Emma Clara Garten trommelt, streichelt, klopft

Talent mit Taktgefühl

Mühlheim - Emma Clara Garten gewann im Februar bei „Jugend musiziert“ den regionalen Entscheid und belegte auf Landesebene im März als jüngste Schlagzeug-Teilnehmerin den zweiten Platz in ihrer Altersgruppe. Von Stefan Mangold 

Udo Diegelmann mit Preisträgerin Emma Garten. Der Komponist versucht mit seinem Unterricht möglichst viele Schüler an die Neue Musik heranzuführen.

Die Elfjährige besucht einmal in der Woche in der Dependance der Musikschule an der Kirchstraße den Unterricht von Udo Diegelmann. Emma ist keine, die sich erst warm reden muss. Sie erzählt, wie sie vor sechs Jahren mit ihrer Mutter Elke Kraft am Tag der offenen Tür die Musikschule besuchte. Die afrikanische Djembe-Trommel war gleich ihr Ding. Seitdem spielt sie Schlagzeug. Vor knapp einem Jahr griff sie außerdem zum Kontrabass. Das gestaltete sich komplizierter. In der Marienschule in Offenbach musste sie ein zweites Instrument wählen. Und Emma wollte „mit allen Mitteln“ das Trauma so mancher Kindheit vermeiden: die Blockflöte. Ein Cello hätte sie immer mitschleppen müssen, das Saxophon sei ihr zu unhandlich, „die Geige zu quietschig“. Beim Kontrabass gefällt ihr die tiefe Grundstimmung. Ein Exemplar, in der halben Version für Kinder, steht in der Schule, ein weiteres zu Hause unter dem Dach, „den Raum hat Papa extra ausgebaut“.

Schlagzeug verbinden viele Popmusik-Liebhaber lediglich mit der Batterie, hinter der Typen wie der früh verstorbene Keith Moon von The Who oder Charlie Watts von den Rolling Stones den Takt vorgeben. Im Orchester hingegen haut der Schlagzeuger die Pauke, streicht mit einem Geigenbogen über den Beckenrand oder wirbelt mit zwei Schlägeln pro Hand über die Holzklangplatten eines Marimbaphons. Die sehen aus wie braune, überdimensionierte Klaviertasten. Das Instrument ähnelt dem Xylophon, das ebenso zum Schlagzeug gehört wie auch die Triangel. Das Marimbaphon säuselt wohlig, dunkel.

Emmas Lehrer Udo Diegelmann (56) studierte an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt. Mehrere Jahre erhielt er Stipendien für die renommierten Darmstädter Internationalen Ferienkurse für Neue Musik als Schlagzeuger und Komponist. Diegelmann ist Vorsitzender von „con tempo, Kulturverein zur Förderung der Neuen Musik in Frankfurt“. Für die setzt sich der ruhig und gelassen wirkende Pädagoge auch in Mühlheim ein. Das Kinderlied „Ist ein Mann in Brunn gefallen“ kommt so ziemlich mit den gleichen Tönen aus wie „Alle meine Entchen“. Emma spielt aus der von Diegelmann herausgegebenen Schule „MarimbaSpiele“ vor. Das Lied schwillt an, verfremdet sich – auch durch Emmas eigene Improvisation. Bei einem anderen Stück klopft die Mühlheimerin nach einem „C“ ein „Fis“. Das ist ein sogenannter Tritonus: Ein schräg dissonantes Intervall, das sich in der Neuen Musik in der Regel nicht auflöst. Diegelmann erzählt, schon beim Komponieren des Stückes an Emma gedacht zu haben. Seine Idee liegt darin, Kinder entspannt und ohne missionarischen Eifer an die Neue Musik heranzuführen. In Mühlheim unterrichtet der stellvertretende Leiter der Musikschule 22 meist junge Schlagzeuger.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Emma spielte auch bei Diegelmanns Perkussion-Projekt „Plattenspieler“ mit, auf Konzerten in Wiesbaden, Frankfurt und im FEG in Mühlheim. Mit den Platten sind nicht die aus Vinyl gemeint, sondern die aus Holz, die über den Resonanzröhren eines Marimbaphons liegen. Ob sie einmal Berufsmusikerin werden wolle, das könne sie allerdings noch nicht sagen. Der pfiffigen Emma dürften etliche Wege offen stehen. An Neugier mangelt es zumindest nicht: „Es gibt so vieles, das mich interessiert.“

Rubriklistenbild: © Mangold

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