Kontext erzählt Niklaus von der Zeit, als der damalige CDU-Vorsitzende Ewald Sinner zurücktrat und die Frage im Raum stand, ob ihm der gesamte Vorstand in einem Akt der Solidarität folgen sollte. Niklaus war sein Vize und sah das Prinzip von Ursache und Wirkung außer Kraft gesetzt, „ich konnte für den Schritt keinen Grund erkennen“. Eine Abstimmung des Vorstands endete mit 8:7 gegen einen kollektiven Rücktritt. Vielleicht dürfte Niklaus, der nach einem kommissarischen Übergang 1983 schließlich auch offiziell den Vorsitz übernahm, mit der neuen Senioren-Union auf eine verlässliche politische Gruppe in der Mühlheimer CDU gehofft haben. Eine, die hilft, den Burgfrieden zu stabilisieren.

Gisela Castner erzählt von der ersten Vorsitzenden, von Margret Kress. Bei ihr handelte es sich um keinen Charakter für endlos langes Palaver, „Margret Kress war Frankfurter Gastwirts- und Metzgerstochter.“ Klar angesagt und glänzend organisiert habe sie. Später zog sie zum allgemeinen Bedauern nach Bayern. Ihr Mitstreiter war Heinz Göbler, den Niklaus „Der Reisemarschall“ nennt, weil er die Fahrten der Senioren-Union geschickt und vor allem günstig ausbaldowerte. Die Touren sind bis heute legendär, und Ingrid Förster hegt den Verdacht, „dass der Heinz aus eigener Tasche draufzahlte“. Der frühere Bürgermeister Bernd Müller verlieh Heinz Göbler für dessen Engagement den Mühlentaler der Stadt.

Damals kamen manche Reisen einem ausgedehnten Urlaub gleich. Zwei Wochen Klopeiner See in Kärnten standen etwa auf dem Programm, samt Morgengymnastik im Freien mit Blick aufs Gewässer. „Einmal habe ich mitgemacht – und dann das Geschehen nur noch beobachtet“, erinnert sich Gerda Brinkmann. Mühlheims prominente Stadtführerin nennt sich als Beispiel, dass es möglich ist, gleichzeitig Mitglied der Senioren-Union, aber nicht der CDU zu sein. „Ich gehöre gar keiner Partei an.“

Statt brüchig und zittrig: So bewahren sich Senioren Stimme

Mit der Mutterpartei hadert Gisela Castner. Bürgermeister Bernd Müller habe sich ja noch um die Senioren-Union gekümmert, und der Landtagsabgeordnete Ismail Tipi kam auch mal zu Besuch. „Doch heute interessieren sich weder der Partei- noch der Fraktionsvorsitzende für uns.“ An der Stelle springt die Stadträtin Erika Sickenberger dem CDU-Chef Stephan Fuchs und dem Fraktionsvorsitzenden Marius Schwabe bei. Die Senioren-Union treffe sich eben generell zu Uhrzeiten, in denen Leute wie die beiden arbeitsbedingt beim besten Willen nicht können. Castner moniert jedoch, „dass die sich auch sonst nicht melden und auf nichts von uns eingehen“.

Die Senioren-Union hatte in ihrer Anfangszeit über hundert Mitglieder. „Mittlerweile sind es nur noch etwa 15“, bedauert Castner. Das Bild dürfte in anderen Städten ähnlich aussehen. Den Zuspruch in früheren Zeiten bedingten wohl eher die Freizeitangebote der SU, als dass es die älteren Mühlheimer mit überwiegend konservativen Lebensentwürfen in einen hochpolitischen Debattierclub trieb. Die Begründung fürs Schrumpfen ist denn auch versöhnlich: „Die Angebote für Senioren haben sich auch in Mühlheim in den letzten Jahren stark verbessert“, begrüßt Erika Sickenberger genauso wie Jens Niklaus, „uns Alten fehlt dadurch aber der Nachwuchs“. Dennoch stellt die Kommunalpolitikerin fest, „so verlässlich aktiv wie wir es sind, ist in Mühlheim sonst keine Gruppe der Union.“

Erster Eindruck zählt - Das richtige Pflegeheim finden

Kommentare